gewohnt war. Ausser verschiedenen äussern chronischen Uebeln bildeten gastrische etc. Fieber,. Lungen- und Brustfellentzündungen das Haupteontingent des Beleges. Die Agitation der Allopathen wuchs: sie veranstalteten Sitzungen und Berathungen, denn dieser abscheuliche Homöopath hatte sich erfrecht, einen Antrag auf Fortdauer seiner Behandlung einzureichen. Endlich, nach 3 Monaten, hatten die Gegner ihr Ziel erreicht, und von der Königlichen Statthalterei kam der Befehl, die weitere homöopathische Behandlung der Sträflinge zu sistiren, weil das Hospital ohne Erlaubniss der Statthalterei, also widerrechtlich eingerichtet sei, und weil die homöopathische Methode „schon ihrer Natur nach" für manche Krankheitsspecics nicht passe Wer Vergnügen daran findet, den Edelmuth der Allopathen in dieser Streitsache zu bewundern, erhält dazu Gelegenheit in der Allgemeinen homöopathischen Zeitung.')

In den vierziger Jahren wurden einem homöopathischen Arzte 2 Zimmer im Elisabeth-Krankenhause in Berlin behufs homöopathischer Behandlung überlassen, wovon sich derselbe nach einiger Zeit wieder zurückzog aus Gründen, welche nicht die Frage der Leistungsfähigkeit der Homöopathie betrafen.

In Folge einer Immediatvorstellung seitens ß Berliner homöopathischer Aerzte wurde diesen durch Ministerialrescript vom 10. September 1841 eröffnet, dass die Errichtung eines homöopathischen Hospitals mit 12 Betten auf Staatskosten für die Dauer von 3 Jahren bewilligt werden solle, unter der Bedingung, dass die Aufnahme der Kranken durch eine vom Ministerium zu ernennende Kommission stattfinden solle. Die (> Homöopathen wurden aufgefordert, einen geeignet scheinenden Arzt vorzuschlagen. Die Wahl traf Dr. Melichcr. Das Hospital kam nicht zu Stande. Melicher erklärte später aufrichtig, dass er selbst „wesentliche Schuld" daran trüge, weil die Zeit von 3 Jahren bei 12 Betten für eine so wichtige Entscheidung zu kurz, und nach den gemachten Erfahrungen den allopathischen Richtern keine Unparteilichkeit zuzutrauen wäre.2)

Aus welchem Grunde wol waren die allopathischen Rathgeber so sorgfältig darauf bedacht, dass durch sie die Aufnahme der Kranken erfolgen müsse? Warum genügte es ihnen nicht, dass sie jeder Zeit freien Zutritt in die Krankensäle hatten?

') Bd. 29. S. 97 u. f.

:) Allg. homöop Ztg. Bd. 33. S. 179.

Das sind die Prüfungen der Homöopathie am Krankenbette, von denen die Gegner behaupten, die Resultate seien ungünstiger gewesen, als bei der allopathischen Behandlung, und die Ohnmacht der Homöopathie sei dadurch hinlänglich erwiesen. Bei der äusserst feindlichen Stimmung liess sich schon von vornherein erwarten, dass die Allopathen das Uebergewicht der Homöopathie über die alte privilegirte „auf den Erfahrungen von Jahrhunderten beruhende" Medicin nie und nimmer zugeben würden.

„Die Homöopathie hat ihre Präponderanz vor andern Heilmethoden bei der Cholera nicht bethätigen können," erklärt 1833 der Anonymus in Wunder der Homöopathie (S. 47.).

Simon schreibt 1834'): „Die neue Behandlungsweise lieferte in Russland keine günstigeren Resultate als die alte."

In No. 11 der „Beobachtungen bair. Aerzte über die Cholera" 1832 erklärt Dr. W. Sander, dass die Homöopathie schlechtere Erfolge erzielt habe als die Methode mit Blutentziehungen und Brechmittel.

Prof. Hasper, der grosse Empfehler der „energischen Blutentziehungen" bei Cholera, macht 1832 bekannt: „Diejenigen Fälle, wo die homöopathische Methode in Anwendung gebracht worden, gingen am schnellsten in den Tod über."2)

Andere Kritiker, wie Stieglitz etc. drückten sich so aus: „Die Resultate der homöopathischen Heilweise kamen denjenigen der diätetischen Behandlung gleich." Da aber dieselben Kritiker die Blut- etc. Methode für heilbringender erklärten, als die diätetische, so war das Urtheil dasselbe, nämlich: Die Allopathie hatte bessere Erfolge bei Behandlung von Lungenentzündung, Brustfellentzündung, Masern, Scharlach, gastrischen Fiebern, Typhus, Ruhr, Cholera ete. als die homöopathische.

