Lyrik, Versepik. Erzählende Prsosa (Google eBook)

Front Cover
G. Müller, 1920
0 Reviews
  

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Popular passages

Page 184 - Genüsse der höchsten Lebensgabe, Daß ich nie einen Menschen verachtet habe. Nur mit einem lag ich in ewigem Streit, Mit dem hohlen Götzen der Feierlichkeit. Denn ein vornehmer Mensch ist selbstverständlich, Macht nicht seine Vornehmheit extra kenntlich Und wird sich mit größtem Gewinn bequemen, Den eigenen Wert nicht ernst zu nehmen, Weil ihm die, so er sich zu Gast gebeten, Dann reicher und freier entgegentreten. Und wenn nun das Trugbild mählich entschwebt, Dann sag ich: Ich habe genug...
Page 137 - ... wagt sich auf die Reise ins alte Kanaan. Du aber fandst, du seist zu Hause momentan entbehrlich; der Augenblick ist völlig ungefährlich; und wer sein Land so klug wie du regiert, weiß immer schon im voraus, was passiert. Es wird die rote Internationale, die einst so wild und ungebärdig war, versöhnen sich beim sanften Liebesmahle mit der Agrarier sanftgemuten Schar. Frankreich wird seinen Dreyfus froh empfangen, als war auch er zum Heilgen Land gegangen.
Page 183 - Wo man hinspuckt, sitzt ein Held. Was wir konnten An vier Fronten, Das hat, seit sich die Erde sonnt, Kein Heldenvolk gekonnt. Der Feind verblutet sich. Wir haben unterdessen Nichts zu fressen. Seit wir auf den Knopf gedrückt, Ist der Erdball ganz verrückt, Und am Ende stopft ihn Krupp In die dicke Berta — schwupp! Welch ein Frieden Uns beschieden, Steht leider nicht in Gottes Hand, Es steht bei Engelland. Die Linke schließt ihn ab. Wir fingen mit der Rechten An zu fechten. Auf zur Friedenskonferenz...
Page 124 - Bei Ihnen. - Ich bin nicht schuldig. Der „Erregung zum Bierpatriotismus" laß Ich nie und nimmer mich zeihen; Auch der Verächtlichmachung von Zorn und Haß Unter deutschen denkenden, freien Staatsbürgern. Es lehrt die Geschichte der Welt Und die der heutigen Tage: Das Neue siegt und das Alte fällt; Es ist immer die nämliche Frage, Erst die Frage nach Brot, dann die Frage nach Macht; Das ist nun der ewige Reigen. Und wenn der Erdball unter uns kracht, Wer wird sinken und wer wird steigen? Der...
Page 137 - Und laß dir unsere tiefste Ehrfurcht weihn, Der du die Schmach vom Heil'gen Land genommen, Von dir bisher noch nicht besucht zu sein. Mit Stolz erfüllst du Millionen Christen; Wie wird von nun an Golgatha sich brüsten, Das einst vernahm das letzte Wort vom Kreuz Und heute nun das erste...
Page 19 - Der Geist des Universums schwebt Herab aus unsichtbaren Sphären Auf diese Erde, wo er lebt, Um sich im Kampfe zu verklären. Auf dieser Welt von Müh und Gram Kann er den schönsten Sieg erringen. So daß er besser, als er kam, Zurückkehrt auf des Todes Schwingen. So wird der Geist im Lauf der Zeit Die Welten besser stets regieren Und endlich zur Vollkommenheit, Zur ewigen, die Menschheit führen. So spricht zu uns ein weiser Mann Und lehrt uns, daß wir nicht vergebens Erklimmen auf der steilen...
Page 114 - Und ich sorge vor allem für meinen Bauch, Deshalb verheirate ich mich jetzt eben auch. Warum nun dieser Eine Freund Lassallen Ohne weiteres würde in die Arme fallen, Das hat seinen psychologischen Grund In Beider Charakterähnlichkeiten und In der Verzweiflung dieser beiden Seelen Darüber, daß sie Beide ihre Wirkung verfehlen, Denn die Welt ist heute dumpf und stumpf, Ein Verdauungswerkzeug, ein kopfloser Rumpf. Eine Größe kann aber nicht gedeihen Bei Schmerbauchpolitik und parlamentarischem...
Page 79 - ... Für die Beschlagnahme meinen Dank zu sagen, Denn mich versichert die Polizei, Daß die Absicht eine andere gewesen sei. Ich werde vielmehr die beabsichtigten Absichten Der Polizei mit den schönsten Worten andichten, Wenn auch die Wirkung von dem erstrebten Heil In der Regel das gerade Gegenteil. Deshalb rechne ich es ihr auch nicht zur Ehre, Daß sie die unteren Volksklassen aufkläre, Weil dazu die Staatskirche berufen ist; Aber weit gründlicher tut es der Polizist. Er unterweist mit dem...
Page 31 - Besang der Sonne strahlendes Licht. Viel Schönes ist mir gelungen. Jeweilen mit dem schönsten Gedicht Hab ich mich selber besungen. Und folgte treu der gegebenen Spur Auf meine Muster gestützet; Schrieb viele Bogen Makulatur. Wer weiß, zu was sie noch nützet? Und wenn das Dichten so weiter geht, So darf ich im Tode behaupten: „Am Ende war ich doch ein Poet, Obwohl es die wenigsten glaubten.
Page 148 - Über Zollpolitik und soziale Fragen Wagen wir allesamt etwas vorzutragen, Weil hierin der Räuber von Beruf Wahre Musterinstitutionen schuf. Ganz ohne Zweifel ist aber die Perle In dieser Gesellschaft kreuzbraver Kerle Unser Professor für geistige Angelegenheit, Geradezu ein Unikum von Borniertheit, Trefflich bewandert in höfischen Sitten Und in Disziplinarverfahren beritten; Wie ein Rhinozeros reitet er prompt Nieder, was ihm geistig in den Weg kommt. Gott möge ihm sein schönes Leben auf Erden...

Bibliographic information