Hören wir, was der Biograph des heiligen Otto über ähnliche, von Wenden gebaute Continen, so hiefsen diese Heiligthümer, nach eigner Anschauung und glaubwürdig berichtet.

Es waren, sagt er, in Stettin vier Tempel erbaut: der vornehmste derselben mit bewunderungswürdiger Kunst und Zierlichkeit, an den Wänden sowohl innen als aufsen erhobenes Schnitzwerk, darstellend Menschen, Vögel und andere Thiere mit so genauer Nachahmung der Natur, dafs man glaubte, Alles lebe. Besonders war es, dafs die Farben, selbst aufserhalb, von Schnee und Eegen weder verdunkelt noch ausgelöscht werden konnten. So trefflich hatten die Maler Alles vollendet.

Nach uralter Gewohnheit brachten die Stettincr die Zehnten aller See- und Landbeute und die Waffen der Feinde nach diesem Tempel. Dort waren goldne und silberne Schalen in Verwahrung gegeben, aus welchen die Vornehmsten und der Adel bei grofsen Feierlichkeiten, sowohl zu wahrsagen als auch zu essen und zu trinken pflegten. Auch verwahrte man dort zu Ehren der Götter vergoldete und mit Edelsteinen besetzte grofse Hörner von Auerochsen, zum Trinken und andere, um darein zu blasen; auch kurze Schwerter und Messer, nebst vielem andern köstlichen Geräthe, welches Alles ungemein schön anzusehen war. — Aber die anderen drei Tempel waren in geringerer Verehrung und weniger ausgeschmückt: man sah daselbst nur Tisch und Bänke rundum gestellt, um zu gewissen Tagen und Stunden kleine Versammlungen zu halten, Ernstes zu berathen, oder zu trinken und zu spielen.

Die letzteren mögen, einiges Schnitzwerk abgerechnet, manchen Hauptstuben in Schenken nicht ungleich gewesen sein, wo eine Säule die Mitte trägt, Erntekränze und andere Merkwürdigkeiten von der Decke hängen und ringsher Tisch und Bänke stehen, auch der Schultheifs mit den Gerichten bei frischem Trunk der Berathung pflegt, worauf zuweilen Spiel und endlich fröhlicher Tanz um die Säule folgt.

Die ältesten Richter waren zugleich die Priester, und es ist gewifs auffallend, dafs in manchem deutschen Dorfe der Schultheifs, gleich ihnen, noch jetzt den Hammer, das Zeichen des Thor, umhersendet, um zu den Versammlungen zu laden.

Hiernach überlassen wir es der Phantasie eines Jeden, sich die Tempel auf den genannten Bergen nach Wunsch ^vorzustellen. Das Leben der damaligen Helden hat man sich überhaupt nicht allzu einfach zu denken: sie wohnten zwar nur in hölzernen Burgen, waren indefs prächtig gekleidet und machten mit ihren Frauen Aufwand in kostbarem Geschmeide und Pelzwerk; ihre Tafel aber war so bestellt, dafs reisende Mönche darüber erstaunten. Ihr Getränk war Bier und Meth, und beides wufsten die Wenden trefflich zu bereiten. Den Honig zu letzterem sammelte man, wie schon erwähnt wurde, im Walde aus den Beuten (absichtlich ausgehöhlten Bäumen), und es wurde auf diese Zweige der Cultur, wie auf Fischfang, Jagd, Viehzucht und Ackerbau mehr Sorgfalt verwendet, als heute Mancher glauben möchte.

Der König Gozomvitzel nahm indefs ein tragisches Ende. Uneingedenk der Wohlthaten, welche die Franken seinem Stamm erzeugt, fiel er verwüstend in ihre Länder ein und ward bald dafür bestraft. König Ludwig der Deutsche zog 862 wider ihn zu Felde, schlug und tödtete ihn und vertheilte das Land unter Herzöge (duces). Wo die entscheidende Schlacht vorgefallen und wo man den Erschlagenen bestattet, wird nirgend berichtet. Da jedoch Uferstellen und Inseln besonders gern für Grabstätten der Fürsten gewählt wurden und der Potsdamer Werder in der ältesten Urkunde „Insula Chotiemvizles" genannt ist, war einiger Grund vorhanden besonders nachzuforschen.

