Zur Vermittlung der Extreme in den Meiningen, Volumes 1-2 (Google eBook)

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Duncker und Humblot, 1828 - History
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Page 192 - Alles ist beweglich geworden, oder wird beweglich gemacht, und in der Absicht oder unter dem Vorwand, Alles zu vervollkommnen, wird Alles in Frage gezogen, bezweifelt, und geht einer allgemeinen Umwandlung entgegen. Die Liebe zur Bewegung an sich, auch ohne Zweck und ohne ein bestimmtes Ziel, hat sich aus den Bewegungen der Zeit ergeben und entwickelt. In ihr, und in ihr allein, setzt und sucht man das wahre Leben.
Page 175 - Gewalt der Gewohnheit übt ihre Wirksamkeit über die bürgerliche Gesellschaft und über die Gesammtheit wie über die Einzelnen aus. Auch die Völker, die Staaten und die verschiedenen Stände in denselben haben ihre Gewohnheiten, müssen solche haben, um zu einem beharrlichen und dauerhaften Dasein zu gelangen; sie hängen mit einer heilsamen Zähigkeit an ihrer Religion, ihrem Gottesdienst, ihren Institutionen, ihren Gesetzen, ihrer Lebensart, ihren Sitten, oft bis in die kleinsten und dem Scheine...
Page 175 - Was in dieser Hinsicht die Väter geglaubt, gedacht, gethan, gesucht oder vermieden haben, geht auf die Kinder über. Die Gegenstände, die Handlungen, das Verfahren, welche die Menschen von ihrer Kindheit an gesehen, beobachtet oder befolgt haben, werden ihnen zur Natur, und bilden für sie eine Art von Nothwendigkeit, deren Leitung sie sich freiwillig hingeben. Diese Gewohnheiten, wenn sie lange bei einem Volke geherrscht haben, bilden einen wesentlichen Theil seines Nationalcharak...
Page 187 - Sittenlos igkeit und Unzucht von keinem Gesetz der Gewohnheit gebunden zu werden glaubt. „Alte Gesetze," sagt Ancillon, „Institutionen der Vorzeit erscheinen ungenügend, unhaltbar, vom Roste angefressen, oder als rohe Produkte früherer Umstände. Man trachtet im Geheimen oder unumwunden einen Zeitpunkt herbeizuführen, wo man die ererbten Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft in glänzendere freiere Formen kann aufgehen lassen, und die Gesellschaft wie neugeboren dastehen wird. Gern...
Page 187 - ... erschaffen ist, wird als unwürdig und der Höhe der Vernunft widersprechend betrachtet; die alten wohlerworbenen Rechte erhalten wenig Achtung und müssen den neuentstandenen weichen. Die Rechtmäßigkeit beruht nicht mehr auf einem verjährten oder gesetzmäßigen Besitz, sondern auf den Ansprüchen der sogenannten Vernunft. Der Unterschied der Stände ist der ursprünglichen Gleichheit der Menschen, so wie jede gebietende Gewalt, die man nicht selbst erschaffen hat, der Freiheit entgegen....
Page 40 - Ketten, die in wenige Ringe ausliefen und die wieder alle an einen obersten starken Ring befestiget waren. Ein jedes Glied derselben war einigermaßen eine selbständige Einheit, die Anderen Schutz ertheilte, die aber, obgleich frei, wieder des Schutzes bedurfte, und denselben in einer größern Macht und höhern Einheit fand. Diese Ordnung der Dinge eignete sich freilich nicht, dem Ganzen ejne kraftige ruhige Haltung zu geben und ihm die Mittel, in die außeren Verhält« nisse der anderen Völker...
Page 199 - Unterricht könne füglich anderen überlassen sein, erkauft und verkauft werden. So geriet die väterliche Gewalt, diese erste Bedingung des Ansehens einer jeden andern Gewalt, immer mehr in Verfall. Die Macht der Gewohnheit verschwand mit dem Gehorsam und der Gehorsam mit dem engern Zusammenleben der Eltern und der Kinder. In den wenigen Augenblicken, welche die Mitglieder der Familie...
Page 199 - Familie miteinander verlebten, suchten die Eltern nur, sich den Kindern gefällig zu zeigen, und sich selbst bewußt, daß sie ihre Pflichten nicht strenge erfüllten, legten sie wenig Gewicht auf ihre Rechte und verstanden nicht, sie geltend zu machen. Schwache Nachgiebigkeit wurde immer allgemeiner; höchstens versuchten die Väter, aus...
Page 359 - ... Individuen, die in Hinsicht ihres Wohnorts und ihrer Sprache, so wie ihrer Gesichtszüge und ihrer Gestalt, einen gemeinsamen Ursprung verrathen, aber sie hängen keineswegs zusammen, und so lange sie isolirt dastehen, sind sie zwar die Elemente eines Volkes, der Stoff eines solchen, aber das Volk tritt erst ins Leben, wenn ein organisches Princip ein Ganzes aus diesen Elementen macht. Dieses organische Princip besteht in der Existenz eines Willens, der den Willen aller Einzelnen beherrscht und...
Page 196 - Erziehung verhalt wie der Theil zum Ganzen, und die letztere immer der Hauptzweck bleiben muß, so wird doch häufig diese jenem untergeordnet, oder die eine wird mit der andern verwechselt. Der Unterricht bildet und schärft den Geist, und gibt durch zweck« mäßigen Stoff und angemessene Uebung, der Phan« taste und dem Verstande Gehalt und Form.

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