über 800 000 M. und die Schülerzahl beziffert sich auf rund 9000 Köpfe. In den Volksschulen sind Schulbäder eingerichtet (die Kosten des ersten wurden von einem Karlsruher Bürger getragen); kränkliche Kinder werden zur Erholung in Ferienkolonien verschickt; an der Einrichtung einer städtischen Schülerkapelle sind etwa 90 Knaben beteiligt.

c. Schulen des Badischen Frauenvereins.

Frauenarbeitsschule, Gartenstr. 47. Vorsteherin: Josephine Mayer.

Haushaltungsschule des Friedrich-Stifts in Verbindung mit dem Heim für alleinstehende Damen; Leopoldstr. 55 bis 59;

Oberin: Lina von Gruben, Hausmeisterin: Luise Uartdegen.

Unterrichtskurse zur Ausbildung von Arbeitslehrerinnen,

Gartenstr. 45. Vorsteherin: Kath. Bedenk.

Luisenschule, Leopoldstr. 61. Hausmutter: Lina Briegleb.

KunststickereiSChuie, Linkenheimerstr. 2. Schriftführerin: Lisinka Thelemann.

Seminar zur Ausbildung von Haushaltungslehrerinnen,

Leopoldstr. 53. Vorsteherin: Mino Mayer.

Diese Schulen haben zusammen etwa 1600 Schülerinnen, wovon die weitaus grösste Zahl auf die Frauenarbeitsschule trifft.

d. Privatschulen.

Konservatorium für Musik, Sofienstr. 35, mit 33 Lehrkräften und 500 Schülern und Schülerinnen; Direktor: Prof. H. Ordenstein; gegründet 1884.

Allgemeine Musikbildungsanstalt, Ritterstr. 7, mit 30 Lehrkräften u. 370 Schülern u. Schülerinnen; Direktor: C Rübner.

Malerinnenschule, Westendstr. 65, mit 6 Lehrkräften und 60 Schülerinnen; Vorstand: O. Kemmer und M. Roman; gegründet 1885. Abteilungen: Gipsklasse, Figurenklasse, Landschaftsklasse, Blumen- und Stilllebenklasse.

Mädchengymnasium, Waldstr. 83, mit 19 Lehrkräften und 25 Schülerinnen; Leiter: Prof. K. F. Müller; gegründet 1893 vom Verein »Frauenbildungs-Reform«.

Viktoriaschule, Amalienstr. 35; 25 Lehrkräfte und 230 Schülerinnen; Vorsteherin: Elise Jüngst.

Institut und Fortbildungskurs Friedländer, Stefanienstr. 74;

22 Lehrkräfte, 90 Schülerinnen. Vorsteherin: Addy Vriedliinder.

Victoria - Pensionat, Kaiserstr. 241. Vorsteherin: Anna Schneemann.

Militär-Vorbereitungsanstalt für das Einjährigen- und

Fähnrichs-Examen, Kriegstr. 100; 13 Lehrer, 80 Schüler; Direktoren: W. Schmidt und B. Wiehl.

Privatvorschule für Knaben zur Vorbereitung für die Sexta der Gymnasien und Realschulen. Hirschstr. 46. C. Vater.

Ausserdem sind vorhanden eine Marthaschule, Leopoldstr. 22, Kleinkinderschulen, Lachnerstr. 8, Schwimmschulstr. 6, Waldhornstr. 57, Marktstr. 16 und Rheinstr. 13, Kindergärten,

Hirschstr. 36, Schützenstr. 24 und Zirkel 18, KleinkinderBewahranstalten, Erbprinzenstr. 12, Bahnhofstr. 56, Sofienstr. 52, Augustastr. 3, Grenzstr. 7, Luisenstr. 29, Sofienstr. 17, Steinstr. 29 und eine Kinderpflege, Durlacherstr. 32.

Die Aufzählung dürfte zur Genüge erweisen, dass man Karlsruhe den Namen einer Schulstadt nicht mit Unrecht gegeben hat.

V. Handel, Gewerbe und Verkehr.

Um diese Dinge war es in der jungen Residenz ziemlich lange schlecht bestellt. Handel und Gewerbe beschränkten sich auf das unbedingt Nötige, auf den eigenen täglichen Bedarf. Ein wesentlicher Aufschwung machte sich erst geltend, nachdem sich der allgemeine Verkehr in Folge der Eisenbahnbauten gehoben hatte, also in der Zeit um das Jahr 1840.

Vorher war man auf den Rhein und die Landstrassen angewiesen. Der nächste Rheinhafen war Schröck (das jetzige Leopoldshafen) und von dort aus ging der Speditions- und Kolonialwarenhandel über Karlsruhe in das Oberland, nach Württemberg etc.; eine der ältesten Firmen am Platze war Meerwein 6* Cie. Im Jahre 1800 traten an Stelle der Jahrmärkte die noch jetzt bestehenden zwei Messen. 1817 wurde eine städtische Mehlhalle mit Mehlmarkt eingerichtet. 1824 wurde das erste in Baden gewonnene Salz verkauft. Einer der ältesten Fabrikbetriebe war das Griesiach'sche Tabakgeschäft mit etwa 50 Arbeitern (1802). Eine von Leibmedicus Schrickel 1806 im Promenadewäldchen errichtete Glasfabrik wurde bald von hier verlegt. 1810 wurde eine Tapetenfabrik gegründet; 1813 sind ferner vorhanden eine Chaisenfabrik, eine Tuchfabrik, eine Bijouterie- und eine Spielkartenfabrik. Im gleichen Jahr wird eine Handelsstube in's Leben gerufen, die sich von 1820 ab Handelskammer nennt (die jetzige gleichnamige Einrichtung stammt aus dem Jahr 1863). 1831 bildet sich der noch heute bestehende Gewerbeverein. 1836 tritt die Kessler'sche Maschinenfabrik in's Leben (jetzt Maschinenbaugesellschaft) u. s. w.

