Die Vorgeschichte des homerischen Hexameters (Google eBook)

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1907 - Hexameter - 11 pages
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Page 238 - Hiernach setzt der Homerische Hexameter sechs Vorstufen voraus: 1. den steigend vierhebigen Enoplier, 2. den fallend gewordenen Enoplier, 3. den rein daktylischen Enoplier mit adoneischer Klausel; ferner : 4. die Verbindung des steigend vierhebigen Enopliers (1) mit einer viersilbigen aeolischen Basis (hiervon stammt im Homerischen Hexameter — wie in den Daktylen des kitharoedischen Nomos, Aesch.
Page 236 - Jialda *), unbedenklich mit rein daktylischen, wie fitatSQS ndvra ^FQIDV oo« (paivoiif eoxt&ao1 avo'x;, zu verbinden scheint? Man redet wohl von homerisierenden Versen der Lesbier. Aber erstens ist eine so radikale Einwirkung des Rhapsodenverses auf lesbische Singverse sehr unwahrscheinlich ; und dann wäre selbst damit nicht geholfen : nachdem Homer überführt worden ist, den Anfang seines Verses aus der aeolischen Basis herausgesponnen zu haben, muß er nun, genau wie die Lesbier, Rede stehn...
Page 237 - Korinnas xa/ld yegoT ä-eioofieva und damit gewiß in sehr alten Aeolikern schon eine flagrante Durchbrechung des Prinzips der Silbenzählung : der Anfangsvierer ist durch Auflösung, freilich sofort wieder erstarrte Auflösung einer Hebung fünfsilbig geworden; ferner von Sophokles, der den Lesbiern besonders nahe steht, zwei merkwürdige Verse, aus dem vierten Stasimon der Antigone, Anfang des zweiten Strophenpaares 966/7 = 977/8 — ich setze die Verse der Antistrophos her, wie sie überliefert...
Page 230 - In iambischen, ionischen, anapaestischen Metren nach Art unserer Notenorthographie die Anfangssenkungen abzusondern, wird heute so leicht keinem mehr einfallen, desgleichen in Dochmien ; bleiben die Hebungsverse, mit deren Senkungen es ja eine besondere Bewandtnis hat : das angegebene Paradigma zeigt die Freiheiten noch nicht einmal alle (es fehlt: die lange Senkung, dvaravov dveidos 'Etäüvwv Soph.
Page 239 - Der Hexameter, wie wir ihn jetzt im Epos lesen, ist das schließliche Resultat eines langen Prozesses, durch welchen ein aeolisches Liedermaß vermittelst vieler Kompromisse und Neuerungen dem episch rezitativen Ton angepaßt ward, den der Stoff forderte' (Hom. Unters. 409). Wenn der Beweis für diesen Satz bis jetzt ausgeblieben ist, so erklärt sich das leicht aus einem Fehler im Ansatz, wo Sapphos aeolenoplischer Sechsheber noch als daktylischer Pentameter figuriert (Textgesch. der griech. Lyriker...
Page 239 - ... Enopliers mit einer fünfsilbig gewordenen aeolischen Basis; dies erleichterte das Eindringen des Daktylus in den ersten Fuß, nachdem 6. der Aeolenoplier fallend geworden war. Erst auf der 7. Stufe, mit der Herübernahme daktylischer Katalexe (3), war der Homerische Sprechvers in seinen Grundzügen konstituiert. Einer Ahnung dieses Herganges hat, vor mehr als zwanzig Jahren, Ulrich von Wilamowitz Ausdruck geliehen : 'Der Hexameter, wie wir ihn jetzt im Epos lesen, ist das schließliche Resultat...
Page 231 - Hexameters. 231 die Anfangssenkung auch da wirksam zu sehen, wo sie nicht mit Händen zu greifen ist. Der zweite Vers ist ein enoplischer Paroemiacus, aus Alkman, den Komikern usf unserem Ohr auf das innigste vertraut. Niemand wird dem Partner (70), den nur die fehlende Vorsilbe von ihm unterscheidet, deswegen fallenden Gang geben: _L^^_4, -L л. statt: С1^,ч,_!_ W_L -i_ oder : — - ^~ ^ — — . Ohne Kommentar mögen hier noch zwei eng verbundene Verse des Sophokles stehen (Antig. 789/90) :...
Page 231 - Hier sind der erste und der letzte Vers so recht geeignet, dem Ohre fühlbar zu machen, wie vorsilbenlos gewordene Enoplier noch eine ganze Weile steigenden Gang festhalten mochten, um eines Morgens als fallende zu erwachen. In unseren Analysen steht, kaum vermeidlich, oft in vorgreifender Fixierung l (Kt7.
Page 237 - UBei solcher Freiheit der beiden ersten Silben mußte eine dritte, mit einiger Tendenz zur Länge, sogleich besonders stark ins Gehör fallen (woraus sich in Aeolikern eben die schließlich durchdringende Beschränkung der Freiheit auf die zwei ersten Silben und damit die Entstehung der Glykoneen erklärt). Dieser übermächtig gewordenen dritten Silbe ordnete sich neben der folgenden vierten willig auch die Anfangssenkung des Enopliers unter: « • drj Xmf, und der fallende Rhythmus war da: <Jcö/ta...
Page 239 - Fuß), 5. die Verbindung des selben Enopliers mit einer fünfsilbig gewordenen aeolischen Basis; dies erleichterte das Eindringen des Daktylus in den ersten Fuß, nachdem 6. der Aeolenoplier fallend geworden war. Erst auf der 7. Stufe, mit der Herübernahme daktylischer Katalexe (3), war der Homerische Sprechvers in seinen Grundzügen konstituiert.

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