Medikamente und Verweilkatheter versuchen und erst wenn diese Mittel ohne Erfolg sind, die Cystostomie machen. — Bei den Cystitiden, welche die Prostatahypertrophie komplizieren, fände man oft schleimige Depots in der Blase, welche man durch den Katheter nicht entfernen könne. Er habe von Spülungen mit Fluornatrium 4:1000 gute Resultate gesehen. Die kompakten Massen wurden davon aufgelöst.

Bazy hat bei den akuten Zufällen der Prostatiker ohne Erfolg die Cystostomie gemacht. Wo der Verweilkatheter keine Resultate gegeben habe, habe er von der Cystostomie keinen Vorteil gehabt.

H. Wossidlo-Berlin.

De la cystostomie sus-pubienne par Dr. Poncet de Lyon. (Vortrag gehalten in der Societe de Chirurgie 14 Nov. 1894; La Mädecine moderne 17. Nov. 1894.)

Poncet spricht über die bei Prostatikern ausgeübte Cystostomie. Seine Statistik enthält 63 Operierte. Die Prostatiker könne man in zwei grofse Kategorieen teilen: aseptische Prostatiker, welche nur die Symptome der Retention zeigen, und infizierte. Bei den aseptischen Prostatikern mit Retention giebt die Cystostomie die besten Resultate. Unter 21 Eällen hatte P. keinen Todesfall. In diesen Fällen macht P. die Cystostomie immer, wenn der Katheterismus absolut unausführbar oder unmöglich ist, sei es dafs fausses routes existieren, sei es dafs der Katheterismus sehr schmerzhaft ist oder Fieber erregt. Die Zahl der infizierten Prostatiker, welche P. operiert hat, beträgt 42. Die Infektion kann verschiedene Formen zeigen und kann von der einfachen Harnintoxikation ohne Fieber in die akuteste Septicämie übergehen. In den Fällen mit sehr akuter Septicämie giebt die Cystostomie zwar keine guten Resultate, sie ist aber das einzige Mittel, das eine Hoffnung auf Heilnng gewährt, sie ist eine palliative Operation. In den Fällen akuter Septicämie sind die Resultate etwas bessere. Von 14 derartigen operierten Fällen sind 4 in der ersten Woche gestorben, die andern 7 Monate bis zu 21/, Jahren die Operation überlebt. In den Fällen von chronischer Septicämie, wenn Nierenveränderungen bestehen und die Blase sich schlecht entleert und der Allgemeinzustand schlecht ist, sind die Resultate der Cystostomie sehr mittelmäfsige. Von 24 Operierten sind 7 während der ersten acht Tage gestorben, 10 haben die Operation weniger als 1 Jahr überlebt, 7 sind seit 18 Monaten resp. 3 Jahren gesund geblieben. — Poncet kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: Die schweren Zufälle der Prostatahypertrophie, welche eine Cystostomie nötig machen, sind mechanische und infektiöse; beide sind häufig vereinigt. Bei den aseptischen ist die Lebensdauer nach der Operation eine längere, als bei den infektiösen. Die Fälle akuter Infektion geben bessere Resultate, als die chronischer. Die funktionellen Erfolge, welche P. erzielte, waren folgende: Von 42 Fällen ist 12mal die hypogastrische Öffnung obliteriert und die normale Harnentleerung wiederhergestellt worden. Von 34 Fällen, in welchen die Öffnung persistierte, hatten 7 Patienten Kontinenz und konnten nach ihrem Willen urinieren, 3 hatten eine partielle Kontinenz, 12 eine absolute Inkontinenz.

Die Cystostomie ist indiziert, wenn schwere infektiöse Zufälle eingetreten sind und die andern therapeutischen Mittel erschöpft sind; wenn der Katbeterismus schwierig, unmöglich oder schmerzhaft ist.

Bei Blasentuberkulose ist die Cystostomie eine gute Operation, aber hier mufs man Inkontinenz erstreben, sollen die Blasenbeschwerden nicht wiederkehren. H. Wossidlo-Berlin.

Zwei Fälle von Paratyphlitis mit Durchbruch in die Harnblase. Von Therig. Centralbl. f. inn. Med. 1894, Nr. 5.)

Unter ausschliefslicher Anwendung strenger Diät und mehrmals täglich ausgeführter subkutaner Morfiuminjektionen sind in diesen beiden Fällen die paratyphlitischen Abszesse in die Blase durchgebrochen, alsdann ist unter Blasenausspülungen, in dem 1. Fall in 2, im 2. in 8 Monaten Heilung eingetreten. Goldberg-Köln.