Nachdem der Blutdurst der Allopathen und die Liebhaberei für Brech- und Abführmittel sich gelegt, sind keine staatlichen Prüfungen der homöopathischen Erfolge mehr vorgenommen.

Heute wird auch von den Allopathen zugestanden, dass die damalige „rationelle" Behandlung schlechtere Ergebnisse hatte als die Natur allein. Lassen wir alle Schlüsse auf die positiven Re

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sultate der Homöopathie einmal bei Scito. Was folgt aus diesen angegebenen Thatsaehen?

Die Behauptung der Allopathen, dass die Homöopathie bei den angestellten Untersuchungen unterlogen sei. und keine besseren Resultate ergeben habe als die allopathische Behandlung, beruht auf offenbarer Unwahrheit.

Die Allopathie hat sich als höchst parteiische Richterin in dieser eigenen Angelegenheit erwiesen, und ihr Urtheil ist deshalb in Sachen der Homöopathie ohne jeglichen Werth.

Weiter: An zahlreichen Stellen haben die Allopathen die übrigens selbstverständliche Ansicht ausgesprochen, dass zur Beurtheilung einer Behandlungsmethode bei einer einzigen Krankheit einige Hundert Krankheitsfälle noch nicht genügten. Bei der Homöopathie haben sie für sämmtliche hundert und mehr Krankheitsformen zusammen nur einige Hundert Fälle nöthig gehabt, um ihren Wunsch erfüllt zu sehn, dass die Homöopathie wirkungslos sei. Wie schrieb doch Dr. Fischer in Dresden? (oben S 214.) „Wenn wir von homöopathischen Erfolgen hören, immer wünschen wir dann, dass es nicht wahr sein möge." Damit ist die allopathische Denkungsart bis heute bezeichnet.

Eine sehr charakteristische Beleuchtung allopathischer Taktik gibt Homer aus der Geschichte Englands in einer Broschüre: „Warum ich der Homöopathie den Vorzug gegeben."') Derselbe war früher Präses der aus mehreren 100 Mitgliedern bestehenden Provincinl medical and surgical Association zu Brighton. In einer Versammlung, in welcher er präsidirte, wurde beschlossen, dass fortan jeder Homöopath unwürdig sein solle, diesem grossen Verein anzugehören. Sechs Jahre später war Homer ans einem Gegner ein Anhänger der Homöopathie geworden. Er hatte nämlich erst nach jenem Beschluss sich praktisch mit der Homöopathie beschäftigt. Allmälig wurde er von deren Vorzüglichkeit auf das Schlagendste überzeugt, und war der Erste, an dem jene Beschlussfassung der Gesellschaft zur Ausführung kam. Homer war zugleich der älteste Arzt am Huller-Krankenhause, und er hielt es für seine Pflicht, auch seine Spitalkranken homöopathisch zu behandeln. Er wurde zur Niederlegung dieser Stellung gedrängt. Dieses Ereigniss erregte grosses Aufsehn, und seine genannte Reehtfertigungsschrift verbreitete sich durch England in wenigen Monaten in mehr als 90000 Exemplaren.

') Aus dem Engl. von Massiah. Sondershauseu 1800.

Homer erzählt darin: Bei der letzten Heimsuchung Londons durch die Cholera wurde auch der homöopathischen Behandlung ein Spital übergeben. Es ward ein ärztliches Gesundheitscomitc mit dom Präses des Royal College of Physicians an der Spitze in's Leben gerufen; sodann wurde ein sehr erfahrener allopathischer Arzt Dr. Macloughlin zum Inspector der Cholera-Spitäler angestellt, und die Listen unter fortwährender Aufsicht dieses inspicirendeu Arztes geführt. Das Gesundheitscomit«'', bestehend aus den ersten allopathischen „Autoritäten", dem die Regierung diese so höchst wichtige und heilige Angelegenheit anvertraut hatte, unterschlug mit Vorbedacht und Absicht den statistischen Rapport des homöopathischen Cholera-Hospitals. Dieser Rapport bezeugte, dass die homöopathische Behandlung eine viel günstigere war als die allopathische. Das Parlament verlangte aber eine vollständige Darlegung der Prüfungsergebnisse, und so drang der Vorzng der Hor möopathie in die Oeffentlichkeit.

