zu keiner der vorher besprochenen, es ist mir aber doch wahrscheinlich, wenn ich auch keine Gewifsheit darüber habe, da ich eine weitere Entwickelung derselben nicht beobachten konnte, dafs aus ihr ein Wurm wird.

Aufser diesen freischwimmenden Annelidenlarven habe ich noch mehrere junge Röhrenwürmer untersucht, die sich ganz in der Art und Weise verhielten, wie sie Milne Edwards dargestellt hat; nur von einem gebe ich eine Abbildung auf Tafel XI, Fig. 7. Dieses Thier, welches schon ziemlich weit entwickelt ist, gehört dem Mittelmeere an; seine glashelle Röhre, welche in unserer Figur, um Raum zu ersparen, nicht vollständig gezeichnet ist, mifst gegen zwei Linien; nach unten endet sie spitz, nach oben mit einer weiten, fast circulären Oeffnung. Der Körper ist im Ganzen oval, verschmälert sich aber nach hinten bedeutend: das Kopfstück a ist rundlich, in der Mitte des vorderen Randes jedoch durch eine kleine Incisur in zwei Lappen getheilt; über seine ganze Oberfläche geht ein Bezug von sehr kurzen, feinen Flimmerhaaren; am vorderen Theile desselben befinden sich drei Stirnfortsätze, ein gröfserer b in der Mitte, und zwei kleinere zu den Seiten, welche alle dieselbe aus runden Zellen bestehende Struktur zeigen. Ihr äufserer Rand besitzt dieselben kleinen Wimperhaare als das Kopfstück; aufserdem stehen aber diese noch in einer Excavation, welche in der Mitte des unteren Theiles der Stirnfortsätze sich befindet und in der Gegend des freien Endes derselben spitz endigt. In unserer Figur ist diese Stelle durch die hellere Färbung leicht kenntlich; hier stehen die kleinen Cilien jederseits am Rande dieser Rinne in einer Reihe und gehen am spitzen Ende derselben in einander über. Etwas weiter nach hinten kommen von der unteren Seite unter dem Kopfstücke zwei kurze runde Mundfühler zum Vorschein, welche ebenfalls wimpern (c). Der der linken Seite ist in unserer Figur ganz ausgestreckt, der der rechten Seite ist nur theilweise sichtbar. An dieser Stelle geht auch das Kopfstück nach einer leichten Einschnürung in den eigentlichen Körper über: dieser ist in dem ersten Theile seines Verlaufes bis zu dem ersten Borstenpaare ganz gleichmäfsig, und bis zu diesem geht auch der Ueberzug der zarten Flimmerhaare. Auf der Rückseite stehen hier zwei sehr unscheinbare schwarze Augenpunkte d.

Jetzt folgen acht undeutliche Leibesringe, welche dadurch gebildet werden, dafs an den Stellen, wo die neun Borstenbüschel jederseits auftreten, sich ein kleiner Höcker befindet, und dafs zwischen je zwei von diesen der Körper leicht eingebuchtet erscheint. Die Borsten selbst (l) sind noch einfache lineare Stacheln; unter jedem Büschel befindet sich aber noch ein Cirrus (h), welcher eingezogen und ausgestreckt werden kann. In Fig. 7 a ist ein solcher stärker vergröfsert dargestellt: wir sehen, wie auf den rundlichen Körperansatz ein schmalerer Stiel folgt, auf dessen freiem Ende ein rundlicher Knopf aus härterer Substanz steht. Dieser Knopf (Fig. 7ß) ist nach unten mehrfach ausgezackt, so dafs dadurch der Cirrus besser geschickt wird, dem Thiere beim Auf- und Absteigen in der Röhre zu dienen.

Von der Stelle an, wo das letzte Borstenbüschel sich befindet, verschmälert sich der Körper sehr, und geht nun in einen dünnen Fortsatz über, welcher nach hinten mit zwei spitzen Zapfen endigt, zwischen welchen wieder Wimperhaare stehen. Der letzte borstenlose Körpertheil ist übrigens in neun sehr deutlich ausgesprochene Ringe getheilt.

Der Darmkanal ist schon etwas complicirter, als bei unseren früheren Larven; er beginnt mit dem Munde, welcher unter dem Kopfstücke a, gerade zwischen den beiden Fühlern c, liegt. In unserer Figur ist er jedoch wegen der Undurchsichtigkeit dieser Theile nicht zu sehen. Auf den Mund folgt ein langer, schlanker Oesophagus/, welcher in einen schlauchförmigen Magen g übergeht, aus welchem dann ein dünnes Darmrohr mit einer einfachen Windung entspringt, und hinten zwischen den beiden Endzapfen mit dem After endigt. In dem ganzen Verlaufe des Darmkanales werden übrigens, durch die innen befindlichen Flimmerhaare, kleine Kügelchen auf und ab getrieben.