Auch heute, bei vollständig veränderten Verhältnissen, kann sich Karlsruhe in Bezug auf Handel und Industrie mit der zweiten Hauptstadt des Landes nicht messen. Die günstige Lage Mannheims am Rheine und am Neckar ist ein gewaltiger Vorsprung. Das hat man in Karlsruhe schon frühzeitig begriffen und an Versuchen, die Stadt durch einen Kanal mit dem Rheine zu verbinden, hat es nicht gefehlt. Das 1818 besonders" lebhaft beratene Unternehmen ist aber erst in den allerletzten Jahren der Verwirklichung nahe gebracht worden. Inzwischen hat die städtische Verwaltung mit der von ihr 1861/62 gebauten Maxaubahn ein gutes Geschäft gemacht und ganz erhebliche Einkünfte erzielt. Diese Einkünfte mussten sich aber verringern in Folge des Baues der strategischen Bahn nach Röschwoog. Gewissermassen zum Ausgleich und weil das Hinterland an einem Karlsruher Hafen auch interessiert ist, teilt sich der Staat mit der Stadt in die Kosten der Kanal- und Hafenanlage. Wie weit diese, wenn erst fertiggestellt, den Aufschwung der Residenz fördern helfen wird, kann nur die Zukunft lehren. Der Weiterentwickelung ist einigermassen vorgearbeitet durch die im letzten Jahrzehnt erfolgte Anlage zweier grösserer Güterbahnhöfe. Der eine, der Rangierbahnhof am Durlacher Wald zwischen dem städt. Wasserwerk und Gottesaue hat mit seinen Lagerplätzen die ungefähre Länge von 2 km bei einer Breite von 200 m. Der andere, der Westbahnhof im Bannwaldgebiet ist vorläufig wesentlich kleiner, hat aber zweifellos in der Nähe des neuen Hafens seine Zukunft. Beide liegen am Südrande der städtischen Gemarkung in der Nähe vorhandener und entstehender Industriegebiete und die sie verbindende Bahnlinie bildet zunächst die Südgrenze der baulichen Stadtentwickelung.

Heute schon ist die Zahl der Handelsgeschäfte aller Art eine ganz bedeutende; ein Gang durch die Kaiserstrasse mit ihren hübschen Läden zeigt dies zur Genüge. Aber auch die Fabrikbetriebe haben sich in grossstädtischer Weise vermehrt. Über 1000 Arbeiter beschäftigen: die Eisenbahnhauptwerkstätte (Wielandtstrasse), sowie die Deutschen Waffen- u. Munitionsfabriken (Gartenstr. 67). Zwischen 1000 und 100 Arbeiter beschäftigen: die Maschinenbaugesellschaft (Beiertheimer

Allee 10), die Nähmaschinen- u. Ofenfabrik von Junker & Ruh (Sofienstr. 61/65), die Nähmaschinenfabrik Karlsruhe (vormals Haid & Neu, Karl-Wilhelmstr. 26), die Cementwarenfabrik von Dyckerhoff & Widmann (Wielandstr. 25), die Eisenbahnbetriebswerkstätte (Bahnhofstrasse), die Möbelfabrik der Gebr. Himmelheber (Kriegstr. 25), die Bauschreinerei von BiHing & Zoller (Wilhelmstr. 9), die Waggonfabrik von Schmieder & Mayer (Beiertheimer Allee 12), das Artilleriedepot, das städtische Gaswerk (Kaiserallee 11), die Parfumerieund Toiletteseifenfabrik von F. Wolff & Sohn (Durlacher Allee 31), die Eisengiesserei von Seneca (Falterstr. 2), die Chr. Fr. Müller'sche Hofbuchhandlung, Buch- und Steindruckerei (Ritterstr. 1), die Zigarrenfabrik von W. Rieger & Cie. (Rüppurrerstr. 54), die Fabrik versilberter Waren von Christofle & Cie. (Ettlingerstr. 23), die Glacelederfabrik

Mühlburg (vormals R. Ellstätter, Lameystr. 2), die Marmor-,

Granit- und Syenitwarenfabrik von Rupp & Möller (Durlacher Allee 29), die Karlsruher Werkzeug - Maschinenfabrik (vormals Gschwindt & Cie. , Ritterstr. 17) , die Färberei und

chemische Waschanstalt von Ed. Printz (Ettlingerstr. 67) u. s. w.

Ausser den kleinern Betrieben auf den vorgenannten Gebieten sind noch vorhanden eine Hadernsortieranstalt, Fabriken für Tapeten, Baubeschläge, Blechhüllen, künstliche Blumen, Christbaumschmuck, Dachpappe, Dünger, elektrische Apparate, Essig und Senf, Herde und Kassenschränke, Knöpfe, Kanalartikel, Kartonagen , Konserven , Malz , Mineralwasser und Maschinen zu dessen Erzeugung, Pauspapier, Parketten und Leisten, Schirme, Schlösser, Wagen etc.

Von den 12 vorhandenen Brauereien arbeiten die meisten mit Grossbetrieb und ganz erheblicher Leistungsfähigkeit

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