Deutsche Lyrik der Gegenwart: seit 1850 ; e. Anthologie mit biograph. u. bibliograph. Notizen (Google eBook)

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Ehlermann, 1882 - German poetry - 341 pages
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Page 235 - Ein Tännlein grünet wo, Wer weiß, im Walde; Ein Rosenstrauch, wer sagt, In welchem Garten? Sie sind erlesen schon, Denk es, o Seele, Auf deinem Grab zu wurzeln Und zu wachsen. Zwei schwarze Rößlein weiden Auf der Wiese, Sie kehren heim zur Stadt In muntern Sprüngen. Sie werden schrittweis gehn Mit deiner Leiche; Vielleicht, vielleicht noch eh" An ihren Hufen Das Eisen los wird, Das ich blitzen sehe!
Page 128 - Täglich ging die wunderschöne Sultanstochter auf und nieder Um die Abendzeit am Springbrunn, Wo die weißen Wasser plätschern. Täglich stand der junge Sklave Um die Abendzeit am Springbrunn, Wo die weißen Wasser plätschern/ Täglich ward er bleich und bleicher. Eines Abends trat die Fürstin Auf ihn zu mit raschen Worten : Deinen Namen will ich wissen, Deine Heimat, deine Sippschaft!
Page 245 - Augen, sagt ich, ihr Augen, was wollt ihr? Du, mein Geist, heute noch sicher behaust da drinne, Lebendigen Sinnen traulich vermählt, Wie mit fremdendem Ernst, lächelnd halb, ein Dämon, Nickst du mich an, Tod weissagend! — Ha, da mit eins durchzuckt...
Page 127 - Und wiegt und singt eintönig : Eiapopeia, was raschelt im Stroh» Es blöken im Stalle die Schafe Du trägst das Zeichen an der Stirn Und lächelst so furchtbar im Schlafe.
Page 126 - Laß die heil'gen Parabolen, Laß die frommen Hypothesen Suche die verdammten Fragen Ohne Umschweif uns zu lösen. Warum schleppt sich blutend, elend, Unter Kreuzlast der Gerechte, Während glücklich als ein Sieger Trabt auf hohem Roß der Schlechte? Woran liegt die Schuld? Ist etwa Unser Herr nicht ganz allmächtig? Oder treibt er selbst den Unfug? Ach, das wäre niederträchtig. Also fragen wir beständig, Bis man uns mit einer Handvoll Erde endlich stopft die Mäuler Aber ist das eine Antwort?
Page 298 - Ans Haff nun fliegt die Möwe, Und Dämmrung bricht herein ; Über die feuchten Watten Spiegelt der Abendschein. Graues Geflügel huschet Neben dem Wasser her; Wie Träume liegen die Inseln Im Nebel auf dem Meer. Ich höre des gärenden Schlammes Geheimnisvollen Ton, Einsames Vogelrufen — So war es immer schon. Noch einmal schauert leise Und schweiget dann der Wind; Vernehmlich werden die Stimmen, Die über der Tiefe sind.
Page 136 - Roß ; Ich hör den Hufschlag, hör den Trab, Der dunkle Reiter holt mich ab Er reißt mich fort, Mathilden soll ich lassen, O, den Gedanken kann mein Herz nicht fassen! Sie war mir Weib und Kind zugleich, Und geh...
Page 297 - Krauter blühn; der Heideduft Steigt in die blaue Sommerluft. Laufkäfer hasten durchs Gesträuch In ihren goldnen Panzerröckchen, Die Bienen hängen Zweig um Zweig Sich an der Edelheide Glöckchen, Die Vögel schwirren aus dem Kraut Die Luft ist voller Lerchenlaut. Ein halbverfallen...
Page 297 - Panzerröckchen, Die Bienen hängen Zweig um Zweig Sich an der Edelheide Glöckchen ; Die Vögel schwirren aus dem Kraut — Die Luft ist voller Lerchenlaut. Ein halbverfallen niedrig Haus Steht einsam hier und sonnbeschienen ; Der Kätner lehnt zur Tür hinaus, Behaglich blinzelnd nach den Bienen ; Sein Junge auf dem Stein davor Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr. Kaum zittert durch die Mittagsruh Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten; Dem Alten fällt die Wimper zu, Er träumt von seinen Honigernten.
Page 296 - ... grauen Tag Vergolden, ja vergolden! Und geht es draußen noch so toll, Unchristlich oder christlich, Ist doch die Welt, die schöne Welt, So gänzlich unverwüstlich! Und wimmert auch einmal das Herz, Stoß an und laß es klingen! Wir wissen's doch, ein rechtes Herz Ist gar nicht umzubringen. Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk

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