Gewalt durch die Nasenlöcher schienend, und den Schlamm des Flußbettes auswühlend. Auch beim Nilpserd übernehmen einige Vögel den Liebesdienst, es von dem in dem aufliegenden Schlamm herbergenden Ungezieser zu befreien. Da ist der Regenvogel, der aus dem Riesenleib umherläuft und Jnsekten und Egel auspickt, und der Kuh r«iher, der ernsten Schrittes zu gleichem Geschäft aus dem Rücken des Ungeheuers einherspaziert.

Die Nilpserde sind geschickte Schwimmer und Taucher. Beim Schwimmen strecken sie nur den oberen Theil des Kopses aus dem Wasser. Sie nähren sich mit Vorliebe von den im Strome wachsenden Pflanzen, welche sie in colossaler Menge verzehren, indem sie aus dem Grunde des Flusses Wasserpflanzen weiden, wie andere Thiere das Gras aus den Tristen. Fressende Nilpserde gewähren einen Ekel erregenden Anblick. Nachdem sie von dem schlammigen Flußbett die Wasserkräuter losgerissen haben, erscheinen sie mit dem Kops über dem Wasser, und aus dem Maule hangen zu beiden Seiten die Gewächse heraus, und grünlicher Pflanzensaft träuselt beständig über die wulstigen Lippen herab. Dabei glotzen die Augen und die sußlangen Stoßzähne werden in ihrer ganzen drohenden Größe sichtbar.

Die Krast, mit der sich die Nilpserde im Wasser sortbewegen, ist eine enorme. Sie können mittelgroße Schiffe emporheben und zertrümmern. Als Capitän Owen mit der Untersuchung des in die Delageobai einmündenden Tombyflusses beschästigt war, erhielt das Boot von unten her einen so heftigenStoß, daß der Steuermann über Vord siel. Gleich daraus kam ein Flußpserd zum Vorschein, das mit weit geöffnetem Rachen gegen das Fahrzeug schwamm und mit einem einzigen, surchtbaren Biß sieben Seitenplanken losriß. Schon tauchte es wieder unter und wollte seinen Angriff erneuern, als es gelang, durch einen wohlgezielten Büchsenschuß das Uugethüm zurückzuschrecken. Glücklich rettete man auch den Steuermann und erreichte mit dem bereits sinkenden Boot das User.

Ein Thier, -welches einen Magen besitzt, der 5 bis 6 Büschel saßt, und sich eines immer regen Appetits ersreut, sucht sich auch aus unerlaubte Weise zu sättigen. Farmer, die in der Nähe der Flüsse ihre Anpflanzungen haben, wissen davon zu erzählen. Sobald die Schatten der Nacht sich herabgesenkt haben, kommen die Nilpserde aus dem Strom, um in die Anpflanzungen zu wandern, und verzehren hier nicht nur bedenkliche Quantitäten, sondern richten auch dadurch, daß sie wegen ihren kurzen Füßen den Bauch aus dem Boden schleppen, große Verwüstung an. Aus Erkenntlichkeit sür diese Besuche graben die Farmer Fallgruben, um dadurch die Thiere zu bleibendem Ausenthalt zu bewegen. Die Gruben sind mit einem starken, zugespitzten Psahl versehen, um diesen Thieren das Ausstehen zu erschweren. Groß ist die Freude, wenn ein Thier in eine solche Grube gerathen ist, denn nicht nur liesern die Stoßzähne ein geschätztes Elsenbein, sondern auch das Fleisch ist werthvoll und das Fell ist brauchbar sür Peitschen, Riemen u. dergl.

Man tödtet das Flußpserd auch mittels der Fallharpune. Der Jäger kundschastet einen Nilpserdpsad aus und hängt an einen darüberhängenden Ast die Fallharpune ans. Diese besteht aus einer mehrere Ellen langen, unten mit eiserner Spitze und Widerhaken versehenen und mit Steinen beschwerten Stange und wird durch ein Seil, welches über den Ast gezogen ist, gehalten. Das andere Ende des Seiles ist em einen Pslock besestigt, der gerade da eingeschlagen ist, wo das Nilpserd voraussichtlich seinen Weg nehmen wird. Der Jäger wartet aus einem nahen Baume der Entwicklung der Dinge. Nicht lange währt es, da kommt eines der ungeschlachten Thiere daher. Nichts ahnend rennt es mit seinem schweren Körper wider das Seil und den Pflock an, daß die schwere Harpune herabsaust und sich in den Rücken des erschreckten Thieres wühlt, das durch wüthendes Schütteln das Uebel nur noch ärger macht. Wohl schleppt es sich nach dem nahen Fluß; aber hier sindet der Jäger es bald todt aus dem Wasser treibend.