Der Name Josthau, der sich auf der ältesten Karte fand und aus Gotschau ') verstümmelt sein konnte, leitete an das Westende der Pirschhaide. Grade an der auf der Karte bezeichneten Stelle fand sich nun ein 40 Fufs hoher, kegelförmiger Hügel. An der Abendseite vordem unstreitig von der Havel bespült, an den anderen Seiten noch jetzt von einem 14 Fufs breiten Graben mit einem Erdaufwurf nach aufsen gesichert, erscheint er imposant genug, ein Königsgrab darin vermuthen zu dürfen. Man könnte sich denken, dafs treugebliebene Gothen des Königs Leiche hierher geflüchtet und zu feierlicher Verbrennung derselben ringsher Wald niedergeschlagen, wovon die Stelle den Namen Gotshau behalten. Da indefs andrerseits der Hügel auch nur eine Wachthöhe mit einer kleinen Warte darauf sein konnte, ward zuerst der ziemlich spitze Gipfel untersucht. Da fand sich wenige Fufs unter der Oberfläche ein oblonges heidnisches Grab von Feldsteinen — aber es war seines Inhaltes schon beraubt und zugleich des gröfsten Theils seiner Wände. Diese Beraubung mochte vor etwa 30 Jahren Statt gefunden haben, zur Zeit als man den Hügel mit den Kiefern bepflanzt, die jetzt ihn überschatten.

1 ) In Ungarn heifst Gotz ein Leichenverbrennungsort, vielleicht noch aus Gothischen Zeiten her.

Meistens finden sich in solchen hohen Hügeln mehrere Gräber übereinander und das Hauptgrab gewöhnlich in der Basis; das wahre Ergebnifs wird sich darum dann erst hervorthun, wenn man den Kern des Ganzen untersucht hat. Vorläufig ist sichergestellt, dafs wir darin ein heidnisches Grabmal vor uns haben und kein Werk neuerer Zeit.

Acht Jahre nach Gozomvizels Tode beginnt in den Chroniken und Urkunden für die hiesige Gegend der Name „Havelland" als einer gesonderten Provinz aufzutauchen. Hätte sie demnach früher zu dem Obotritenlande gehört, so war sie jedenfalls jetzt davon losgetrennt.

Die Obotriten selbst ertrugen die Theilung ihres Landes nicht friedlich und blieben, bald besiegt bald wieder aufgerafft, noch lange trotzende Feinde nicht nur der Karolinger, sondern auch der nachfolgenden sächsischen Kaiser. In gleicher Stimmung beharrten, getrennt von ihnen, die Heveller, wurden jedoch 927 von Kaiser Heinrich dem Städteerbauer durch Eroberung ihrer Veste Brandenburg einigermafsen gebändigt. Er gab ihnen in Ingumir ihren rechtmäfsigen Fürsten und gründete, wie die Sage geht, auf dem Harlunger Berge bei Brandenburg die berühmte Marienkirche, ein prächtiges Werk, dessen Modell noch in jener Stadt bewahrt wird. Wir erwähnen, dafs eine spätere Zeit die Steine davon zum Bau des Potsdamer Waisenhauses verwendet hat.

Auch die Obotriten, die Ukrer und alle hier eingedrungenen Slaven bezwang Heinrichs Kraft und bewirkte, dafs dieser oder jener Fürst sich taufen liefs.

Mit Heinrich kamen schon viele Sachsen in das Land und wurden ansässig; die Ueberzahl der Einwohner aber war wendisch. Heinrichs Nachfolger, die Ottonen, hatten darum beständig erneute Kämpfe zu bestehen, wenn auch zuweilen das ganze Slavenland diesseit der Oder schon so unterjocht war, dafs man es in zwanzig Gaue theilte und von diesen, wie Chroniken versichern, nur dreie ungetauft blieben.

Einer der christlichen, wovon die Zehnten der Mauritius-Kirche in Magdeburg verliehen worden, umfafste unsere Gegend: Otto I. Verleihungsacte vom Jahr 961 bezeichnet sie, als eine von Gothen bewohnte, mit dem slavischen Ausdruck „ Chozimi" d. i. mit den Gothen.

