Das Leben des Heiligen Alexius von Edessa: Die älteste Lateinische Vita im Vergleich mit einer volkssprachlichen Erzählung aus der Region Venezia Giulia

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GRIN Verlag, Dec 3, 2010 - Foreign Language Study - 8 pages
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Das Mittelalter bietet eine enorme Vielzahl an Legenden über Heilige. Eine in besonderem Maße gewichtige Rolle spielt dabei die Vita des Heiligen Alexius (Alexius von Edessa), die wie kaum eine andere Vita Verbreitung und Bedeutung in der christlichen Glaubenslehre fand. Die uns heute noch überlieferten Handschriften, die teils im British Museum in London und teils in der Bibliothéque Nationale in Paris liegen, stammen aus der spätantiken Region Syriens, die sowohl politisch als auch kulturell noch bis ins 7. Jahrhundert fest unter oströmischen Einfluss stand. Obgleich eine exakte Datierung heute kaum mehr Möglich ist, gilt in der Forschung für die ursprüngliche, syrische Fassung das 5. oder 6. Jahrhundert als grobe Entstehungszeit. Zur Person des heiligen Alexius von Edessa ist verhältnismäßig wenig bekannt. Der Kern der syrischen Vita berichtet von einem anonymen römischen Patrizier, welcher von seinen Eltern zur Hochzeit bestimmt wurde. Jedoch entsagte er am Hochzeitstag selbst noch der Ehe und floh nach Edessa, wo er als Gottesmann in Askese lebend verborgen und arm lebte und starb. Erst in der griechischen bzw. byzantinischen Erweiterung (etwa 6. bis 9. Jahrhundert) wurde der bis dato Anynome als Alexius benannt. Zudem wurde die ursprüngliche Fassung um zwei wesentlich Momente erweitert. In die Vita eingeflossen war nun ein Jungfräulichkeitsgelübde, welches er an seine Braut richtete bevor er sie verließ. Darüber hinaus wurde nun auch die Flucht aus Edessa zurück nach Rom ein wesentliches Element der Erzählung. Dort lebte er bis zu seinem Tod unerkannt, arm und verlassen im Elternhaus. Mit der Verbreitung der Legende ab etwa dem 10. Jahrhundert wurde nun ebenfalls der lateinische Westen von der Vita bzw. der Legende des Heiligen Alexius erfasst. Marchiori sieht diesbezüglich eine Dreiteilung der Überlieferungsstränge bis zum 10. Jahrhundert: „Il passaggio dell’Ellesponto, arricchisce la storia di una seconda parte; entriamo così nella fase romana, la terza dopo quella siriaca e bizantina.“ Von besonderer Bedeutung für diese weitere Verbreitung der Vita des Heiligen Alexius ab dem 10. Jahrhundert im romanischen Westen ist die Tatsache, dass sich eine Art romanische Tradition der Überlieferung bildete, die sich nicht nur formal und sprachlich, sondern in vielen Punkten auch inhaltlich von den früheren Überlieferungen abgrenzt. [...]

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