von den neuropathischen Dermatonosen sich aufbaut. Besonders werden Bedeutung und Functionen des 8 y m path ¡cus, des Regulators und durch seine Verbindungen mit dem Cerebrospinalsystem auch theilweise Motors des vegetativen Lebens, durch eine Menge physiologischer und pathologischer Daten erläutert. Die Existenz selbständiger trophischer Nervenfasern hält Verf. mit Samuel, Charcot u. A. für ein nothwendiges Postulat; dass dieselben neben den vasomotorischen (vasoconstrictorischen und vasodilatatorischen) Fasern ihr Centrum in der Medulla und den Ganglien des Sympathicus finden, sei mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen. — lu diesem ersten Abschnitt wird ferner kurz recapitulirt, was über die verschiedenen Qualitäten der Hautsensibilität und über die Methoden zur Untersuchung des Orts-, Temperatur- und Drucksinns bekannt ist. Aus den Erörterungen über die Reflexthätigkeit der Haut heben wir besonders den Hinweis auf die Wichtigkeit der zwischen dem cerebrospinalen System einerseits und dem sympathischen andererseits möglichen reflektorischen Beziehungen hervor. In einer derartigen reflectorischen Wirkung sei u. A. die Erklärung für die durch Ingesta des Magens oder durch Medicamente veranlassten Exantheme, manche Formen von Erythemen und Urticaria, ferner für die durch Affectionen in der Genitalsphäre verursachten Veränderungen in der Pigmentirung der Haut (Chloasma uterinum, gravidarum), für den Pruritus und Pemphigus hystericus, für die bei der Menstruation auftretenden akneförmigen und ekzematösen Erkrankungen zu suchen. Die neuropathiechen Hautaffectionen, deren Besprechung den Inhalt des zweiten Theiles der Arbeit bildet, sind von dem seitens des Verf. vertretenen theoretischen Standpunkt aus einzutheilen in 1. vasomotorische, 2. trophoneurotische, 3. idioneurotische. Bei den vasomotorischen Dermatonosen werden reine Formen und Misch formen von einander unterschieden. Erstere stellen keine eigentlichen Hautkrankheiten dar, sie rufen nur Symptome auf der allgemeinen Decke hervor, und zwar in der Regel entweder kurzdauernde congestive, oder durch vorübergehende Neurosen der Hautgefässe veranlasste angiospastische Erytheme. Als Cardinalsymptom der reinen, je nach der peripher oder central wirkenden Ursache partiell oder universell auftretenden Angioneurosen gilt die circumscripte Hyperämie der Haut, der Lyperämische Fleck, doch kann ein cutaner Arteriospasmus auch circumscripte Anämie bedingen. Ernährungsstörungen ziehen die reinen Angioneurosen, selbst bei noch so langem Bestehen, niemals nach sich. — Im Gegensatz zu ihnen stellen sich die auf einem höheren Grad von Gefässalteration beruhenden angi о neuro tischen Mise h formen als wahrhafte Affectionen der Haut mit längerdauernder Veränderung auf der allgemeinen Decke dar. Es ist schwierig, die Grenze zwischen ihnen und den reinen Trophoneurosen zu ziehen, doch tritt bei dem hierher gehörigen Erythema angioneuroticum und der Urticaria jedenfalls die Gefässalteration erheblich stärker in den Vordergrund, als die trophische Störung. Unter die Rubrik Erythema angioneuroticum fallen Hebra's Erythema exsudativum multiforme, das Fiebererythem, das Erythem der Variola, der Scarlatina und der Morbillen; ferner die Arzneiexantheme, gewisse, bei Erkrankungen der Genitalsphäre auftretende Erythemformen, wahrscheinlich auch das „dem Erythema exsudativum verwandte, nach der ätiologischen Seite jedoch nicht leicht zu deutende" Erythema nodosum. Das ausserordentlich umfangreiche Gebiet, welches Schwimmer für die Trophoneurosen, oder, wie er sie noch lieber nennen möchte, für die Trophopathien der Haut reclamirt, setzt sich zusammen aus Entzündungsprocessen mit