236 Fbiedbich Stbeckeb: Entstehung Und Wachstum Usw.

b) Allmählicher Übergang der Wandungsschicht in den Inhalt .

e) Appotitioneller Wachstumstypus durch Anlagern von Bildungskernen nnd vollkommen anscharfem Übergang der Drüsenzellgebilde in die Mncosa germinativa.

d) Lymphraum, dessen eine Wandung ein Zellenwachstum aufweist. «) Mit Bildungskernen und internukleärer Verdichtung erfüllter Lymphraum, der an den Drüsentubulus angelagert ist.

f) Zellfreie Oberwand eines Tubulus mit beginnender Umbildung.

g) Ausgebildeter Drüsentubulus.

h) Allmählicher Übergang und Umbildung der Propriazellen in Drüsenzellen.

Die vordere Epiphyse und der untere Tuberositaskern der Tibia beim Menschen und in der Säugetierreihe. Die Tuberositas tibiae des Menschen.

Von

Generaloberarzt a. D. Dr. Ai Kirchner

in Göttinnen.

1. Die vordere Epiphyse der Tibia beim Menschen.

Die Epiphyse am Ort der Tuberositas tibiae, die vordere1 Epiphyse der Tibia, hat in neuerer Zeit besonders die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, seitdem um die Zeit der Pubertät in ihrer Gegend häufiger gutartige entzündliche Erscheinungen beobachtet wurden, als deren Ursache man vielfach körperliche Anstrengungen, namentlich beim Sport verschiedener Art, ansah. Von mehreren Seiten, besonders von Schlatter und Haglund, wurden in solchen Fällen auf Grund der Röntgenbilder Zusammenhangstrennungen im Bereich der Epiphysenlinie zwischen sogenanntem schnabelförmigem Fortsatz und Tibiadiaphyse angenommen, von anderen Seiten — Baer, Schuler, Vulliet, Linkenheld — entschieden bestritten, daß aus den aufgenommenen Röntgenbildern das Vorhandensein einer Znsammenhangstrennung gefolgert werden könne; dergleichen Bilder ergäben auch die Röntgenaufnahmen von ganz gesunden Knien bei Personen entsprechenden Alters. Bei diesem Widerstreit der Meinungen erscheint es angezeigt, das nach dem jetzigen Stand der Forschungen Tatsächliche über die Gestalt und die Entwicklung der vorderen Tibiaepiphyse festzustellen und hierbei namentlich auch die Beziehungen des Ligamentum patellae zu dieser Epiphyse zu berücksichtigen.

1 Ich finde diese Bezeichnung bei Rambnud und Renault und nehme sie als meines Erachtens kürzeste und vollkommen bezeichnend wieder auf.

Noch bis in die jüngste Zeit bestanden Zweifel, ob in der Tuoerositas tibiae regelmäßig ein selbständiger Knochenkern vorkäme. Manche Autoren sahen noch vor wenigen Jahren das Auftreten eines solchen als Ausnahme an. So äußert sich Sick 1902 auf Grund seiner Röntgenuntersuchungen: „Erst im Alter von 13 Jahren etwa, manchmal auch früher, aber zuweilen auch später tritt von der oberen Epiphyse aus ein schnabelförmiger, verknöchernder Fortsatz nach abwärts, um die Tuberositas zu bilden. Zuweilen tritt auch in dem präformierten Knorpel an der Tuberositas ein isolierter Knochenkern auf." Und Osgood 1903: „The tubercle of the tibia develops ordinarily from the Upper epiphysis of the tibia by the ossificatiou of a tonguelike process extending downwards over the anterior surface of the diaphysis. Rarely there is a separate center of ossification for the tubercle, which then develops as a separate epiphysis uniting with the upper epiphysis during the latter portion of adolescence." Indes schon Schwegel (1858) und ßambaud und Renault (1864) nehmen, so viel aus ihren Schriften geschlossen werden kann, an, daß in der Tuberositas tibiae regelmäßig ein selbständiger Knochenkern auftritt. Rambaud und Renault sagen p. 233: „Dans la languette cartilagineuse qui forme la tuberosite anterieure du tibia, apparait, vers huit ou dix ans, xm point d'ossification." In den letzten Jahren haben größere Reihen von Röntgenuntersuchungen am Lebenden — Ludloff, Zuppinger (bei Schlatter) 1903, Gaudier und ßouret 1905, Jensen 1907 — das regelmäßige Auftreten eines selbständigen Knochenkerns in der Tuberositas tibiae bestätigt.

