Unter de» Wohnstube» finden fick manche »«gedielte. Indessen ist auch hierin ein Fortschreiten zum Bessern wabizunclnncn. Namentlich haben die bäuerlichen Regulirungcn und Separationen, wie sie den Wohlstand des Landmanne überhaupt hoben, auch auf eine kräftigere, gesundere und eivilifirtcrc Lebensweise eingewirkt. Landwirt! schaft, Gcwcrbthätiglcit und Handelsverkehr find in einem lebendigen Aufschwünge begriffen, und verdient der Kreis, wie er der größte des Departements ist, auch in dieser Beziehung den wichtigsten Schlesien« beigezählt zu werden.

Für die Volksbildung find die Vcrmebrung uud Verbesserung der Schulen, die Beschaffung geeigneter Lebrkräftc und die allgemeine Durckfübrung eines regelmäßigen Schulbesuchs überall wohlthätig gcwcst». Die Zahl der Aualpbabethcn hat sich vermindert; in den Städten und Flcckcn gehört die Unkenntnis; des Lesens und Schreibens zu de» seltene» Ausnahmen, Die böberen Nildungs - Anstalten in Oppcln und Proskau, der Sitz der Landesregierung uud der durch die Ciseubahuc» erreichte rege Verkehr mit de» Mittelpunkte» der Bildung u»d des geistige» Lebens haben ihre wohltbätige Cinwirkung auf die ganze Bevölkerung »icht verfehlt, so daß i» geistiger Beziehung der Oppclncr Kreis zu den bestsituirten Obcrschlesicns gezählt werden kann.

Zweiter Abschnitt.

Kreis Creuzburg.

8.17.
Land, Voltsstamm und Einthcilung des Kreises.

Der e5reuzbuigcr Kreis wurde in alter Zeit aus de« zum Fürstenthum Bric^ gehörigen Ncichbilde» Pilschcn und Creuzburg gebildet. Als nach der preußischen Besitznahme ein besoldeter Landrath angestellt wurde, legte man dem Kreise auch das zum Fürstcuthum Oels gehörige, jedoch hier cnclavirt liegcudc Constadtschc Laudcl zu. Er liegt auf dem reckten Ufer der Oder und bildet den nordwestlich«, Thcil des Regierungsbezirks Oppeln,

Einen Mchcnraum von 10,k>,; lljMcilen oder 227,737 Morgen enthaltend, grenzt der Crcuzburger Kreis gegen Norden a» dao Kö»igreich Pole» »nd an den Schildbcrgcr Kreis lzum Regicruugsbezirk Pose» gebörig), gegen Westen an den Namslauer lzuni Regierungsbezirk Breslau gehörig!, gegen Süden an den Oppelncr und Rosenbcrger »nd gcgc» Osten an den Roscnbcrgcr Kreis: diese letztere Grenze ist eine sebr winklige uud schneidet i» die nachbarlichen Verhältnisse vielfach ein, so daß bei größeren Oebictscombmationcn, z. B. bei dem Wahlbezirke für das Abgcordnetenbans. der Kreis stets mit dem Roscnbcrger zusammcngclcgt wird.

Zwischen dem 50" 55'/,/ und dem 51° 10'/«" nördlicher Breite und dem:j 5" 35'/^' und dem 36" 3' östlicher Länge belegen, bat er seine größte Ausdehnung in in der Richtung vo» Südost »ach Nordwest <4'^ Meile) und von Nord nach Süd ci»c größte Breite von 3 Meilen.

Obgleich der Kreis im Allgemeinen keine höbe Lage hat (Reincrsdorf Windmühle 500 Fuß, Pitschen 750 Fuß, Creuzburg 580 Fuß über dem Meere), so geboren docb «ur die nächsten Umgebuugcu der Stober und der Prosua der eigentliche» Niederung an', hin und wieder fiudcn sich unbedeutende Hügel mit scharfen Kicssandtuppm (bei Witschen, Omecbau, Simmenau, Skalung, Brinitzc, Ieroltschütz und Wrzosse) vor. Del Knie stellt sonack cinc ziemlich gleichmäßige Ebcnc an der nordwestlichen Abdeckung d« oherschlcsifchen Höhenzuges dar, welcher an der Kicisgrenze bei Goblc (800 Fuß) und Hcllcwald (816 Fuß über dem Meere) beginnt.

Der Boden ist mehr dem Land- und Gartenbau als der Forstwirtschaft gewidmet: rc» dem Gcsammtarcal von 227,737 Morgen sind 2777 Morgen oder 1,20 Prozent Oancn. 124,00« Morg. oder 54.43 Proz Ackerland, 16,341 Morg. oder 7.32 Proz. Nicsc», 5I«4 Morg. oder 2.2«) Proz. beständige Neide, 43,000 Morg. oder I8.8K Proz. Holzungen. 36,435 Morg. oder 16 Proz. Torfstiche. Erzlager, Gebäude, Hof«um. Wege, Gewässer und Unland.

Finten sich auch, namentlich im südlichen Tbcile de« Kreise«, Strecken vor. deren schalt im Ober- und Untergründe nur Eand ist, und haben andere wieder, besonder« im nördlichen und nordwestlichen Tbcile, den Charakter von müdem Eandlcbmbodcn oder lehmigem Tandboden, so muß man den Boden, zumal ihm oft Lette beigemischt ist. im Allgemeine» doch als strenge bezeichnen. Die Lette bildet oft schon bei einer tiefe von 3 — 4" die Unterlage. Im östlichen Thcile de« Kreise« finden sich auch Tbon (bei Nassadcl) und ansehnliche Lager von Eisenerz (bei Goelau, Bankau. sudwigsdorf, Wrzosse, Nilmsdorf, Vaumgartcn, Loffkowitz und Matzdorf). Neide« M Ausbeute geeignet und benutzt, vor. An Gestein ist der Kreis arm und es müssen die zum Cbauffeeba» erforderlichen Feldsteine mühsam gesucht und aus Nestern gegraben werden.

