Grundzüge der praktischen Philosophie (Google eBook)

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S. Hirzel, 1882 - Ontology - 84 pages
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Popular passages

Page 7 - Guten dann noch bestehen sollte, wenn man sich das so Bezeichnete ausser aller Beziehung zu einem Geiste denkt, der daran Freude haben könnte. Nehmen wir an, in der ganzen Welt gäbe es gar Niemanden, der überhaupt Lust oder Unlust über irgend Etwas empfinden könnte, so wüsste man gar nicht, zu welchem Ende in dieser Welt Etwas geschehen sollte, und noch weniger...
Page 18 - Wesen eben diese unsere eigene Natur, die wir uns nicht gemacht haben, etwas Fremdes sei, wir mithin einem äußeren Zwange unterliegen würden, wenn wir in der That bloß müßten geschehen lassen, was aus dieser Natur folgt.
Page 9 - Ereignisse, denen ein eigener Wert und Unwert insofern zukommt, als sie zwar überhaupt bloß in unserem Gefühl beide erlangen, dann aber unabhängig von unserer Willkür, so daß auf einige ein unmittelbares, nicht abzuänderndes Urteil des Wohlgefallens oder der Billigung, auf andere eins des Mißfallens oder der Mißbilligung fällt, und daß endlich auch nach einem gleich unmittelbaren Anspruch unseres Gefühls bestimmte Gradunterschiede dieser Werte feststehen«3).
Page 19 - Erfahrung' lehrt vielmehr, daß wir allerdings oft solche Gründe zu finden glauben, oft aber auch gar nicht. Träte aber auch immer der erste Fall ein, so wäre er doch zweideutig; denn wenn zwei entgegengesetzte Entschlüsse möglich sind und in unserer Ueberlegung die für beide sprechenden Motive lange mit einander gestritten haben, endlich aber der eine Entschluß wirklich gefaßt ist, so wird es nun nachträglich immer so aussehen, als wenn die Motive, die diesem Entschlusse günstig sind,...
Page 5 - ... hätten abgeleitet werden können, unter das Princip also nicht von der Erfahrung bloß, sondern eben von der wissenschaftlichen Bearbeitung des Princips gebracht würden. Allein Eins bleibt übrig: wir können uns niemals dem unbefangenen Urtheil unseres Gewissens entziehen, welches behauptet, daß alles Streben nach Lust zwar natürlich und an sich nicht tadelhaft sei, dagegen auch jedes moralischen Werthes völlig entbehre. Nur sobald wir annehmen wollten, daß das Gewissen hierin Unrecht...
Page 19 - Nothwendigkeit nicht hervorgebracht sei, und daß eben darum sein Dasein hinreicht, um eine Verantwortlichkeit zu begründen. Nach Ausschluß dieser Meinungen bleibt als eine Behauptung, welche aufrichtig das ausdrückt, was wir mit dem Namen der Freiheit meinen, durchaus nur die vielfach verspottete von einer solchen Freiheit des Willens zurück, wonach er zwischen zwei entgegengesetzten Entschlüssen wählen kann, ohne durch irgend ein Motiv zur Wahl gezwungen zu werden.
Page 43 - Handlungen, welche an sich keinem Gesetze gehorchen, das Wohlbefinden Aller entstehen kann. Diese Grundverschiedenheit macht alle specielleren Analogien unnütz, die sich zwischen der Gesellschaft und dem Organismus allerdings finden lassen. Man muß ganz allgemein den Grundsatz aufstellen, daß Analogien immer bloß zur Erläuterung einer schon feststehenden oder allenfalls zur Auffindung einer noch unbekannten Wahrheit dienen, die Richtigkeit der letztern dann aber niemals durch die Analogie, sondern...
Page 20 - Frage noch schwebt, also die Möglichkeit der Freiheit erst geprüft werden soll, kann keine Art der Wiederkehr von Handlungen, weder eine regelmäßige noch eine unregelmäßige, für räthselhafter oder einer Erklärung bedürftiger gehalten werden, als irgend eine andere; und jene statistischen Tatsachen bedeuten, selbst wenn sie ganz richtig sind, nichts weiter als Erzählungen davon, wie sich die Freiheit entschieden hat, ohne irgend einen Schluß auf Gründe möglich zu machen, die ja eben...
Page 19 - ... wenn zwei entgegengesetzte Entschlüsse möglich sind und in unserer Ueberlegung die für beide sprechenden Motive lange mit einander gestritten haben, endlich aber der eine Entschluß wirklich gefaßt ist, so wird es nun nachträglich immer so aussehen, als wenn die Motive, die diesem Entschlusse günstig sind, auch vorher die stärkeren gewesen wären und dadurch den Entschluß selbst bedingt hätten. Und eben auch in dem Falle würde es so zu sein scheinen, wenn es in Wahrheit entgegengesetzt...
Page 17 - Sie würde ferner das ganze praktische Leben der Menschen völlig gleichartig einem Streite von Naturkräften ansehen, von denen jede nach allgemeinen Gesetzen hervorbringt, was sie hervorbringen kann und muß; der Verbrecher also seine böse That, die Gesellschaft mit eben solcher mechanischer Consequenz die Strafe, durch welche sie diese rächt. — Wenn man es glaublich findet, daß diese Deutung des Tatbestandes derjenigen vorgezogen werden müsse, die unser unbe§18.

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