Zeit des Auftretens des Knochenkerns der vorderen
Tibiaepiphyse.

Schwegel gibt als Zeit des Auftretens das 1. bis 6. Lebensjahr an. Ein so frühes Auftreten ist von keinem der späteren Forscher bestätigt worden. Allerdings sagt Aboulker, welcher sehr sorgfältige Untersuchungen über die Entwicklung der vorderen Tibiaepiphyse angestellt hat: „De 20 ä 30 mois, la face triangulaire qui constitue la face anterieure de l'extremitö superieure du tibia, se crible de trous, par lesquels passeront les vaisseaux et les nert's," erklärt aber dann weiter, daß er einen Knochenkern in der Tuberositas nicht vor dem 9. Jahre gefunden habe. Rambaud und Renault haben, wie oben erwähnt, den Kern für gewöhnlich mit 8 bis 10 Jahren erscheinen sehen, zuweilen aber auch später mit 12 bis 14 Jahren. Aboulker hat den Kern häufig erst nach dem 13. Jahre bis in das 15. Jahr bei normal entwickelten jugendlichen Personen auftreten sehen. Ludloff fand die ersten Spuren des Knochenkerns bereits mit 7 Jahren, Schlatter (Zuppinger) bei 15jährigen freilich etwas schwächlich entwickelten Jungen einen Epiphysenfortsatz (vordere Tibiaepiphyse) noch in keiner Weise angedeutet. Nach Gaudier und Bouret erscheint der Ossifikationspunkt der Tuberositas tibiae im allgemeinen mit 14 Jahren, nach Jensen am häufigsten mit 13 Jahren.

Wir können also den Kern der vorderen Tibiaepiphyse bereits mit 7 Jahren finden, aber er kann auch mit 15 Jahren noch vermißt werden.

Ort der Entwicklung der vorderen Tibiaepiphyse, ihre räumliche Ausdehnung.

Schon aus den obigen Zitaten geht hervor, daß vielfach die Auffassung besteht, daß die vordere Tibiaepiphyse die ganze Tuberositas tibiae bilde. Ebenso sind die Äußerungen Rambaud und Renaults und Aboulkers zu verstehen; sie sagen schlechthin, jene Epiphyse bilde die Tuberositas.

Die Grenzen der Tuberositas tibiae des Erwachsenen werden von den Autoren verschieden angegeben. Um ein sicheres Urteil darüber zu gewinnen, wie weit die vordere Tibiaepiphyse zur Bildung der Tuberositas beiträgt, ist es zunächst erforderlich, die Grenzen derselben beim Erwachsenen möglichst genau festzulegen. Hierbei ist es notwendig, auf die Stelle des Ansatzes des Ligamentum patellae besondere Rücksicht zu nehmen.

Henle äußert sich in seinem Handbuch der Knochenlehre S. 286 über die Tuberositas tibiae folgendermaßen: „Vorn (am oberen Ende der Tibia) entsteht aus der vorderen Kante oder vielmehr, indem sich diese Kante im Bogen lateralwärts wendet, medianwärts neben derselben ein dreiseitiges Feld, die Basis gegen den oberen Rand des Knochens gewendet, die Spitze in Form eines langgezogenen, mit einer transversalen oder schrägen rauhen Leiste versehenen Wulstes, Tuberositas patellaris, über die Oberfläche vorragend, indes der über diesem Wulst gelegene Teil der Fläche, parallel der hinteren Fläche, im Aufsteigen rückwärts weicht."

