Hamann's Schriften, Volume 2 (Google eBook)

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Bey G. Reimer, 1821 - German letters
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Page 407 - Aus Kindern werden Leute, aus Jungfern werden Bräute, und aus Lesern entstehen Schriftsteller. Die meisten Bücher sind daher ein treuer Abdruck der Fähigkeiten und Neigungen, mit denen man gelesen hat und lesen kann.
Page 259 - Sinne und Leidenschaften reden und verstehen nichts als Bilder. In Bildern besteht der ganze Schatz menschlicher Erkenntnis und Glückseligkeit. Der erste Ausbruch der Schöpfung, und der erste Eindruck ihres Geschichtschreibers; — die erste Erscheinung und der erste Genuß der Natur vereinigen sich in dem Worte: Es werde Licht! hiemit fängt sich die Empfindung von der Gegenwart der Dinge an.
Page 197 - Staats schwache und dürftige Satzungen vorschreiben darf? (die da sagen: Du sollt das nicht angreifen, du sollt das nicht kosten, du sollt das nicht anrühren. In der Natur ist manches unrein und gemein für einen Nachahmer - auch alles was möglich ist, laßt euch nicht gelüsten!) Wenn man es uns eben so schwer machen will Originale zu seyn als Copien zu werden; was hat man anders im Sinn als uns in „Maulesel
Page 262 - Schuld mag aber liegen, woran sie will, (außer oder in uns) : wir haben an der Natur nichts als Turbatverse und disiecti membra poetae zu unserm Gebrauch übrig. Diese zu sammeln ist des Gelehrten; sie auszulegen, des Philosophen; sie nachzuahmen - oder noch kühner! sie in Geschick zu bringen des Poeten bescheiden Teil. Reden ist übersetzen - aus einer Engelsprache in eine Menschensprache, das heißt, Gedanken in Worte, — Sachen in Namen, - Bilder in Zeichen; die poetisch oder kyriologisch,...
Page 261 - Rede, daß ich Dich sehe! Dieser Wunsch wurde durch die Schöpfung erfüllt, die eine Rede an die Kreatur durch die Kreatur ist; denn ein Tag sagts dem andern, und eine Nacht tuts kund der andern.
Page 38 - Sokrates hatte also freilich gut unwissend sein; er hatte einen Genius, auf dessen Wissenschaft er sich verlassen konnte, den er liebte und fürchtete als seinen Gott, an dessen Frieden ihm mehr gelegen war als an aller Vernunft der Ägypter und Griechen, dessen Stimme er glaubte und durch dessen Wind . . . der leere Verstand eines Sokrates so gut als der Schoß einer reinen Jungfrau fruchtbar werden kann.
Page 37 - Der Philosoph ist dem Gesetz der Nachahmung so gut unterworfen als der Poet. Für diesen ist seine Muse und ihr hieroglyphisches Schattenspiel so wahr, als die Vernunft und das Lehrgebäude derselben für jenen. Das Schicksal setze den...
Page 258 - Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechts; wie der Gartenbau älter als der Acker: Malerei - als Schrift: Gesang - als Deklamation: Gleichnisse - als Schlüsse: Tausch als Handel. Ein tieferer Schlaf war die Ruhe unserer Urahnen und ihre Bewegung ein taumelnder Tanz. Sieben Tage im Stillschweigen des Nachsinns oder Erstaunens saßen sie - und taten ihren Mund auf - zu geflügelten Sprüchen.
Page 295 - Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters
Page 440 - Eben so muß ein Genie sich herablassen, Regeln zu erschüttern; sonst bleiben sie Wasser: - und man muß der erste sein hereinzusteigen, nachdem das Wasser bewegt wird, wenn man die Wirkung und Kraft der Regeln selbst erleben will.

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