Teiche und später in Niesen und Accker umgewandelte Teichländercien sind vielwcl, Vorhanden, eigentliche Seen hat der Kreis dagegen nicht aufzuweisen. Den südlichen TKeil durchfließt die Stober nebst zwei aus Nordost kommenden Nebenflüssen, der Bartsch und der Blinnitzc oder Constadter Bache; im nordwestlichen TKeile mündet dagegen die aus der Nähe von Goblc (Kreis Nosenbcrg) kommende und den Kreis auf mebr als 3 Meilen durchströmende Pratwa in die auf einer Strecke von 1 ^ Meile die Grenze gegen Polen bildende Proena. . Die Flußgebiete der Etober und der Prosna tbeücn den Kreis in zwei Hälften. Sümpfe und Moräste sind nicht vorhanden. Uebrigens setzen die gedachten unbedeutenden Gewässer in Folge ihres geringen Falles und der Unduickläsfigkcit des Untergrundes der Aecker manche Gemarkungen, namentlich die von Schönwald, Constadt, Tschapcl, Schloß-Ellguth, Ieroltschütz und GroßDeutschen mitunter der Ucbcrschwcmmung aus.

Die Bevölkerung des Kreises war 1781.' Crcuzburg 1418, Pitschen 1234, Constadt 719, Landkreis 10,843, zusammen 14,214 oder 1346 Einwohner auf der slMile; 1806: Ereuzburg 2336. Pitschen 1349. Constadt 1099, Landkreis 14,848. zusammen 19.632 oder 1854 Einwohner auf der üMeile. Gegenwärtig (1861) Ml Yrcuzburg 4000. Pitschen 2128, Constadt 1723, zusammen 7851 in den Äälten. Landkreis 30,312, Total 38.163 Einwohner oder 3614 auf der H,Meilc. Ter Kreis nimmt deshalb in der Boltszahl die letzte, in der Volksdichtigkeit aber die lilne Stelle unter den obcrschlesischcn Kreisen ein: unter den Kreisen des Oppclner :H«uigeiickls ist er der dichtcstbevölkerte. Unter der Civilbevölkcrung befinde» sich 18.384 männliche. 19,779 weibliche, und zwar in den Städten 3803 oder 48.44 ?iczent, auf dem Lande 14,581 oder 48,in Prozent männliche Einwohner.

Die Landessprache ist polnisch; in den Städten, auf de» Gütern und Colonien Mld aber deutsch gesprochen, in welcher Sprache alle amtlichen Verhandlungen gcpfloPn, auck abwechselnd gepredigt wird. Von der ganzen Bevölkerung reden 72 Proz. 5« Polnische, 28 Proz. das Deutsche als ihre Muttersprache; unter den letztere« bcnndni sich die gebildeteren Klassen.

Crcuzburg ist der einzige, vorherrschend evangelische Kreis des Departement«, Di« einzelnen Gemeinden mit Einwohnern, Confesfione« und Gebäuden giebt nachstehende Tabelle an.

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Die Eiutbeilung des Kreises ist in gerichtlicher Beziehung eine dreithcilige, intcm nur der südliche Thcil des .«reifes unmittclbar untcr dein Hreiegerickte steht, für den nördlichen dagegen eine Gcrickto-Commission in Pilschcn beste!'! und für de» wcstlickcn ein aUwöckentlicker Gerichtstag in lisiistadt abgehalten wird. Hinsichis der Polizeigerichteborkeit werden bei jeder der drei Gerichtsstcllcn Polizei- nnd Forslrügcsacken abgeurthcilt und sind bei jeder derselben Polizei-Anwälte angestellt. Unter dem Kreisgerickt stehen 35 Schiedsmänner und 83 Dorfgcrickte.

In administrativer Nczicbung verfallt der Kreis in die bei seinem geringen Uuisauge bobc, aber dem starken Outsbejitz entsprechende Zabl von 43 Poüzcibezirken. untcr welchen 3 Städte, 4ü Dominien und 83 Landgemeinden, zusammen 132 Hauptortc. Ta indessen die Dominien mit sel'l wenigen Ausnabuieu mit den Dörfern im Zusammcnbange liegen, so sind nur 87 Gemarkungen zu unterscheiden, welche von II Morgen »Nieder «Nassadcl» bis 11,271 Morgen «Neinersdorf! Fläche cntbaltcn. Die königlichen, Lommunal- und größeren Privat-Waldungen bilden «nter technischen Nevierbeamtcn besondere Gemarkungen, sind aber biusichts der allgemeinen Polizei den betreffenden Polizeiverwaltcru zugelbeüt,

Hiusiil'ts der kirchlichen (5intbcilu»g ist die vorberrschende evangelische Kirckc in I I Pfarrspreugel organisirt, deren einige jedoch mebrcre Pfarrkirchen und Hirä'spielc umfassen, so das, 18 evangeliselie Äir.I'spiele mit 38 Schulbczirken vorbanden sind, Für die Katbolikcu sind 7 Psarrsprengel mit 8 Schulbezirken gebildet, einige Gcuicinden aber nach Vorland und Wa!le»dorf cingepsarrt.')

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