Die Jagd mit der Büchse ist nicht immer gesahrlos, da nur schwere Kugeln das Fell durchbohren und nur gewisse Stellen am Nilpserd eine tödtliche Verwundung ermöglichen. „Mit einem der Nilpserde," sagt Ruppel, „kämpften wir vier Stunden lang. Wenig sehlte, daß die Bestie unsere große Barke und mit ihr uns alle vernichtet hätte. Die 25 Flintenkugeln, in einer Entsernung von etwa süns Fuß aus den Kops des Unthiers abgeschossen, hatten nur die Haut und den Knochen bei der Nase durchbohrt. Alle anderen Kugeln waren in der Dicke der Haut stecken geblieben. Bei jedesmaligein Schnauben spritzte das Vieh reichliche Blutströme aus die Barke. Da bedienten wir uns endlich eines Standrohres, dessen Gebrauch uns in so kurzer Entsernung überflüssig erschien. Aber erst nach süns-seiner Kugeln, in einer Entsernung von wenigen Fuß geseuert, welche die schrecklichsten Verwüstungen in dem Kopse und dem Körper angerichtet hatten, gab der Riese seinen Geist aus. Die Dunkelheit der Nacht vermehrte noch das Schauerliche des Zweikampses. Derselbe hatte vier Stunden lang gedauert, und das vorher angeworsene Thier riß einen kleinen Kahn unter das Wasser, zerschmetterte ihn und schleifte das große Schiff an der Leine des Wursspießes nach Belieben hin und her."

Die Sudahnesen verwenden bei ihrer Jagd aus das Nilpserd die Harpune und die Lanze. Brehm berichtet darüber wie solgt:

„Etwa um Mitternaeht — nur an ganz menschenleeren Orten auch am Tage — schleicht der Spießwerser längs des Users bis zu einer Ausgaugsstelle der Thiere und versteckt sich hier im Gebüsch unter dem Winde. Kommt das Nilpserd erst nach seiner Ankunft aus dem Wasser, so läßt er es ruhig an sich vorüber gehen und harrt bis zur Rückkehr. Niemals greift man ein zu Lande gehendes Nilpserd an, sondern wartet stets, bis es, so zu sagen, wieder halb im Flusse ist. Dann schleudert der Jäger ihm die Harpune mit aller Kraft in den Leib und flieht in der Hoffnung, daß das über den Wurs erschreckte Thier sich in den Fluß stürzen werde. So geschieht es auch gewöhnlich, während das Ungethüm beim Heraussteigen ans Land immer seinen Gegner anzunehmen pflegt. Nach dem Wurse besteigt der Jäger mit seinen Gehülsen entweder sogleich oder am solgenden Morgen eines der bereit gehaltenen Boote und sucht das verwundete Thier, bezüglich das schwimmende Speerstangenende oder den Holzklotz aus. Sobald man diese Merkzeichen gesunden hat, rudert man hochst vorsichtig, mit bereit gehaltenen Wursspeeren und Lanzen herbei und nimmt nun die Leine aut. Beim geringsten Anziehen erscheint das Nilpserd in rasender Wuth an der Oberfläche des Wassers und stürmt aus das Schiff los, wird aber mit einem Hagel von Lanzen und Speeren empsangen, welcher es häusig zur Umkehr zwingt. Gleichwohl kommt es nicht selten vor, daß es die Barke erreicht und mit den Hauzähnen zerreißt. Dann haben die Jäger einen sehr schweren Stand und müssen sich eiligst durch Schwimmen und Tauchen zu retten suchen. Livingstone ersuhr, daß es, um dem Nilpserde unter solchen Umständen zu entgehen, das Beste sei, in die Tiese des Stromes zu tauchen und hier einige Sekunden zu verweilen, „weil das Flußpserd, wenn es einen Kahn zertrümmert hat, sich allemal nach dem Menschen umschaut, und, wenn es keinen bemerkt, davon geht"; mir hat man Aehnliches erzählt. Jm günstigeren Falle besteigt ein Theil der Jäger nach dem zweiten Angriffe aus den Flußriesen ein zweites Boot und sischt sich mit ihm das Ende einer zweiten Harpune aus. Nun wird das Ungethüm durch das schmerzerregende Anziehen der Harpunenleinen beliebig ost zur Oberfläche des Wassers herausgezaubert und ihm im Verlause der Jagd der breite Rücken derartig mit Lanzen bespickt, daß er wie der Pelz eines Stachelschweines aussieht.