Intraperitoneal Rupture of urinary Bladder. Whiteford. (Brith. med. Journ.. 20. Oct. 1894, S. 868.)

Die Blasenruptur wurde bei dem 36jährigen Patienten dadurch verursacht, dafs er während des Velocipedfahrens mit einem entgegenkommenden Pferd zusammenstiefs. Uriniert hatte er das letzte Mal 5 Stunden vorher. Bei der Untersuchung — eine Stunde nach dem Unfall — gelangte ein Silberkatheter bis nahe an den Nabel. Bei der sofort vorgenommenen Laparotomie fand sieb ein 3 Zoll langer Rifs auf der hinteren Wand der Blase iu horizontaler Richtung verlaufend, der unter grofsen Schwierigkeiten mit 12 Lembert'schen Nähten geschlossen wurde. Ferschlufs des Peritoneums und der Bauchwand in der üblichen Weise. Der Patient starb 46 Stunden nach der Operation. Die Blase erwies »ich bei der Sektion als völlig wasserdicht, Darm und Peritoneum waren normal. Görl-Nürnberg.

Rupture of male Bladder succesafully treated by abdominal Section and Suture. Murphy. (Brit. med Journ., 3. Nov. 1894, S. 978.)

Der Patient, 24 Jahre alt, trank im Verlauf von 2 Stunden in einem Wirtshaus 7—8 Glas Bier. Als er dann Bedürfnifs zum Urinieren fühlte, verliefs er die Wirtschaft. Im Augenblick, als er zur Thür heraustrat, kam ein scheu gewordenes Pferd mit Wagen angerannt und wurde Patient durch letzteren an die Wand gedrückt. Zwei Stunden nachher sah M. den Verunglückten. Per Katheter wurde nur eine Unze blutiger Flüssigkeit entleert, eingespritzte Borsäurelösung kam nur zum geringsten Teil wieder aus der Kathetermündung. Über der Symphyse ist Dämpfung vorhanden.

Nach Eröffnung des Abdomens entleerten sich beim Durchschneiden des Peritoneums ungefähr 900 cem Flüssigkeit. In der Blase fand sich ein Rifs, der von vorn nach hinten in gerader Richtung über den ganzen Fundus sich erstreckt. Das Peritoneum war durch den Blaseninhalt abgehoben worden.

Eine Naht — analog der Lembert'schen Darmnaht — verschloß) die Blasenwunde, worüber dann das Peritoneum vernäht wurde. Die Bauchwunde wurde bis auf eine kleine Stelle für den Drain vernäht, ein Katheter in die Blase eingelegt und 8 Tage lang darin belassen. Zwei Tage lang wurde noch katheterisiert und dann Patient angewiesen. alle 3 Stunden zu urinieren. Nach 14 Tagen konnte der Operierte das Bett, nach 3 Wochen das Spital als völlig geheilt verlassen. Görl-Nürnberg.

Zur Symptomatologie der Harnblasenrupturen. Von Dr. Ignatiew. (Chirurg. Zeitschrift Band IV, Heft 3, 1894, Moskau.)

Die erste Beobachtung dieser Art machte Theophil Bounet 1679; Max Bartels (1878) sammelte 504 Fälle der Harnblasenverletzungen mit 169 Zerreifsungen unter ihnen; in 94 Fällen war das Peritoneum verletzt, und alle, aufser einem, gingen zu Grunde. Der Tod erfolgte gewöhnlich im Verlaufe der ersten Woche. Die allgemeine Sterblichkeit nach Blasenzerreifsung betrug 90°/0. Die späteren Arbeiten von Rivington (1882) und Blum (188S) geben dieselben Resultate. Rivington sammelte 322 Fälle und gruppierte sie nach dem Sitze der Risse: hinten unten 44°/0, hinten oben 22°/0, Vertex 22°/0, vorne oben 3°/0, vorne 9°/0. Die intraperitonealen Risse gaben 47°/0, die extraperitonealen 44°/0, der vorderen Wand 9°/0 der Mortalität. Die intraperitonealen Zerreifsungen sind die häufigsten: Bartels 59°/0, Fenwick 88°/0, Ulimann 85°/0. Nach Tuffier soll die Ursache der Zerreifsung auch den Sitz angehen: unmittelbares, direktes Trauma macht eine Zerreifsung oben und hinten, bei willkürlichen Zerreifsungen erfolgt der Rifs hinten und unten; letztere sind meist extraperitoneal, ebenso sind die extraperitonealen Blasenrupturen bei Beckenfrakturen die häufigsten (764/0). Was die allgemeine Häufigkeit der Blasenverletzungen oder Zerreifsungen betrifft, so sind die Daten darüber sehr spärlich. Das Bethanienhospital lieferte auf 10867 chirurgische Kranke 3 Blasenverletzungen; das St. Bartholomeushospital auf 16711 2 Fälle; nach Otis sollen im amerikanischen Kriege auf 408762 Verwundungen 183 Blasenverletzungen vorgekommen sein; in dem Jausskyhospital zu Moskau konnte Verfasser unter 30146 Kranken vom 1. Januar 1890 bis 1. Dezember 1893 nur 3 Blasenzerreifsungen beobachten. Die Fälle sind recht interessant. In aller Kürze bestehen sie in folgendem:

1. Fall: Ein 28jähriger Bauer arbeitete in einer Sandgrube, als eine grofse Erdscholle einstürzte und den Sandgräber auf den Rücken traf. Der Bauer fiel gleich besinnungslos um. Er wurde nach einigen Stunden ins Hospital gebracht: der Chock noch nicht vergangen, Puls fast abwesend, Cyanose der Hautdecken, Bauch aufgebläht, Sensibilität der unteren Körperhälfte verloren, Paralyse der unteren Extremitäten, Ruptur des Perineums an derRaphe, Harnblase leer. Temperatur37,7*. Es wurde Fractura columnae vertebrae diagnostiziert. Am nächsten Tag entleerte der Katheter einen stark blutigen Harn. Auf den Perinealrifs wurden Nähte (Seide) mit einem Jodoformverband angelegt. Nach 8 Tagen Decubitus, ammoniakalischer Harn (beständige Katheterisation), Meteorismus. Bald erschienen im Urin graue Fetzen und Blut, die inguinalen Lymphdrüsen schwollen — Diphteritis vesicae urinariae, und nach einigen Tagen ging der Patient zu Grunde unter Symptomen der Pyämie. Die 0bduktion konstatierte unter anderem folgendes: am Boden der Blase etwas nach links von der Mittellinie ein '/2 Zoll langer linearer Rifs der Blasenwand; der Rifs geht bis zum Peritoneum, welches unverletzt blieb; an der Rifsstelle bildete sich nachträglich eine adhäsive Entzündung und Verlötung des unbeschädigt gebliebenen Peritonealstückes mit der flexura sigmoidea; die Blasenmucosa diphtheritisch affiziert, in der Gegend des Blasenhalses eine ganze Gruppe kleiner Wunden. Wir haben also eine Ruptur des Perineums und einen unvollkommenen bis zum Peritoneum dringenden Rifs der Blase vor uns, die beide infolge eines Schlages auf den Rücken bei einer leeren Blase entstanden sind, und die sich während des Lebens nur im Auftreten von Blnt bei der ersten Katheterisation manifestiert haben.

2. Fall: Ein 38jähriger Schirmmacher stolperte auf einer Treppe, fiel um und stiefs mit der rechten Seite an die Stufen. Nach 3 Tagen kam er ins Hospital und klagte über Schmerzen in der rechten Seite. Die Schmerzen in der Seite waren so heftig, dafs sie die ganze Aufmerksamkeit des Kranken in Anspruch nahmen, und er sonst keine Klagen iufserte. Auf Befragen bemerkte er nebenbei, dafs er seit einigen Tagen keinen Urin lasse. Die Untersuchung ergab nun eine Kontusion der rechten falschen Rippen, keine Fraktur; der Bauch war stark aufgebläht, druckempfindlich, lieferte bei der Perkussion einen dumpfen Schall bis zum Nabel, der Katheter entleerte eine grofse Menge, leider nicht abgemessenen, blutigen Urins, nach der Katheterisation fiel der Bauch ein. Am nächsten Tage flofs durch den Katheter nur ein wenig strohgelben Urins ab, man bekam beim Katheterisieren das Gefühl, als ob das viscerale Ende durch irgend etwas komprimiert würde, die seitlichen Bewegungen waren nicht ausführbar. Diagnosis: ruptura vesicae urinariae. Der Kranke erlag bald einer Peritonitis acuta. Die Sektion ergab in der Bauchhöhle eine rötliche, dickliche Flüssigkeit, am Boden der Blase ein 1 Zoll langes Loch mit zerrissenen, blutdurchtränkten Rändern. Es ist bemerkenswert, dafs die Blasenverletzung vom Kranken ganz unbemerkt blieb; er kam ins Hospital nur mit der Klage über Schmerzen in den Bippen, er spürte in der Blasengegend gar keine Schmerzen, hatte keinen Harndrang, wobei er 3 Tage lang in die Bauchhöhle urinierte. Bei der Entleerung der Blase, oder richtiger, der Bauchhöhle mit dem Katheter im Hospital, wobei der Schnabel des Katheters ins gebildete Loch geraten mufste, wiederum keine Spur von Schmerzen. Eine Blasenruptur, die sich durch gar keine Zeichen manifestiert und den Kranken 3 Tage lang berumgehen läfst, verdient ernste Beachtung in gerichtlich-medizinischer Hinsicht.

