Wie und wann will ich einmal mit rechtem Ernste daran gehen, diesem Ziele thätig nachzustreben? Nach solchen Nachfragen sollen sodann auch jedesmal ihnen entsprechende Entschließungen oder Vorsätze gefaßt; aber auch im Andenken festbehalten, und so viel möglich durchge» setzt werden. Dieses Letztere vorzüglich gibt jedesmal den Ausschlag uber die wirkliche Güte erbauender Betrachtungen. §. 108.

Der öftere und fromme Besuch des öffentlichen Gottesdienstes, als Beförderungs - Mittel der Tugend oder sittlichen Vollkommenheit.

Der Mensch soll von Tag zu Tag Gott, seinen Schöpfer und Vater je mehr und mehr erkennen lernen ^ er — soll sich immer bekannter machen mit dem guten Vater - Herzen Gottes, mit allem dem, was Gott von Anbeginn her Großes und Gutes an der gcsammten Menschheit, wie an den einzelnen Jndividuen derselben, aus freier Güte und mit der edelsten Absicht schon

wirklich gethan hat; . was er täglich noch mit jedem Augenblicke an ihnen thut; ^ was er noch künftig an ihnen zu thun vor hat, seinen unfehlbaren Verheißungen zufolge, die er der Menschheit feyerlich gemacht hat von Zeit zu Zeit.

Nebst dem soll der Mensch ferner auch, seiner bessern Kenntniß gemöß, Gott, seinem Schöpfer und Vater und ewi» gen Wohlthäter bei jeder s.chicklichen G«legenheit die höchste Ehrfurcht, die höchste Achtung erweisen wie es dem erhabenen Wesen Gottes wirklich gebührt. Je» den leisesten Wink von Gott soll er, aus wirklicher Ehrfurcht und Hochachtung, mit der promptesten Bereitwilligkeit, mit der sorgsamsten Treue, mit der freudigsten Munterkeit bcfol» gen, mit der aufrichtigsten Liebe Gott anhängen alle die Tag« seine« Lebens, und mit der kindlichsten Zuversicht ihm die ganze Leitung seiner freudigen und widrigen Schicksale anvertrauen und überlassen.

Jn allem, was man je Gut nennen mag in der Welt — in allem soll der Mensch nur das höchste Gute, Gott, ansehen, verehren und anbeten lernen. ,

So gestimmt gegen Gott sollte stets jeder Mensch seyn, jenem Verhältnisse oder Verband gemäß, worin er mit Gott steht. Eine solche Stimmung gegen Gott ist die Grundlage, das Grundwesen aller wahren Gottesverehrung, Religion genannt. ,

Eine solche Stimmung gegen Gott, wenn er sie wirklich in sich trägt, soll er nicht,immer im Stillen, und bei sich behallen, er soll sie hier und da auch bei Gelegenheit äußerlich an den Tag . legen vor seinen Mitmenschen. Jn Sorten und Thaten soll er es auch dieftn zu erkennen geben: ^ was er selbst von Gott glaube, was er auf Gott halte, , , wie sehr er Gott in herzlicher Liebe zugethan sey,

was er Gutes von Gott erwarte, u. s. w.

Wir Menschen sind überhaupt so beschaffen, daß wir uns nicht so ganz allein trauen, weder in unserer Denkart, noch auch in unscrm Handeln. Erst wenn wir unsere eigene Denkart und Handlungsweise auch bei Andern, und von den Andern bestättiget, sinden; so sinden,wir uns beruhiget, und darob versichert, daß wir selbst richtig daran sind. Dieses ist nicht bloß, wie Einige so gern zu glauben geneigt sind, bei ungebildeten, rohen und gemeinen Leuten so — es ist ein allgemeines Bcdürfniß. Daher ist die Behauptung gewiß nicht übertrieben, wenn gesagt wird: daß es zu äußerlichen Religionsübungen eine allgemeine Pflicht gebe.

Wer sich weigert, aus was immer für einem Grunde, seine innere gute Stimmung gegen Gott vor seinen Mitmenschen an den Tag zu legen; der ist ein Verächter der Menschheit — er entziehet den Andern ein vorzügliches Mittel, so viel an ihm ist >

ihren Glauben an Gott, , ihre Liebe und Anhänglichkeit an Gott, iht Vertrauen auf Gott,' welche für sie immer heilige und ehrwürdige Dinge sind, und stets bleiben müssen, an seiner geaußerten Denkart und Hand» lungsweise bewähren, und bestärken ZU können.' , Legt nun ein Mensch hier und da seine innere gute Stimmung, die er für Gott hat, in einem dahin passenden oder geeigntten Betragen dar vor seinen Mitmenschen: und thut er dieses rein in der Absicht, damit auch diese zu einer ahnlichen guten Stimmung gegen Gott, und zu einem ahn» lichen schicklichcn Betragen möchten veranlasset und erwecket werden; so übt er in der That und Wahrheit das aus, was man die äußerliche Gottesverehrung, oder Religion zu nennen pflegt. Auch thut er zugleich der Menschheit einen großen Dienst damit, indem er zu ihrer Erbauung beiträgt. .