Eine Urkunde seines Nachfolgers Otto H. vom Jahr 980 weist ebenfalls hier herein: sie verleiht dem Kloster Mimeleben mehrere Orte und Burgen in der slavanischen Grafschaft des Markgrafen Dietrich, nahe bei der Havel im Gau Hewellow gelegen, namentlich: Nyenburg, Dubie und Brichowa.

An die Markgrafschaft Dietrichs kann Dietrichsdorf, jetzt Diedersdorf im Teltowischen erinnern.

Die Nyenburg lag an der Stelle des Fischerhauses gegenüber von Neuendorf an der Nuthe, und ihre Trümmer waren vor funfzig Jahren noch zu sehen.

Brichowa ist die slavische Uebersetzung des dahinterliegenden Dorfes Bergholz (polnisch „ Brzozowa ", Birkwald).

In gleicher Weise ist Dubie die slavische Uebersetzung von Eiche bei Potsdam; denn „dub" heifst die Eiche ').

Dieses Dubie ward muthmafslich bald darauf mit der alten Butonischen Niederlassung Pots vereinigt, und beides hiefs nun zusammen Poztupimi d. i. Poz mit Dubie 2).

So tritt uns der Name in der nächsten Urkunde vom Jahr 993 entgegen, worin der folgende Kaiser Otto III. seiner Muhme, der Aebtissin Mathildis von Quedlinburg, in der Provinz Havelen „due loca

^05tujaímt et gelítí bícta

. ... in ínfula Cïjntiemui3ïcf fita."

d. i. zwei Ortschaften: Poztupimi und Geliti (Potsdam und Geltow) auf der Insel Chotiemvizles gelegen, mit

') Eiche hatte Doch zu Ende des 16. Jahrhunderts das Recht bis an den Potsdamer Weg nach Bornstedt zu hüten; früher aber mochte sich das Gebiet von Eiche bis an den Jungfcrnsce erstrecken, 1638 heifst der l'fingstberg noch Eichberg; die Burg Eichen (ins Slavische übersetzt dubie) ist dort anzunehmen, wo jetzt die Ileiligegeistkirchc steht, die Gegend dabei hiefs noch 1683 Witam, was in wendisch-deutschem Sprachgemisch heilige Eiche bedeuten könnte.

') Dies scheint uns nach mannigfaltigen Erwägungen die historische Entstehung des Namens Poztupimi. Wir kennen gar wohl die vielen anderen, rein etymologischen Erklärungen, von denen die minder gewagteste „Pod dubmi, unter den Eichen" herausbringt, wir finden uns jedoch gedrungen, sie sämmtlich als nicht richtig zu verwerfen; auch „Pod" ist niemals „Poz", und was fängt eine solche Art zu erklären mit Ortsnamen an, die Potzin, Potzow oder gar nur Potz lauten?

allen dazu gehörigen Ländereien, Mühlen u. s. f. zum Geschenk macht. Die gesicherte Lage auf einer Insel eignete Beide, namentlich in so unruhigen Zeiten, besser als andere zu einem Geschenk an eine hohe Frau. Mathildas genofs ihrer Güter indefs nur wenig, denn sie starb schon 997.

Später, unter Otto III. Nachfolger Heinrich H., mochte man andere Burgen zu mehrerer Schirmung der Gegend erbauen, wie die von Geltow und Fahrland. Durch Strom und Burgen beschützt, konnte die Insel verfolgten Christen zur Zuflucht dienen und dürfte deshalb wohl nicht lange einer Kirche entbehrt haben. Die unübertroffen prächtigen Mefsgewänder, die man im Dom zu Brandenburg aus jenen früheren Zeiträumen bewahrt, zeigen, mit welchem Aufwand, mit welchem Glanz man damals das Christenthum dem Heidenthum gegenübergestellt.

So trat wohl auch schon in jener Zeit ein christliches Heiligthum an die Stelle des Heidentempels auf dem Kirchberge; ebenso konnte die Erbauung der nun längst verschwundenen Kirche „Maria-Schein" auf dem Sipunt bei Fahrland in jene Tage fallen.

Die letztgenannte Veste scheint übrigens nicht unbeschäftigt geblieben zu sein.

