Also heckt das Ungeziefer
Tausendfältig seine Brut
Und erstickt, stets tief und tiefer
Das gesunde Völkerblut.
Menschenwürde zu Vernichten,
Und das Gabelthier zu züchten;
Selavensinn in freier Menschenbrust:
Das ist echte Iesuitenlust.

25

So nick' ich nun den Schemel dir heran,

Sohn des Ignazius, zur Laster-Beichte

Es sendet mich das Volk dir als Caplan

Und eine Fackel diene uns als Leuchte.

Der Wahrheit Licht soll einen Morgen zünden

In deines Busens grauenvoller Nacht;

Auf, Pfäfflem! sag' der Lüge gute Nacht,

Ein scharfer Lauscher, horch' ich deiner Sünden.

Doch Indulgenz — das sag' ich dir zuvor —
Erwarte nicht von mir, denn ich berichte
Getreulich meines deutschen Volkes Ohr,
Wie du sie giebst, die schändliche Geschichte.
Die große Iury mag das Urtheil sprechen,
Und giebt's ein größ'res Ungeheu'r als du,
So decke dich der Liebesmantel zu,
Daß du erstickst in seinem Faltenbrechen.

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Allein bedenke wohl, du Bösewicht!

Ich möcht's in diesem Leben noch beschicken;

Drum leist' ich auf das kleine gern Verzicht,

Und geize nur nach großen Schelmenstücken.

Auch von dem Fluch, wie Ihr in Christi Namen

Das gröbste Laster zum Gesetz erhebt,

Will ich vernehmen, wie er leibt und lebt. —

Ietzt bin ich Ohr, beginne auszukramen.

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V

>er in den Orden tritt, entsagt der Welt,
Der Treue gegen Gott und seine Werte,
Christus nur ist's, vor dem er niederfällt,
Daß man im Glauben an den Sohn sich starke.
Des sichtbar Wesen ist der Leib des Herrn:
Der Meister General, und ist der fern,
So kriechen wir mit hundischer Geberde
Vor den Viearien in den Staub der Erde."

„Wer seinem Vater, seiner Mutter nicht.
Und allem, was ihm blutsverwandt geboren,
Die ird'sche Lieb' aus voller Seele bricht,
Der sage nicht, daß er den Bund beschworen;
Die eig'ne Seele gar, spricht das Gebot,
Sei glühend dir verhaßt, bis in den Tod;
Kannst du dich nicht zu dieser Pflicht bekennen,
Sollst du dich nie Ignazius Iünger nennen."

„Drum sage nie ein echter Iesuit,
Daß Vater oder Mutter sein im Leben;
Die schöne Zeit der Liebe ist verblüht,
Er hatte sie — sie ist dahin gegeben.
Der todte Christus tritt an jedes Statt,
Was man vom Dasein einzufordern hat;
Und nur allein aus seinem Wundenmaale
Füllt sich des Lebens karge Freudenschale."

„Und da der Tod des Heilands Mund verschloß,
So strömt sein Geist von des Vertreters Lippe,
Und jedes Wort, das sich von da ergoß,
Ist Gottes Wort für unsre Ordens-Sippe.
Ob es auch Sünde heischt: — sie sei gethan,
Wer darf verwegen meistern Gottes Plan? —
Ia Mord und Meineid selbst, und jede Schande
Heißt Ehrenpflicht in des Gelübdes Bande."

„Drum vor dem heil'gen Angesicht des Herrn,
Um Christi Glorie, der wir treulich dienen,
Gilt kein Gebot auf Erden, nah' und fern,
Es muß die Absicht jedes Mittel sühnen.
Und galt es selber ein geweihtes Haupt,
Dreifach gekrönt, mit Lorbeerreis umlaubt:
Will es dem großen Plan sich abhold zeigen,
Muß es vor unserm Stahl und Gift sich beugen/

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