Der deutsche Professor der Gegenwart (Google eBook)

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Unflad, 1886 - College teachers - 258 pages
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Page 26 - Publicums ab, das andre ist erreichbar und liegt in der Hand der Verleger. Wenn das wohlhabende deutsche Publicum die Vornehmheit der Engländer und Franzosen in den besseren Lebensclassen hätte, bei denen es Ehrgeiz ist, eine gute Bibliothek zu besitzen und auch wissenschaftliche Bücher zu kaufen, die sie nicht einmal zu lesen beabsichtigen, so würde der Markt der wirklich wissenschaftlichen und gelehrten...
Page 23 - ... bereits der Vergangenheit anzugehören. Mehrere Gründe haben wohl zu einer theilweisen Entwerthung der wissenschaftlichen Arbeit beigetragen. Zunächst wohl die ungeheure wissenschaftliche Ueberproduction in Deutschland, von welcher in Frankreich und in England keine Spur zu finden ist, so dass kaum ein Gebiet oder ein Zweig in den einzelnen Wissenschaften vorhanden ist, in welchem nicht gleichzeitig mehrere Conkurrenten productiv beschäftigt sind, so dass die Verleger eine Auswahl unter den...
Page 27 - Werk, das sechs bis zehn Mark kostet, wenn eine Auflage verkauft wird, der Verleger nach Abzug der Kosten und des Honorars ein sehr gutes Geschäft gemacht hat, der Autor ein kleines, oder (wenn man die dafür verwandte Zeit in Geld umsetzt, z. B. in Geld für dieselbe Stundenzahl umfassende Privatstunden nach heutiger Taxe) ein sehr unbedeutendes, bisweilen vielleicht ein kaum...
Page 24 - Einfluss auf die Entwicklung dieser Litteratur geworden, die man mit dem allgemeinen Namen „Salonlitteratur" bezeichnen kann, da sie in den meisten Fällen die Aufgabe hat, nicht gelesen zu werden, sondern den Salon eines reichen Mannes zu schmücken, wie auch in den illustrirten Werken der Text keine Bedeutung zu haben pflegt, sondern nur die im Augenblick aufzuschlagenden und zu geniessenden Illustrationen.
Page 24 - Illustrationen. Die drei angeführten Gattungen haben die Eigenschaften gemeinsam, dass die Autoren dabei keine allzu mühsame Arbeit haben, dass sie alle gut zu stehen pflegen und dass die Verleger glänzende Geschäfte machen. Von einem modernen Geschichtswerk dieser Art wird uns als Honorar für zwei (je in Jahresfrist zu erscheinende), nicht umfangreiche Bände sechs - bis achttausend Mark bezeichnet.
Page 29 - Grundbesitzer giebt, welche eine ganz bedeutende (aus vielen tausend Bänden bestehende) Bibliothek mit den vorzüglichsten Erzeugnissen der deutschen, französischen und englischen Litteratur besitzen, so giebt es bedauerlicher Weise in Deutschland nicht wenige, welche mit einigen Bänden „Daheim" und einigen Jahrgängen „Lahrer Hinkende Bote" völlig zufrieden gestellt sind.
Page 254 - Conservativismus der deutschen Hochschulen, dass unseres Wissens erst einmal (an einer badischen Universität) ernsthaft der Versuch seitens der Extraordinarien gemacht ist, an einigen Rechten der Ordinarien Theil zu nehmen. Wie vorauszusehn war, völlig erfolglos. Erst ein allgemeiner Ansturm und der ernsthafte Wille der Regierungen wird hier etwas zu ändern im Stande sein...
Page 25 - Thätigkeit hineingedrängt. Eine natürliche Grenze dieser Bewegung wird erst erreicht werden, wenn die Salontische aller Rentiers und Privatiers in Deutschland beladen und ihre Glasschränke angefüllt sind; erst dann wird voraussichtlich eine Stockung eintreten, die ebenso wenig mit dem Mangel eines Bildungsbedürfnisses bei uns in Zusammenhang stehen würde, wie die jetzige Hochfluth derartiger Unternehmungen einem wirklichen Bildungsbedürfniss entspricht.
Page 26 - Fächern vielleicht etwas höher von 30 Mark ab (was damit zusammenhängt , dass die Aerzte durchweg weit besser gestellt sind, als die Gymnasiallehrer und deshalb viel mehr kaufen können). Sehr viel höhere Honorare kommen nur bei Handbüchern vor, bei denen sofort auf einen grösseren Absatz gerechnet werden kann.
Page 26 - Hochfluth derartiger Unternehmungen einem wirklichen Bildungsbedürfniss entspricht. Zwei Mittel dürfte es geben, welche eine totale Aenderung und Besserung in diesen Verhältnissen herbeiführen könnten. Das eine ist kaum erreichbar — wenigstens voraussichtlich nicht in den nächsten Jahren — und hängt von der Beschaffenheit des deutschen Publicums ab, das andre ist erreichbar und liegt in der Hand der Verleger.

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