Eine Stelle, kaum eine Meile nördlich, heilst der „Heerweg". Von dort mochte manches Kriegsunwetter hereinziehen; im Süden aber erinnert Kimradsdorf (Kunersdorf) an Kaiser Kunrads Heerzüge. Alles regt an, der gewaltigen Dinge zu gedenken, die ringsher geschehen; aber unser Zweck ist beschränkt auf die Gegend: wir müssen den Blick abwenden von dem ungeheuren, vielfarbigen Epos, das in den blutgetränkten Marken von Jahrhundert zu Jahrhundert sich fortwebte, und worin die Schuld, immer gefolgt vom Unheil, wie ein Ball bin- und wiederflog von Heiden zu Christen, von Christen zu Heiden.

Die letzten Wogen der stürmischen Erregungen toben sich endlich hier aus in der wunderbaren Zeit, wo die Predigt des heiligen Bernhardus von dem Reichstage zu Frankfurt am Main drei Heere wjder die Ungläubigen aussendet.

Das eine zieht mit Kaiser Konrad selbst nach Paliistina, das zweite unter den rheinischen Fürsten nach Spanien, das dritte nach der Mark, einträchtig geführt von den vormals feindlichen Häusern Anhalt und Sachsen.

Albrecht, der Aeltere, zieht wider das Havelland, der noch jugendliche Heinrich nördlicher wider das Land der Obotriten, und die späteren Beinamen „Bär" und „Löwe" zeugen von ihrer Tapferkeit, wie sie Zeichen ihrer Wappen sind.

Nach langem Kampf besiegt Heinrich den Obotritenfürsten Niclot. Als Heiden verpflichtet er ihn zu Zins, als Christen läfst er ihn frei: so ward derselbe, wie man sich erzählt, Stammvater der freien Herzöge von Mecklenburg.

Albrecht hatte schon 1136 Pribislav, den besiegten Fürsten der Heveller, unter gleichen Bedingungen fortregieren lassen, später von dem Kinderlosen die Herrschaft gesetzlich ererbt, sich auch von da ab urkundlich Markgraf von Brandenburg genannt. Damit war aber noch nicht Alles erreicht, denn Albrecht hatte mit vielen Aufständen zu ringen. Zuletzt, nach Pribislavs Tode, stand dessen Oheim, der Polenherzog Jazko, der zu Köpenick seine Burg hatte, auf, und bemächtigte sich noch einmal der Stadt und der Herrschaft, bis Albrecht ihn 1157 vollständig schlug, vertrieb und völlig Herr wurde der Mark Brandenburg, bestehend aus Altmark, Mittelmark und Priegnitz. Er mehrte die Burgen dem feindlichen Land gegenüber; so gebietet er, jedem Einspruch wehrend, der aus Wenden, Sachsen und einigen Witen- und Gothenresten gemischten Bevölkerung.

Wir sehen durch ihn das dreiköpfige Bild des Götzen Triglav aus dem christlichen Heiligthum des Harlungerberges entfernt und das Christenthum für immer befestigt.

Die Volkssage läfst Jazko, den letzten Fürsten der Heveller, nach dreitägiger blutiger Schlacht auf den Ebenen bei Gothow (Gadow) übermächtig gedrängt, vor dem ansprengenden Sieger Albrecht fliehen, zu Rosse durch den Strom der Havel. Im nachgesandten Regen der Speer' und Pfeile, mitten in der Strömung, ruft der Sinkende: „Die Götter meiner Väter haben mich verlassen; Gott der Christen, errette mich, so bin ich Dein ewiglich!"

Da hebt eine heranrollende Woge den Rufenden und trägt ihn an das Ufer jenseits, fern vom fernsten Nachflug der Geschosse. Wo er, dem Gott der Christen geweiht, seinen Schildrand zuerst auf den Boden gesetzt, bewahrt die Stätte noch den Namen Schildhorn, und jedes Kind kann sie dort zeigen.

So ward die Havel selber des Heiden Taufbecken. Als Christ ertrug er gefafst den schweren Verlust der Herrschaft, aber Albrecht mochte er nicht unterthan werden. Er zog zu seinen Verwandten nach Mecklenburg und wahrte so das geliebte Gut der Freiheit. Von ihm stammt, so sagt man, dort das Geschlecht der Grafen von Gützlav. Sein eigner Name ist wahrscheinlich von einem ursprünglich gothischen Grundbesitz herzuleiten.

Die Gegend unter den Anhaltiner Markgrafen.