Uebrigens silhrt man die Jagd nur dann mit einem Male zu Ende, wenn man Feuergewehre zur Versugung hat; im entgegengesetzten Falle läßt man den im Wasser natürlich viel stärkeren Blutverlust das Seinige zur Abmattung des Thieres thun und nimmt erst am solgenden Tage die Versolgung desselben wieder aus, da ja die schwimmenden Merkzeichen seinen Ausenthalt immer wieder verrathen. Ein glücklicher Lanzenwurs oder Stoß in das Rückenmark oder zwischen den Rippen hindurch in die Brusthohle bläst schließlich das Lebenslicht des sattsam gemarterten Thieres aus. Dann schleift man den Leichnam stromabwärts bis zur nächsten Sandbank, aus welcher er, nachdem er mit Tauen ans Land gezogen worden ist, zerlegt wird."

Das Flußpserd wird nur einmal in der heiligen Schrift erwähnt und zwar unter dem Namen Behemoth. Die betreffende, das Thier schars kennzeichnende Stelle sindet sich Hiob 40, 10 bis 19 und lautet: „Siehe, der Behemoth, den ich neben dir gemacht habe, srißt Heu wie ein Ochse. Siehe, seine Krast ist in seinen Lenden, und sein Vermögen im Nabel seines Bauches. Sein Schwanz strecket sich wie eine Ceder, die Adern seiner Schaam starren wie ein Ast. Seine Knochen sind wie vestes Erz, seine Gebeine sind wie eiserne Stäbe. Er ist der Ansang der Wege Gottes; der ihn gemacht hat. der greift ihn an mit seinem Schwerdt. Die Berge tragen ihm Kräuter, und alle wilden Thi'ere spielen daselbst. Er liegt gerne im Schatten, im Rohr und im Schlamm verborgen. Das Gebüsch bedeckt ihn mit seinem Schatten, und die Bachweiden bedecken ihn. Siehe, er schluckt in sich den Strom, und achtet es nicht groß; läßt sich dünken, er wolle den Jordan mit seinem Munde ausschöpsen. Noch sängt man ihn mit seinen eigenen Augen und durch Fallstricke durchbohret man ihm seine Nase."

Das Geschlecht der Tapire (?Iipl>l«; lapir8) bildet den Uebergang von den größeren Dickhäutern zu den kleineren, den Schweinen. Jhre Gestalt ist schon schweineartig, nur sind die Beine höher und krästiger. Der Kops trägt eine rüsselartig verlängerte Nase, die sreilich nur in geringein Grade an den Rüssel des Elephanten erinnert, und kleine tiefliegende Augen. Der Schwanz ist nur stummelhaft. Das kurz, aber dicht behaarte Fell liegt überall glatt aus. Die Füße sind vorn in vie r, hinten in drei Huse geschlossen.—Die Tapire kommen nur in Asien und Amerika vor.

Sonderbarer Weise ist der indische Tapir (?a^l>l<s incki<ms,- Inäian l'apir) erst im Jahre 1816 zu Malaeea entdeckt worden, während unser amerikanischer Tapir (TK/»i?-«s ame?-ica>n<s,^,ineii«un "lapir) damals schon zwei Jahrhunderte lang bekannt war. Der amerikanische Tapir, der in Brasilien, Gniana, Paraguay bis nach Peru vorkommt, erreicht die Große eines Esels. Die Färbung des Haarkleides ist ein schwärzliches Graubraun; Füße und Schwanz und die Mittellinie des Rückens sind etwas dunkler gesärbt. Aus dem Nacken steht eine kurze Mähne. Die Jungen sind mit lichten Flecken geschmückt, die später streisensörmig werden, sich aber am Ende des zweiten Jahres verlieren.

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Zler Tapir; l-apir.

Unsere Tapire sind Dämmerungstbiere. Den Tag verschlasen sie in den dichtesten und dunkelsten Partien der Wälder, und erst bei einbrechender Dunkelheit suchen sie nach Wassermelonen, Kürbissen, sastigen Baumblättern u. dergl. Sie lieben die Flußuser, denn sie haben «ine sonderliche Vorliebe sür das Wasser. „Wenn man", sagt der Prinz von Wied, „am srühen Morgen oder am Abend leise und

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