Fast entsprechend gibt Poirier, TraUö d'anatomie humaine I p. 240 die Grenzen der Tuberositas tibiae an: „La face antörieure (de l'exträmite superieure du tibia) presente une large surface triangulaire dont le sommet repoud ä la tubörositö antörieure. Sur la tubeVositö, une empreinte, tres large, limited en haut par une ligne oblique, marque l'insertion du tendon rotulien. Cette face antörieure, dont la base räpond au plateau tibial, est limitee par deux bords curvillgnes, saillants, r&ultant d'une sorte de bifurcation de la cröte tibiale." Eng an Poirier schließt sich Abo ulker an und hebt noch besonders hervor, daß „la tubörositö anterieure est lisse dans ses trois quarts inferieurs."

Nach diesen Autoren würde also die Tuberositas' tibiae nach abwärts bis dahin reichen, wo die Crista tibiae sich lateralwärts wendet. Poirier und Aboulker sprechen von einer „bifurcation" der Crista. Ich habe an einer großen Zahl von Schienbeinen verschiedener Rassen, die ich untersucht habe, in keinem Falle auch nur eine Andeutung einer Gabelung der Crista gefunden. Die vordere Schienbeinkante wendet sich in ihrem oberen Ende, wie Henle ganz richtig sagt, lateralwärts und verläuft, mehr oder minder scharf ausgesprochen, bis zur unteren Grenze des sog. Margo infraglenoidalis. Dies scharfe Hervortreten einer Crista auf der lateralen Seite des oberen Schienbeinendes in Verlängerung der Crista des Mittelstücks ist bedingt durch die Anlagerung der Muskulatur an die laterale Schienbeinfläche. Auf der medialen Schienbeinfläche fehlt die Muskulatur und somit auch die Crista. Da auf der medialen Seite der Tuberositas jede scharfe Grenze fehlt, ist es überhaupt sehr mißlich von einem dreiseitigen Felde in dieser Gegend zu sprechen. Der vordere Schienbeinabschnitt, der medialwärts neben dem oberen Ende der Crista tibiae liegt, von der Stelle an aufwärts, wo diese lateralwärts abbiegt, geht etwa in seiner unteren Hälfte glatt in leichter Rundung in die mediale Schienbeinfläche über. Von einer irgendwie scharfen Abgrenzung der Tuberositas an ihrem unteren Ende, falls wir dieses da annehmen, wo die Crista tibiae lateralwärts abbiegt, kann also nicht die Rede sein. Wollten wir, bis zu letzterer Stelle die Tuberositas gerechnet, sie in ihrer Längsausdehnung messen, so würde sich eine Länge von 7cm und mehr ergeben.

Andere Autoren geben der Tuberositas tibiae eine weit geringere Ausdehnung in der Längsrichtung. Testut1 sagt, daß an der Spitze des dreieckigen Feldes vorn am oberen Tibiaende sich ein Vorsprung von ovaler Form findet: „tubercule anterieur du tibia, sur la partie inferieure du quel vient s'attacher de ligament rotulien."

Am eingehendsten beschreiben die Tuberositas tibiae unter Angabe von Maßen Gaudier und Bouret: „La tuberosite est une petite tumeur, pirifoime, dont la grosse extremite, parfaitement curviligne, serait supe>ieure, et dont l'extr^mite oppo^e serait aplatie. Le grand axe est dirige de haut en bas et de dedans en dehors; sa longueur varie de 3-1 ä 3^9cm. La largeur de la tuberositö ä son tiers superieur varie de 2-3 ä. 2-8cm, tandis que l'extremite inferieure mesure de 0-8 ä 1.3cm." Diese Angaben finden sich fast wörtlich auch bei Jensen.

Nach meinen Feststellungen läßt sich in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle die Tuberositas tibiae als ein ausgesprochener Vorsprung sowohl nach proximal als nach distal abgrenzen. Für

1 Anal. hum. I. p. 333.

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