'ERFAHRUNGEN

in dem

GEBIETE DES GALVANISMUS

gesammelt

von

Dr. G. OS ANN,

Küuigl. Bayer. Mofnilü und ordentlichen Professor der Physik und allgemeinen Chemie an der

Universität zu Würzburg, korresnondirenden Mitglicdc der Akademie der Wissenschaften in

München und mehrerer gelehrten Gesettschaften Mitglicdc.

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VORWORT.

Wenn der lang geahndete Zusammenhang mehrerer Abschnitte der Physik zur "Wirklichkeit geworden ist, so haben wir diess hauptsächlich den Untersuchungen im Gebiete der Elektricität zu verdanken. Der Magnetismus ist innig verbunden nachgewiesen worden mit der Elektricität, in der Thermoelektricität ist Wärme und Elektricität mit einander verknüpft und für das Licht sind Fälle aufgefunden worden, aus denen hervorgeht, dass die Polarisationsebene des Lichtes der Richtung des elektrischen Stromes folgt. Aber nicht blos für die Imponderabilien ist ein Band der Vereinigung ermittelt worden, auch lür die Mechanik ist, was nicht erwartet war, ein belebendes Element aus den neuesten Forschungen hervorgetreten. Es hat sich gezeigt, dass Elektricität, Magnetismus und Bewegung in einem solchen Zusammenhange zu einander stehen, dass, wenn zwei von ihnen gegeben sind, das dritte als nothwendige Folge sich einstellt. Nicht verwundern dürfen wir uns daher, wenn der Apparat, der Elektricität in grösster Menge hervorzubringen im Stande ist, ich meine die voltaische Säule, vorzugsweise die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich zieht.

Bei dem grossen Eifer, mit welchem seit der Zeit, wo Volta seine Säule errichtete, alle mit ihr in Verbindung stehenden Erscheinungen forschend verfolgt wurden, konnte es nicht fehlen, dass neu aufgefundene Thatsachen benutzt wurden, um ihre Einrichtung zu vervollkommnen. Begreiflicher Weise konnten diese Verbesserungen sich entweder auf die Stoffe beziehen, aus welchen sie zusammengesetzt ist, oder auf die Grössenverhältnisse und hier insbesondere auf das Verhältniss der Anzahl der Platten zum Umfang derselben. In letzter Beziehung hat sich die Thatsache herausgestellt, dass ein Unterschied stattfindet, je nachdem Säulen in Anwendung gebracht werden von grossen Platten aber geringer Anzahl oder umgekehrt. Man hat diese Verschiedenheit mit den Ausdrücken, Wirkungen der Quantität und Intensität des elektrischen Stroms belegt. Es waren nun schon längst Säulen bekannt, bei welchen durch Verbindung aller Platten einerlei Art ein Maximum der Wirkung der Quantitat und ebenso Säulen, bei welchen das der Intensität hervorgebracht werden konnte. Es ist mir jedoch keine Einrichtung bekannt geworden, vermöge welcher mittels einer einfachen mechanischen Vorrichtung bequem und in kürzester Zeit die eine Wirkungsart in die andere übergeführt werden kann. Eine solche Einrichtung, welche ganz besonders geeignet ist, das Wesen der Säule zu erforschen und eine Mechanik ihre Erscheinungen zu gründen, wird der Leser in diesen Blättern kennen lernen.

Es konnte nicht fehlen, dass die Elektricität, welche durch die Hervorrufung des Magnetismus in Eisen mittelbar sehr starke anziehende und abstossende Kräfte hervorzubringen im Stande ist, sowie zugleich chemische Zersetzungen zu bewirken vermag, auch zu technischen Zwecken würde angewendet werden können. Wir sehen sie daher ebensowohl in den Räumen der Telegraphie, von wo aus sie mit Blitzesschnelle Kunde von einem Ort zum andern bringt, in Anwendung gebracht als auch in den der Gewerbe, wo sie zu Metallüberzügen und zur Galvanoplastik gebraucht wird. — Ich glaube, dass die in diesen Blättern beschriebene Säule eine Aussicht für die Technik bietet in den Fällen, wo es sich darum handelt, eine Zersetzung von Flüssigkeiten ohne Gasentwicklung hervorzubringen, was durch Stellung der Säule auf Quantität bewirkt werden kann.

EINLEITUNG.

In der Sitzung der physikalisch -medicinischen Gesellschaft zu Würzburg, gehalten am 26. April 1851, hatte ich derselben Versuche mit einer Voltaischen Säule vorgelegt, welche sich durch eine besondere ihr von mir gegebene Einrichtung auszeichnet, mittelst welcher die Kraft derselben auf eine sehr einfache Weise in der Form der Quantität oder Intensität in Wirksamkeit gesetzt werden kann. Man hat in den neuesten Schriften von diesen beiden Ausdrücken meist Umgang genommen, weil man die Ansicht gewonnen hat, dass die hierdurch bezeichnete Verschiedenheit in der Wirkung auf mathematischem Wege auf das Ohm'sche Gesetz zurückgeführt werden könne. Wenn nun auch wirklich gegründete Aussicht hierzu vorhanden ist, so glaube ich doch, dass diese beiden Ausdrücke beibehalten werden können, weil dieselben sehr gut das Wesen dieser beiden Zustände bezeichnen und auch in der Zusammensetzung der Säule ein Erklärungsgrund für sie aufgefunden werden kann. Bevor ich diesen auseinandersetze, will ich durch Beschreibung eines Versuches den Unterschied der Zustände, für welche diese Ausdrücke gebraucht werden, deutlich zu machen suchen.

Man denke sich in einem cylindrischen Gefässe von Glas einen amalgamirten Zinkstreifen und einen blanken Kupferstreifen, ohngefähr 3" lang und 1" breit, parallel und vertikal einander gegenübergestellt, ohne dass sie sich in einem Punkt berühren. An ihren oberen über den Rand des Gelasses herausragenden Enden sind Leitungsdrähte befestiget, deren freie Enden mit einem Multiplikator in Verbindung stehen. Giesst man nun Brunnenwasser in das Gefäss, so wird die Magnetnadel des Multiplikators in dem Maasse eine grössere Ablenkung zeigen, in welchem die Flüssigkeit in dem Gefässe steigt. Da nun die

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