Albrechts Kraft hatte nun die Ruhe unserer Gegend gesichert und das Christenthum befestigt, der neue Staat vergröfserte sich bald durch Eroberung der Uckermark, und die Anhaltinische Fürstenlinie ergofs ihre reichen Wohlthaten über das nun tapfer beschirmte wie trefflich regierte Land. Wo letzteres durch langen blutigen Streit entvölkert worden, eilte man, es mit neuen Anbauern zu besetzen. Viele Holländer, Seeländer, Friesländer und Rheinländer waren durch Meereseinbrüche und andere Ueberschwemmungen landlos geworden: die berief Albrecht, nach Helmolds Zeugnifs, in die öden Stellen. So ward der Schaden mehr und mehr geheilt.

Die Eingewanderten brachten die Künste der verlorenen Heimath der neuerworbenen zu. Holländereien und Weinberge wurden angelegt, Dörfer in Städte verwandelt und das Land kam in solche Aufnahme, dafs man jener Zeit der Ascanischen Herrschaft noch immer als der blühendsten gedenkt. Sie wufste die deutschen mit den wendischen Culturerfahrungen zu verbinden.

Auch die minder verwüstete Insel Potsdam mag — obwohl aus dieser langen Periode gar keine Nachrichten für sie aufbewahrt werden — der allgemeinen Wohlthaten mit theilhaftig geworden sein; so scheinen die grofsartigen Wasserbauten der tapfern Markgrafen Johann I. und Otto Ш. sich auch hierher erstreckt zu haben, und der alte Schiffgraben im Norden der Insel mag das Werk dieser einträchtigen Brüder sein. Er kürzte den Weg der Fahrzeuge um zwei volle Meilen und mochte viel beitragen, die Fahrlander Gegend in Flor zu bringen.

In jene Zeit setzen wir auch den Uebergang von Fahrland aus Dorf in Stadt, wagen es auch, demselben Markgrafen neben Gründung so vieler anderer Städte die Verleihung der Stadtgerechtigkeit an unser Potsdam zuzuschreiben und dieselbe sammt der Dotirung mit Gebiet um den heiligen See und gegen die Pirschbaide ungefähr in das Jahr 1230 zu setzen.

Garzäus redet zwar von einem Fischereivertrage der Städte Berlin und Potsdam aus dem Jahr 1106, das Datum ist indefs, wie aus den Lehniner Acten hervorgeht, arg verschrieben. Die in Rede stehende Fischereiberechtigung in der Potsdamer Havel hatte Berlin von dem Kloster Lehnin erhalten und dieses ward selbst erst nach 1170 von dem frommen Markgrafen Otto I. gestiftet, seine Dotation in hiesiger Gegend aber fällt in noch viel spätere Zeit.

Um das Jahr 1303 ist die Gerechtigkeit des Fischens von Potsdam bis Paretz sammt den Havelufern im Besitz der Prinzessin Kunigund, und erst nach ihrem Tod 1317 empfängt das Kloster den damaligen Flecken Werder und den gegenüberliegenden Gallin mit den bezeichneten Gewässern zum Eigenthum.

Die erste Urkunde, worin Potsdam als ein Städtchen genannt wird, ist von denen v. d. Gröben zu Bornstedt ausgestellt und datirt vom Jahre 1304. Sie handelt von dem Verkauf einer Lehmgrube an die biderben Leute, Rathmänner und Burger zu Potstamp ".

Dafs Letzteres hier schon aus Pozdupimi (spr. Pozdopimi) verkürzt erscheint und dafs später auch das p am Schlusse wegblieb, wird Niemand wundern, welcher der Veränderlichkeit der Ortsnamen durch Hör- und Schreibfehler in verschiedenen Zeiten nur einigermaafsen nachforscht. ')

') 1375 im Landbuch Carl IV. finden wir Poetam, in Urkunden von 1411 Potsdamp; später in Büchern nnd Karten: Botzam,

Die von der Gröben auf Bornstedt waren Sachsen, die vielleicht schon im 10. Jahrhundert mit Heinrich dem Städteerbauer hier eingezogen. Die erwähnte Lehmgrube aber, die 1571 schon erschöpft war, lag am Wege nach Bornstedt, wo jetzt die Neptuns-Grotte von Sanssouci angebaut ist. Ob der Grenzgraben der Stadt schon damals, wie später, den Weg dorthin durchschnitt und den jetzigen Canal vorzeichnete, ist nicht zu ermitteln. Wahrscheinlich führte ein Dämmchen durch die sumpfige Eichenniederung zur Stadt.