Er erhält aber auch von den Andern den nämlichen Dienst wieder entgegen. Denn auch diese legen ihm ebenfalls ihre gute Stimmung, die sie für Gott in ihrem Herzen tragen, vor dse Augen. Und so wird die Erbauung wechselseitig. Die Beispiele der Hoachtung und Verehrung, welche man so ein» ander wechselweise gibt, müssen um so kräftiger wirken, ji mehr man von einander weiß und versichert ist: daß es nicht bloß leere, gedankenlose Grimasse sey, was man ein» ander unter die Augen vormacht; sondern daß es einng de« reine und wahre Ausdruck der innern guten Stimmung für Gott, der wirklichen' Hochachtung und Verehrung sey. So wird die Uebung der äußerlichen Gottesv^rehrung ein wahres Besörderungsmittel der Tugend oder sittlichen Vollkommenheit.

z. l«9.

Zusammenfassung des bisher Gesagten. Aus dem, was bisher über äußerliche Gottesverehrung gesagt worden ist, leuchtet hervor: was und wozu vorzüg, lich die äußerlich« GottesVerehrung sey: auch wann und wie sie geübt oder angebracht werden soll.

Die äußerliche Gottesverehrung ist die redlichste und reinste Darstellung der innern Hochachtung und Verehrung, der in» nern guten Stimmung, die man für Gott hat, vermittelst passender und dahin geeigneter Handlungen, Gebehrden, Cere» monien u. f. w.

Sie ist dazu, um einander wechselseitig zu ähnlich guter Stimmung für Gott, zu ähnlichen Aeußerungen der Hochach» tung und Verehmng aufzuwecken — darin einander zu be» stärken und zu beleben.

Eben in dieser Hinsicht hat man, besonders bei allen kultivirten Nationen gewisse Tage, an welchen man zu» sammen kommt, gewisse Orte, Gebäude, in welchen nian zusammen kommt, um einander gemeinschaftlich zu erbauen durch Uebungen der äußerlichen Religion. Erfodern e« nun die Zeiten und Umstände, daß man neben den An» dein in solchen Versammlungs-Orten erscheine; so soll man, ohne besondere Noth wenigstens davon nicht hinwegbleiben. Denn dieses Letztere würde sodann für jeden Fall eine Art von nicht gemeiner Oeringachtung und Verschmähung für die Andern s«yn. Man will nämlich den Andern keine Erbauung gewähren, und erklärt sie, so zu sagen, öffentlich für zu gering, um an ihnen eine Erbauung nehmen zu wollen. Beides kann nicht wohl anders als beleidigend seyn für die Andern.

So oft man sich nun an dem gemeinschaftlichen Ver» sammlungsort neben den Andern einsindet; so lege man da jedesmal auf die schicklichste Weise seine innere gute Stim» mung, welche man für Gott hat, dar — seine innere Hochachtung und Verehrung, seinen Glauben, seine Liebe, sein Vertrauen, seine völlige Ergebenheit gegen Gott, da« Höchste und Beste aller Wesen. Wollten dieses nun einmüthig Alle thun, so wie es wirklich für Alle Pflicht, heilige Pflicht ist; so würde man bald sehen: welchen wohlthätigen Einfluß, und welche gute Erfolge die äußerliche Gottes-Verehrung f'ir die Menschheit, und für ihr sittliches Benehmen oder Verhallen haben müßte.

Die Anhörung des öffentlichen religiösen Unterrichtes, als Beförderung-Mittel der Tugend.

Dieses Beförderungs-Mittel betreffend will ich hier bloß ein Wort sagen:

1. über die Wichtigkeit des öffentlichen, religiösen Unter» richtes:

2. über die besondern Vortheile desselben:

3. über die rechte Weise, wie dieser Unterricht angehört und benutzt werden soll.

§. 11«.

Wichtigkeit des öffentlichen religiösen Unterrichtes.

Wie es vor Christi Ankunft in der Welt, und um die Menschheit stund in sittlich - religiöser Hinsicht (oas Große des menschlichen Geschlechtes ist hier gemeint) das ist aus der Geschichte des Alterthumes, aus den Urkunden der damaligen Zeit insbesondere allgemein bekannt.

Der Apostel Paulus beschreibt uns den Zustand der Welt zu seiner Zeit mit kurzen zwar, aber ausdrucksvollen Motten auf folgende Art Röm. z, io — 19:

„Einen Gerechten giebt es gar nicht," sagt dieser Apostel.

„Es giebt gar Keinen, der Verstand hätte, und Got^ „suchte."

„Alle sind abgewichen vom rechten Wege; unnütz sind sie „alle geworden: es sindet sich Keiner, der gut thun wollte,' „nicht ein Einziger." ......

- „Jhr Mund ist, wie ein offenes Grab. Mit ihrer Zun„ge handeln sie betrüglich."

„Jhr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit."
«Jhre Füße eilen zu Blut-Vergiessen."

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