Das vaihingersche Als-ob und die Methode der Formensprache in Religion und Theologie (Google eBook)

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Rösl, 1922 - Fictions, Theory of - 127 pages
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Page 27 - widerspricht nicht nur der beobachteten Wirklichkeit, in der alles nach unabänderlichen Gesetzen folgt, sondern auch sich selbst: denn eine absolut freie, zufällige Handlung, die also aus nichts erfolgt, ist sittlich gerade so wertlos wie eine absolut notwendige.
Page 28 - Gott, Unsterblichkeit, Lohn, Strafe usw. zerstören ihren sittlichen Charakter: dh wir sollen wohl so handeln, als ob es unsere von Gott auferlegte Pflicht wäre, als ob wir dafür zur Rechenschaft gezogen würden, als ob wir für Unsittlichkeit bestraft würden; mit derselben Pünktlichkeit und mit demselben Ernste. Aber sowie dieses Als ob sich in ein Weil verwandelt, hört der Charakter der reinen Sittlichkeit auf, und es ist bloßes niederes und gemeines Interesse, bloßer Egoismus.
Page 43 - ... Vaihinger bezeichnet sein „System" im Untertitel seines Hauptwerks als „idealistischen Positivismus". Bei Comte haben wir eine metaphysische Naturalisierung der Geschichte behauptet. Und Vaihinger schreibt von der Geschichte seiner Fiktionen, daß sie selbst „ein Teil des kosmischen Geschehens (ist); dieses Geschehen tritt auf einer gewissen Stufe der organischen Entwicklung mit Notwendigkeit ein: das kosmische Geschehen setzt sich in diese Vorstellungen selbst fort"17. Die Naturalisierung...
Page 27 - widerspricht nicht nur der beobachteten Wirklichkeit, in der alles nach unabänderlichen Gesetzen folgt, sondern auch sich selbst: denn eine absolut freie, zufällige Handlung, die also aus nichts erfolgt, ist sittlich gerade so wertlos wie eine absolut notwendige. Aller dieser Widersprüche ungeachtet wenden wir diesen Begriff nicht nur im täglichen Leben bei der Beurteilung der moralischen Handlungen an, sondern er bildet auch die Grundlage des ganzen Kriminalrechtes: ohne jene Annahme wäre eine...
Page 41 - Mittel; ihre einzelnen Bestandteile sind ebenfalls nur Mittel. Es ist dies ein System von Denkmitteln, welche sich gegenseitig fordern und unterstützen, und deren Schlußprodukt die wissenschaftlich gereinigte Vorstellungswelt...
Page 60 - Vorstellungen , die vom theoretischen Standpunkt aus direkt als falsch erkannt werden, die aber dadurch gerechtfertigt sind und darum als praktisch wahr bezeichnet werden können, weil sie uns gewisse Dienste leisten".
Page 43 - ... Vaihinger hat ganz richtig bemerkt, daß das Erkennen niemals nur ein passives Abbilden, sondern stets zugleich ein höchst bedeutsames un,d mehr oder minder folgenreiches Umformen des „Gegebenen" ist. Er hat, wenn auch die Ausdrücke nicht glücklich gewählt sind, an sich durchaus recht, wenn er sagt: „die Welt, so wie wir sie vorstellen, ist erst ein sekundäres oder tertiäres Gebilde, das im Spiel des kosmischen Geschehens in unseren Köpfen entsteht
Page 40 - der eigentliche Zweck des Denkens ist nicht das Denken und seine Produkte selbst, sondern das Handeln, und in letzter Linie das ethische Handeln" 3). So kann sich jeder, den die bestrickende Einfachheit des Grundrisses angezogen hat, in sittlich einwandfreier Atmosphäre unbedenklich wohl fühlen, obwohl die „blinden Riesengewalten...
Page 37 - Während der Erkenntnistheoretiker die ganze subjektive Vorstellungswelt für ein fiktives Vorstellungsgewebe erklärt, insofern ja schon die elementaren Empfindungsqualitäten mit den als objektiv anzunehmenden quantitativen Vorgängen keine Aehnlichkeit haben "73. „Die Empfindungen, die die Seele zu Eigenschaften eines objektiven Dinges machte, sie sind Vorgänge in der Seele selbst".
Page 17 - Einsicht dauernd zu fördern, als ein Satz, welcher mit einem Schlage dem Wesen der Dinge möglichst nahe zu kommen sucht und dabei eine unvermeidliche und in ihrer Tragweite unbekannte Masse von Irrtümern mit sich schleppt.

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