oder ohne Efflorescenzbildung, aus Hämorrhagien und Geschwürsprocessen, ferner aus Volumsveränderungen der Gewebe, Neubildungen und Texturerkrankungen der Haut und ihrer Anhangsorgane. — Vom klinischen Standpunkt werden diese Affectionen folgendermaassen geordnet: I. Trophoneurosen des Cutisgewebes: 1. Flächenerkrankungen (Erythema trophoneuroticum, Glossy skin, Dermatitis neurotica); 2. Knötchenerkrankungen (Ekzem, Prurigo, Liehen); 3. Bläschen- und Blasenerkrankungen (Herpes und seine Abarten, Miliaria, Pemphigus); 4. Gefässaffectionen (Purpura, Naevi vasculares, Acne rosacea); 5. Ulcerationen (central bedingt: Decubitus acutus, symmetrische Gangrän der Extremitäten [Raynaud]; peripher bedingt: Malum perforans pedis). II. Trophoneurosen des subcutanen Bindegewebes: 1. Oedem, 2. Elephantiasis Arabum. III. Constitutionelle Trophoneurosen: 1. Die Sclerodermie, 2. die Atrophie der Haut, 3. das Myxödem, 4. die Lepra, 5. die Ichthyosis. IV. Trophoneurotische Neubildungen (Neurom, Neurofibrom). V. Trophoneurotische Pigmentanomalien: a) Pigmentvermehrung (Morbus Addisonii), b) Pigmentschwund (Vitiligo). VI. Trophoneurosen der Anhangsorgane der Haut: 1. Anomalien der Schweissdrüsensecretion; 2. trophoneurotische Haarerkrankungen (Alopecia areata, Trichorhexis, Canities); 3. trophoneurotische Nagelaffectionen. Nicht für alle in dieses Schema eingereihten Dermatonosen wird eine Erkrankung des Nervensystems als das alleinige, wenn auch stets als ein wesentliches pathogenetisches Moment betrachtet. Von neuen anatomischen Thatsachen, die der Beweisführung zu Grunde gelegt sind, wären vor Allem die Obductionsbefunde zu erwähnen, die Verf. in zwei Fällen von Pemphigus erhielt. In dem ersten dieser Fälle (13. Beobachtung, S. 148), einem Pemphigus vulgaris haemorrhagicus, bei welchem der Tod unter colliquativen Erscheinungen erfolgte, wurden erhebliche Veränderungen der Medulla spinalis nachgewiesen, obschon intra vitam Symptome eines Rückenmarksleidens vollkommen fehlten. Im zweiten Falle (14. Beobachtung, ebenda) handelte es sich um einen Blasenausschlag, der bei einem an Myelitis ascendens leidenden, zuletzt paraplegischen Patienten entstanden war. Die histologische Untersuchung (Dr. Babes) hatte ein sehr ähnliches Ergebniss, wie in dem vorigen Falle: Sklerose der hinteren Wurzeln, Verdichtung der Goll'schen Stränge, stellenweise Atrophie der Vorderhörner. Auch die Besprechung der Atrophia cutis universalis (Kaposi's Xeroderma) knüpft an einen zur Obduction gekommenen Krankheitsfall an. Prof. Scheuthauer fand eine ungewöhnliche Derbheit des Gehirns im Allgemeinen, daneben auch einzelne zerstreute, auffällig consistente bohnengrosse Herde. Ob die in demselben Falle constatirte Sklerosirung der Hautnerven zu den Ursachen oder zu den Folgen des Verdichtungsprocesses in der Cutis zählt, läset sich nach unserem Dafürhalten nicht entscheiden. Ueberhaupt hat es seine Bedenken, den anatomischen Nachweis einer Altera

tion der innerhalb des erkrankten Hautbezirks verlaufenden Nerven zur Begründung des neurotischen Ursprungs dieser oder jener Dermatonose zu verwerthen. (Vgl. die von 3chwimmer citirten Angaben Colomiatti's, Leloir's und D6jerines' über Degeneration der Hautnerven bei Ekzemen, Vitiligo und Ichthyosis.) Als dritte Klasse der neuropathischen Affectionen werden diejenigen Functionsstörungen im Bereiche der cutanen Nervenausbreitungen abgehandelt, welche sich weder mit Ernährungs-, noch mit Wachsthumsanomalien der Haut vergesellschaften: Die Hyperästhesie (Hyperalgie, Parästhesie, Pruritus) und Anästhesie (resp. Analgesie). Verf. acceptirt für diese Sensibilitätsstörungen der Haut den von Auspitz gewählten Namen „Idioneurosen".

