Versuch über den menschlichen Verstand, Volume 1 (Google eBook)

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L. Heimann, 1872 - Knowledge, Theory of
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Page 249 - So viel dürfte wenigstens gewiss sein, dass man in sich eine Kraft zum Beginnen oder Anhalten, zum Fortfahren oder Beenden jener verschiedenen Thätigkeiten der Seele und Bewegungen des Körpers bemerkt, welche lediglich durch ein Denken oder Vorziehen der Seele gleichsam das Vollziehen oder Nicht- Vollziehen von solch einer einzelnen Handlung anordnet oder befiehlt. Diese Kraft der Seele, vermöge deren sie die Betrachtung einer Vorstellung (consideration of any idea) oder deren Nichtbetrachtung...
Page 250 - Mensob insoweit frei, als er die Kraft hat, je nachdem seine Seele es vorzieht oder bestimmt, zu denken oder nicht zu denken, zu bewegen oder nicht zu bewegen.
Page 101 - Zunächst führen die Sinne in Berührung mit einzelnen sinnlichen Gegenständen verschiedene Vorstellungen von Dingen der Seele zu, je nach dem Wege, auf dem diese Gegenstände die Sinne erregen. So gelangen wir zu den 'Vorstellungen des Gelben, Weissen, Heissen, Kalten, Weichen, Harten, Bittern, Süssen und allen sogenannten sinnlicheu Eigenschaften. Mit diesem „Zuführen" meine ich, dass die Sinne von äussern Gegenständen das der Seele zuführen, was die Vorstellung in ihr hervorbringt.
Page 116 - Alle jene erhabenen Gedanken, die über die Wolken aufsteigen und den Himmel selbst erreichen, haban hier ihren Ursprung und Boden; in all den weiten Räumen, in denen die Seele wandert, in den hochstrebenden Gedankenbauten, zu denen sie sich aufschwingt, bringt sie nicht das kleinste Stück über jene Vorstellungen hinzu, die ihr die Sinne ode-r die innere Wahrnehmung für ihr Denken geboten haben"9. An dieser Lehre Lockes ist vor allem zweierlei bemerkenswert: Erstens, daß der Begriff einer „tabula...
Page 102 - Verstand dadurch ebenso bestimmte Vorstellungen, wie von den unsere Sinne erregenden Körpern. Diese Quelle von Vorstellungen hat Jeder ganz in sich selbst, und obgleich hier von keinem Sinn gesprochen werden kann, da sie mit äusserlichen Gegenständen nichts zu thun hat, so ist sie doch den Sinnen sehr ähnlich und könnte ganz richtig innerer Sinn genannt werden.
Page 180 - Anhängens bedurften, gerieth, mußte man das Wort Substanz erfinden, um sie zu tragen. Hätte der arme indische Philosoph (der meinte, auch die Erde bedürfe Etwas, was sie trage) nur das Wort Substanz gekannt, so hätte er sich mit seinem Elephanten nicht zu bemühen brauchen, der sie tragen sollte, und nicht mit der Schildkröte, um den Elephanten zu tragen; das Wort Substanz hätte dies allein geleistet. Und der indische Philosoph hätte auf die Frage, was Substanz sei, ganz gut, ohne zu wissen,...
Page 180 - Substanz sei, gauz gut, ohne zu wissen, was sie sei, antworten können, sie sei das, was die Erde trage, da man es ja für eine genügende Antwort und gute Lehre halte, wenn ein europäischer Philosoph ohne zu wissen, was die Substanz ist, sage, sie sei das, was die Accidenzen trage. Man hat daher von der Substanz keine Vorstellung, was sie ist, sondern nur eine verworrene und dunkle von dem, was sie thut.
Page 101 - Vorgänge in unserer Seele ist es, was den Verstand mit dem Stoff zum Denken versieht. Sie sind die beiden Quellen des Wissens, aus der alle Vorstellungen, die wir haben oder natürlicherweise haben können, entspringen.
Page 102 - ... der die Erfahrung den Verstand mit Vorstellungen versieht, die Wahrnehmung der Vorgänge in unserer eigenen Seele, wenn sie sich mit den erlangten Vorstellungen beschäftigt. Wenn die Seele auf diese Vorgänge blickt und sie betrachtet, so versehen sie den Verstand mit einer andern Art von Vorstellungen, die von Aussendingen nicht erlangt werden können; dahin gehören das Wahrnehmen, das Denken, Zweifeln, Glauben, Begründen, Wissen, Wollen und alle jene verschiedenen Thätigkeiten der eigenen...
Page 205 - Standort oder von jedem andern, kann man weiterschreiten und über all diese Längen hinausgehen, ohne daß man dabei durch etwas gehindert wird, und zwar sowohl mit einem Körper wie ohne solchen. Man kann zwar leicht in Gedanken an das Ende der körperlichen Ausdehnung gelangen, und es ist nicht schwer, an das Ende und die Grenze alles Körperlichen zu gelangen; allein von dort hindert nichts die Seele, in das Endlose weiterzugehen, und sie kann nie das Ende der Ausspannung finden oder sich vorstellen.