Chronica eines fahrenden schülers (Google eBook)

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G. J. Manz, 1869 - Germany - 299 pages
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Page 121 - Schuldeneintreiben und, was mir am meisten verhaßt war, mit dem Sammeln oder richtiger mit dem Stehlen des Wachses von den Leuchtern in der Kirche zum Gebrauch bei dem Geschäfte, wie ich von dem Meister und der Meisterin und den Dienstboten herbe Worte und mitunter noch härtere Schläge, Kälte und Hitze, Hunger und Durst bis zum äußersten zu ertragen hatte: was ich auf solche und mehrfache andere Art für ein Elend ausgehalten habe, das würde kaum in einem großen Buche zu beschreiben sein.
Page 120 - Teil ihm schon gleich mitgebracht hatte. Was ich bei diesem Meister während der zwei Jahre meiner Lehrzeit ausgestanden habe, auch abgesehen von der Schwierigkeit des Handwerks und dem unmenschlichen Nachtwachen, wodurch ein junger Mensch körperlich völlig heruntergebracht wird, wie ich von drei oder vier Uhr morgens bis abends neun oder zehn, bisweilen auch bis elf oder zwölf Uhr, wie ich aber besonders an den höheren Festen gemeiniglich bis zur Hochmesse in einem fort arbeiten mußte, wie...
Page 120 - Ich kam zu einem tüchtigen Meister, der einen großen Ruf hatte : der sollte sich Mühe geben, mir binnen zwei Jahren seine Kunst beizubringen, und versprach ihm der Vater dafür, innerhalb jener Frist ihm sechs Goldgulden und zwanzig Ellen Tuch zu geben, wovon er einen Teil ihm schon gleich mitgebracht hatte.
Page xvi - Damit du nun desto schneller und mit mehr Lust und Liebe dich der lateinischen Sprache bedienen lernst, worin ja gerade, wie du nicht vergessen darsst, der Zweck deines dortigen Aufenthaltes besteht, so ziehe ich es vor , die erbetene Erzählung in meinem einfachen , kunstlosen und rohen Latein dir zu geben, anstatt, deiner Bitte gemäß, sie in unserer oberdeutschen Muttersprache abzufassen. Ohnehin weißt du auch, daß ich die letztere fast vergessen habe, wenigstens sie nicht so rein , wie unsere...
Page 78 - Sie haben aus Tannenbalken zusammengezimmerte Wohnstuben mit steinernen Öfen, so breit wie Backöfen, in welchen sie auch ihre Speisen kochen. Wenn dieser Ofen des Morgens eingeheizt wird, sÖ gehen wegen des Rauches, der das ganze Haus bis auf den Söller erfüllt, alle hinaus, und erst wenn der Rauch nach Verbrennung des Holzes durch die Tür ausgelassen ist, können sie danach den Tag über darinnen verweilen.
Page 123 - Riemchen geschnitten, wie man es sie mit ganzen Stücken von dem blutigen Schweiß der Bauern und Armen um schweres Geld sich anschaffen sieht. Was ferner die Reste von fremdem Tuche angeht, die bei den Schneidern für nichts angeschlagen werden und wovon sie in allen Ecken der Werkstätte hohe Körbe voll stehen haben, so dünkte...
Page 123 - Auge" nennen; dahinein werfen sie die Tuchreste, und wenn sie darum angegangen werden, so geben sie zur Antwort, es wäre kaum so viel übriggeblieben, als womit man ein Auge vollmachen oder bedecken könne; meinen aber damit ihren Korb, nicht ihr Auge.
Page 123 - Reste von fremdem Tuche angeht, die bei den Schneidern für nichts angeschlagen werden und wovon sie in allen Ecken der Werkstätte hohe Körbe voll stehen haben, so dünkte es mir denn doch ein unerlaubter Diebstahl, solche zurückzubehalten...
Page xvi - ... geben, anstatt, deiner Bitte gemäß, sie in unserer oberdeutschen Muttersprache abzufassen. Ohnehin weißt du auch, daß ich die letztere fast vergessen habe, wenigstens sie nicht so rein, wie unsere Landsleute, mehr sprechen kann, da ich von Kindheit an in verschiedenen fremden Gegenden gewohnt habe. Zudem erachte ich, wenn du bald ein guter Lateiner werden willst, es für nützlich, daß du mehr im Lesen, Schreiben und besonders auch im Sprechen des Lateinischen dich übest als des Deutschen,...
Page 43 - Do han ich grossen hunger ghan; dan alles, was ich überkam, bracht ich den bacchanten ; ich hette nit ein bitzlin geessen, den ich forcht das strichen. Paulus hat ein...

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