Besonderes Interesse dürfen die therapeutischen Bemerkungen des erfahrenen Autors beanspruchen. Sie gipfeln in dem Satze, dass eine rationelle Heilmethodik bei der Behandlung der Neuropathien auf das Centralgebiet jener Nerven einwirken müsse, welche die Blutvertheilung auf der allgemeinen Decke und die Ernährungsvorgänge derselben beherrschen; von dieser „ physiologischen" Therapie könne man heute schon sagen, dass sie sich oft nützlich zeigt, wo uns die empirische im Stiche gelassen hat, und auch da oft bewährt, wo sie von vorneherein versucht wurde. So erzielte die Elektricität (Galvanisation des Sympathicus durch Sympathicus-Rückenmarkströme) überraschende Erfolge bei der Behandlung des universellen Skierems (vergl. die 18. Beobachtung, S. 184); nützlich zeigte sie sich auch mitunter bei der Alopecia areata, der Atrophie der Haut und dem Herpes zoster. — Von medicamentösen Heilmitteln kommen in Frage: Atropin, Pilocarpin, Ergotin und Arsenik. Der erstgenannte Stoff erwies sich vortheilhaft (in Tagesdosen von event. 3, selbst 4 Mgrm.) bei localer und allgemeiner Hyperidrosis, sowie bei hartnäckigen Formen der Urticaria. Die Versuche des Verf. mit Pilocarpin erstreckten sich auf vielerlei Affectionen, doch war das Ergebniss derselben nur bei Prurigo (vergl. Simon, Berliner klin. Wochenschrift. 1879 und Pick, Vierteljahrschrift für Dermat. u. Syph. 1880) zufriedenstellend. Dosirung: Innerlich (in Tropfenform) 0,02 — 0,04 pro die; subcutan 0,01, 1—2mal täglich. Ergotin, dessen therapeutischer Effect übrigens eher von seiner Einwirkung auf das vasomotorische Centrnm, als von einer örtlichen Contractionswirkung abzuleiten sei, wurde nach dem Vorgange von Rossi, Lombroso und Lewin in einer Reihe von Ekzem- und Pruritusfällen angewandt. Bei ersteren glaubt Verf. eine raschere Involution wahrgenommen zu haben, er konnte jedoch nicht immer der örtlichen Behandlung entrathen; bei der Prurigo war die Heilwirkung wechselnd, am günstigsten bei massiger Erkrankung, während das Mittel in den schwersten Formen ganz im Stiche Hess. Brauchbar erwies sich Ergotin ferner für die Behandlung des Pemphigus vulgaris und vorzüglich wirkte es in Fällen von Angioneurosis spastica mit Erythembildung. Eine Tagesdosis von 1 Grm. wurde von Erwachsenen selbst Wochen hindurch gut vertragen. — Was endlich den von Alters her in der Behandlung der Hautkrankheiten vielfach und mit Recht empfohlenen Arsenik anbelangt, so wird seine Bedeutung als „Nerventonicum" auf Grund der Erfahrungen von Hunt, Wilson, Schiff u. A. eingehender gewürdigt. Wir haben uns bemüht, im Vorstehenden den Grundriss der Schwimmer'sehen Arbeit kurz zu skizziren; aus ihrem reichen Inhalt konnten wir nur Bruchstücke zur Kenntniss des Lesers bringen. Es sei hinzugefügt, dass das Studium der Einzelheiten uns den Verf. durchaus auf der Höhe seiner ungewöhnlich schwierigen Aufgabe zeigt. Wohnt auch, wie das in der Natur des Themas liegt, der Beweisführung eine absolut überzeugende Kraft nicht überall inne und lässt sich auch darüber discutiren, ob es zweckmässig war, die Grenzpfähle des Gebietes der neuropathischen Dermatonosen so weit hinauszurücken, als dies von dem Verf. geschehen ist, so wird man seinen anregenden Ausführungen doch stets mit grossem Interesse folgen. Dieselben zielen