- Der Gesundheitsrath fand sein einziges Entschiildigimgsmittel in einem Manifeste, welches folgende Worte enthielt: „Hütte man die Berichte der homöopathischen Ärzte mitgetheilt, so würde man ein empirisches System, welches gegen alle Wahrheit und Wissenschaft ist, auf unverantwortliche Weise unterstützt haben." Dass die homöopathische Statistik vollkommen mit der Wahrheit übereinstimmte, bestätigt der inspicirende, erfahrene Dr. Maelonghlin in seinem Bericht: „Alle die Kranken des homöopathischen Spitals, welche ich mit meinen eigenen Augen sah, waren wirklich von der asiatischen Cholera, in den verschiedenen Stadien derselben, befallen; ferner sah ich, dass verschiedene dieser Kranken, ich erkläre es ohne Zögern, die jeder anderen Behandlung unterlegen hätten, durch die homöopathische Kur genasen," und fügt hinzn, „wenn ich an der Cholera erkrankte, möchte ich lieber von einem Homöopathen als von einem Allopathen behandelt werden." Diese Dinge wurden vor dem Parlamente verhandelt und sind also nctenmässig festgestellt. Kein Gegner hat ihre Wahrheit anzutasten gewagt; man geht mit Vorsicht darüber hinweg.

Mit Recht schrieb der gewiss nicht homöopathisch gesinnte Geschichtschreiber Leupoldt') im Jahre 1863: „Es gilt noch immer, mehr und positiver auf die Homöopathie einzugehn und zwar vorerst noch immer weniger blos theoretisch als experimentell." Damit gesteht also dieser angesehene Geschichtschreiber ein. dass die Homöopathie auf dem einzig maassgebenden Gebiete der praktischen Beobachtung bis zum Jahre 1863 noch nicht genügend geprüft worden ist. Nach 1863 aber sind keine praktischen Prüfungen vorgenommen worden.')

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l) Geschichte der Medicin. S. 570.

Spätere Angriffe.

Desto eifriger ergriff man alle nur denkbaren Mittel, die Homöopathie als das Erzeugniss eines schlauen Betrügers, als eine jeden ernsten Strebens baarc „sogenannte Heilmethode," als einen auf die Spitze getriebenen, mit Sympathie und Mondseheincuren in eine Klasse zu setzenden Mysticismus hinzustellen. Die Streiter aus den dreissiger Jahren hatten dazu die Grundlage gelegt. In den ersten Deceunien achtete man noch die Verdienste Hahnemaun's aus früherer Zeit, und erinnerte sich ihrer mit Dankbarkeit. Eine Schrift, welche wie die heutigen, Hahnemann's Leistungen mit Hohn besprochen hätte, würde damals jedem Leser den Stempel des ungezügelten Parteihasses sofort gezeigt haben. Allmälig traten beim grosseu Publikum die Folgen des Calumniareandacter ein, das Andenken au die früheren Verdienste des Stifters der Homöopathie waren glücklich verwischt, und die Bahn war frei. In den Collegien, in medicinischen Schriften hatte man nur mehr Hohn und Spott für ihn; den jungen Aerzten wurde systematisch der grösste Widerwille gegen die Homöopathie eingeflösst.

Die politischen und belletristischen Blätter dienten natürlich der Majorität. Hier fanden die Allopathen den willkommenen, ungestörten Tummelplatz; hier drohte keine Entgegnung, keine Widerlegung selbst der ungeheuerlichsten Behauptungen;

') Welche Gesinnungen und Absichten die Gegner in Bezug auf die Homöopathie haben, zeigt neuerdings wieder in handgreiflicher Weise ein Vorfall in England. Ein Major V a egh am Morgan bot dem St. George-Hospital in London einen Beitrag von 25000 Doll. an, wenn fünf Jahre hindurch der Homöopathie ein entsprechender Platz in der Behandlung der Patienten eingeräumt werde, um durch eingehende Versuche den Werth oder Unwerth des Hahnemann'sdien Heilverfahrens sicher zu stellen. Das Anerbieten wurde abgelehnt und Morgan trat mit andern Hospitälern in Unterhandlung und zwar mit demselben Erfolg. Allg. homöop. Zeitung Bd. 107. S. 111.

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