Die Stadt selbst lag mit ihrem Rathhaus und ihrer Kirche am waldigen Ufer, noch durch Sumpf und Feld geschieden, zwischen Kietz und Burg.

Zu letzterer führte die Burgstrafse aufserhalb mit dem alten zur Burg gehörigen Fischerdorf Dubie (Dombie), das nicht Stadtgerechtigkeit hatte, sondern Dienste zur Burg leisten mufste. Die Burg schnitt ein Graben vom Festland ab, und sie lag auf einer Insel genau an der Stelle, wo jetzt die Heiligegeistkirche stellt; ihre Gestalt aber vermögen wir nicht anzugeben. Die Verbindung der Insel Potsdam mit den Strafsen nach Spandau und Saarmund ward damals sowohl bei Nedelitz wie bei Potsdam') durch Fähren unterhalten. Das Einkommen für die letztere war dem Rath in Pacht überlassen.

Auch in der Nähe von Geltow bestand noch kerne andere Verbindung mit dem Petzower Ufer als durch Kähne.

Die Gegend unter den Bayerischen und Luxemburger Churfürsten

von 1319 bis 1419.

Fast zweihundert Jahre hatte die Mark der glücklichen Herrschaft der Ascanier genossen, als dieses edle Geschlecht überaus zahlreich erblühte, um bald darauf unerwartet schnell mit dem Markgrafen Waldemar und dessen unmündigem Sohn Heinrich ganz auszusterben. Ehe die Erbfolge noch geregelt war, bemächtigte sich Heinrichs Vormund, Rudolf I., Churfürst von Sachsen, dessen Gemahlin als Tochter des Markgrafen Otto V. dem Hause entstammte, 1321 eilig des Landes und raffte hinweg, was er konnte. So hatte er auch die ganze Insel Potsdam besetzt, verkaufte sie aber, da er sich damit nicht sicher wufste, sogleich an das Brandenburgische Domstift für 150 Mark Brandenburgisch (1600 Thlr. ). Das Domstift mufste jedoch das allzurasch erworbene Besitzthum wieder herausgeben, als Kaiser Ludwig seinen Sohn Ludwig den Bayer 1324 förmlich mit der Mark belehnte.

Die neue Besitznahme des ganzen Landes aber veranlafste langwierigen Streit und blutigen Kampf. Der Zorn des Papstes lastete auf dem Kaiser und seinem Sohne, und jener verschmähte keine Mittel, Beide immer von Neuem in Gefahren zu verwickeln. Selbst der Einfall der heidnischen Litthauer und Polen in die Mark wurde vom geistlichen Oberhaupt der Christen gern gesehen. Sie kamen bis in unsere Gegend und legten 144 Dörfer in Asche. Damals mag auch die vielleicht wendische Anlage, wonach der Wentorf benannt ist, sowie andere am weifsen See bei Born für immer verschwunden sein und Niemand weifs ihre rechten Stellen.

Nach so wilder Verheerung raffte Jeder an sich, was er konnte, und der Adel bildete sich nach und nach zu einer völligen Raubritterschaft; die sogenannten Stellmeiser waren die Spitze davon und wurden vielfach gehegt auf unserer Insel, wie in Fahrland und Falkenrehde von den deshalb vervehmten Stechows.

Botzan, Poeten, Potstein, Potstayri, Potzstamp, Pothstampp: ja die süddeutschen Truppen im dreißigjährigen Kriege nannten es in ihren Schreiben sogar Pottstampf! Zuletzt gewann die Schreibart Potsdam die Oberhand und ist seitdem normal geblieben. Sie hat das alte nur noch in Abdrücken vorhandene Rathssiegel für sich, worauf Pols tam zu lesen ist, vielleicht aber ist dort das p am Schlusse nur wegen Mangels an Raum hinweggeblieben.

') Das Landbuch von 1375 sagt noch Nichte von einer Brücke, sondern nur von einer Fähre: „trantfrelun habenl Comulei" etc.

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