übrigens, was ausdrücklich betont werden muss, vielfach nur darauf ab, die vorgetragene Auffassung als möglich, nicht, sie als die allein mögliche hinzustellen, und aus der Reserve, mit welcher der Autor seine Conclusionen zieht, geht hervor, wie sehr er sich dessen bewusst ist, dass ein neubeackertes Feld nicht lauter gezeitigte Früchte tragen kann. Auch der der Arbeit beigefügte Entwurf eines Systems der Hautkrankheiten bringt die in dem Werke selbst entwickelten Grundsätze nicht schroff zum Ausdruck, sondern begnügt sich damit, an dieselben anlehnend, eine vermittelnde Stellung zwischen dem pathologisch-anatomischen und einem blos neuropathologischen Standpunkt einzuhalten. Die nähere Besprechung des Sch wimmer'schen Systems muss den dermatologischen Fachschriften vorbehalten bleiben. Dass der sonstige Inhalt des Buches keineswegs speciell für einen in der Dermatologie geschulten Leserkreis bestimmt ist, geht wohl aus dem obigen Referate hervor. Gerade die interne Medicin wird von den Ergebnissen der Sch wimmer'schen Untersuchungen gerne Act nehmen und den mitgetheilten neuen Thatsachen eine vorurtheilsfreie Prüfung angedeihen lassen. So sei denn das Studium des gehaltvollen Werkes, für dessen vortreffliche äussere Ausstattung die Verlagshandlung von Urban und Schwarzenberg in gewohnter Weise gesorgt hat, den Lesern dieses Archivs bestens empfohlen. r. Michelson, Königsberg i. Pr.

XVII.

Oscar von Schüppel. Nekrolog. Am 26. August 1881 starb in dem Bade Serneus Oscar von Schüppel, Professor der pathologischen Anatomie zu Tübingen. Ein Leben reich an Arbeit und Entsagung fand seinen nur zu frühen Abschluss, ein Mann schied, dem das Schicksal vollen Lohn für mühevolle Jahre verweigerte. Oscar Schüppel wurde am 10. August 1837 in Dresden geboren; dort lebte sein Vater als Wirthschaftssecretär. Man muss die hervorragende Befähigung des Knaben früh erkannt haben, denn er gewann seine Schulbildung auf dem Vitzthum'schen GeschlechtGymnasium, der Anstalt seiner Vaterstadt, welche nur den höheren Klassen der Gesellschaft, oder dem bevorzugten Talent zugänglich ist. — Es folgte das Studium in Leipzig, wo Schüppel, bei den Brüdern Weber Jahre hindurch als Famulus thätig, reiche Gelegenheit zu eingehenden anatomischen Studien fand. Nach den Staatsprüfungen wurde die Assistentenstelle am pathologischen Institute dem jungen Doctor übertragen; zuerst unter Bock, dann unter Wagner war er bis zu seiner Berufung nach Tübingen — 1867 — dort in Wirksamkeit. In der neuen Tübinger Stellung galt es nicht nur persönlich festen Fuss zu fassen, auch für das von ihm vertretene Fach musste Schüppel sicheren Boden schaffen. Die pathologische Anatomie war, wenigstens äusserlich, in Tübingen noch nicht ihrer ganzen Bedeutung nach gewürdigt. Wohl hatte Liebermeister einige Zeit vorher als „Prosector der pathologischen Anatomie", wie der officielle Titel lautete, Bahn gebrochen, allein nach dessen Fortgang stockte die kaum begonnene Umgestaltung. Schüppel musste aufs Neue anfangen. Ein kleines Material, die Sammlung kaum nennenswerth, dürftige Räumlichkeiten, unter den Studirenden keine Tradition, keine äussere Nöthigung, sich eingehender mit der patho

Deutsches Archlv f, klin. Medloin. XXXII. Bd. 27

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