3. Fall: Ein kräftiger, stark gebauter 35jähriger Arbeiter bekam von einem Bauer einen Schlag mit dem bestiefelten Fufs in den unteren Teil des Bauches. Es erfolgte tiefe Ohnmacht und darauf ein beständiger riesiger Schmerz im Bauche. Letzterer bei leisester Berührung ungeheuer empfindlich, besonders oberhalb der Symphyse. Perkussion und Palpation geben den Eindruck eines Transsudates in der Bauchhöhle. Kontinuirlicher Harndrang und dabei keine Möglichkeit zu urinieren. Der Katheter entleerte 3 Unzen hellen strohgelben Urins von saurer Reaktion mit reichlichem Eiweifsgehalt, wenig Leukocyten, veränderten roten Blutkörperchen, Blutpigment; Zylinder waren nicht vorhanden. Bewegungen des Katheters innerhalb der Blase waren sehr beschränkt; der Harn flofs aus dem Katheter nicht im Strahle, sondern nur infolge der Schwere; bei jeder Veränderung der Lage des Katheters hörte das Fliefsen auf: die Blase hatte also ihre Kontraktilität verloren. Nach 3 Tagen ging der Kranke zu Grunde. Sektion: in der Bauchhöhle ca. 10 Pfund durchsichtiger, strohgelber Flüssigkeit, Leber und Milz darin wie maceriert, Blase kontrahiert; im oberen Teil eine penetrierende '/* Zoll lange Rifswunde mit kontrahierten, verdickten blutdurchtränkten Rändern: Zeichen der Peritonitis kaum bemerkbar; der Tod erfolgte durch Intoxikation mit zersetzten Harnbestandteilen. Es ist zu bemerken, dafs in allen 3 Fällen die Temperatur trotz der Peritonitis keine Steigerung erfahren hat, ja in den Fällen 2 und 3 sogar subnormal war. Die Experimente vonBouchard geben dazu eine Erklärung. Bekanntlich hatBouchard beim Einführen von Urin in Venen der Kaninchen eine Hypothermie beobachtet, die Temperatur fiel um 1,5°/0. Das Sinken wurde nicht durch die Abnahme einer bestimmten Zahl von Kalorien, wie beim Einführen einer jeden kalten Flüssigkeit, sondern durch die verminderte Wärmebildung erklärt. Der Urin enthält wahrscheinlich einen Stoff, der im Stande ist, ins Blut eingetreten, die Wärmeproduktionsregulatoren zu stören. Es sind wahrscheinlich organische Bestandteile, möglicher Weise einer der wenig erforschten Harnfarbstoffe. M. Kreps, St. Petersburg.

Duplicite complete de l'uretere gauche v. Vincent, des deux ureteres v. Morest in. (Bull. de la societe anat. de Paris. 1894. Nr. 17, S. 627 und S. 631.)

Vincent's Präparat, das einem 60jährigen Mann entstammt, zeigt an der linken Niere zwei übereinanderliegende Ureteren mit je eigenem Nierenbecken. Das untere Nierenbecken umgreift 6 Calices, das obere 3. Beide Ureteren verlaufen getrennt und münden auch getrennt in der Blase, und zwar in der Art, dafs der vom oberen Teil der Niere kommende Ureter unterhalb des Ureters mündet, der von der oberen Nierenpartie den Harn ableitet.

Morestin's Präparat stammt von einer Frau und zeigt beiderseits zwei völlig getrennte Ureteren, so dafs in der Blase vier Mündungen sichtbar sind. Die Nieren selbst waren in beiden Fällen normal.

Görl-Nttrnberg.

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