Während nun bei freischwimmenden Larven keine Spur einer Cirkulation zu bemerken war, sind hier schon die ersten Anfänge derselben sichtbar. Ein geschlossenes Gefäfssystem ist zwar noch nicht vorhanden, aber ganz wie es Milne Edwards bei denjenigen Terebellen, welche sich ohngefähr in demselben Entwickelungsstadium wie unser Wurm befinden, beschreibt, kreist ein blutartiges Fluidum, welches gröfsere und kleinere Kugeln enthält, in der Leibeshöhle zwischen den Wänden des Darmes und denen des Körpers (vergl. die Figur).

Wenn wir jetzt noch einmal auf die verschiedenen in dem Vorhergehenden betrachteten Entwickelungsweisen zurückblicken, so begegnen wir zwar auch ganz isolirt dastehenden Formen, wie den Jungen der Exogone naidina, andererseits finden wir aber auch Typen, unter die sich sehr viel unterordnen läfst. Nach dem Typus der Mesotrocha haben wir drei Würmer: die Annelide gleichen Namens mit zwei Räderorganen, eine andere mit einem und den neuen Triestiner Wurm. Noch weit ergiebiger ist die Abtheilung, die sich nach dem Sars - Lovenschen Typus richtet; aber eben diese Ergiebigkeit macht mir wenigstens für jetzt, wo unsere Kenntnifs von der Entwickelung dieser Thiere noch in den Incunabeln liegt, die Hoffnung zu Schanden, die ich hegte, dafs aus der Entwickelungsgeschichte sich wichtige Thatsachen für die Systematik ergeben würden. Hier sehen wir unter denen, deren Eltern wir kennen, aufserordentlich weit von einander abstehende Gattungen sich vereinigen: die Polynoe, direkt aus dem Ei beobachtet, eine Nereide, und endlich auch die Terebella, welche wir hierher zählen müssen; denn nach den Hauptcharakteren der Lovenschen und Sarsschen Larven, welche in dem Verhältnifs des vorübergehenden Räderorganes zu Augen und Mund liegen, gehört auch sie zu dieser Reihe.

In dieser Hauptabtheilung werden sich natürlich noch viele Gruppen bilden lassen, und so finden wir, dafs schon unter den wenigen Larven, welche ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, einzelne sich durch besondere Charaktere, welche den anderen abgehen, zusammenordnen. Unter diesen Merkmalen sehen wir, dafs einige aufser dem grofsen Räderorgane, welches den Vorderleib von dem hinteren Theile des Körpers trennt, noch ein zweites an dem letzten Leibesringe besitzen, während andere dasselbe nicht haben. Ebenso besitzen einige am hinteren Körperende kurze Fortsätze, während dieser Theil bei anderen vollständig abgerundet erscheint. Ferner liegt bei mehreren Arten der Mund ganz am vorderen Ende des Darmkanales, während er bei anderen erst in der unteren Wand desselben auftritt, und über ihn hinaus noch blindsackförmig ein Fortsatz des Darmes sich erstreckt.

Dergleichen anatomische Thatsachen werden sich noch weit mehr auffinden lassen, wenn wir nur überhaupt erst mehr Larven kennen, und dann wird es auch möglich sein, diese systematisch zu ordnen. Als Anhang zu diesem Capitel gebe ich jetzt noch die Entwickelung eines von den bisher betrachteten Anneliden abgezweigten wurmförmigen Thieres, welches sich aber bis jetzt noch nicht ganz genau bestimmen läfst.

In den ersten Wochen unseres Aufenthaltes in Triest wurden öfter auf dem von unseren Excursionen heimgebrachten Meerwasser kleine Kügelchen, wie Oeltropfen, bemerkt. Obwohl sie nur ein Zehntel Linie grofs und ganz ungefärbt waren, so liefsen sie sich doch durch das eigenthümliche fettige Aussehen schon mit blofsen Augen deutlich erkennen. Unter das Mikroskop gebracht, erwiesen sie sich als fast vollkommen kugelige Körper von unbestimmt granulirter Struktur, in deren Innerem vier grofse Oeltropfen lagen. Durch diese ist ihr Aussehen fast ganz gleich den Embryonen der Protula, wie sie Milne Edwards a. a. 0. abbildet. Wir separirten nun eine Anzahl derselben, um ihre Entwickelung abzuwarten. Die erste Veränderung, die an ihnen geschieht, ist, dafs die Kugel auf der ganzen Oberfläche Wimpern bekommt, mittelst deren sie langsam auf dem Wasser umherschwimmt (Taf. X, Fig. 5). Danach zieht sich das Thier mehr in die Länge, so dafs es ein etwas unregelmäfsiges Oval mit vorderem breiteren und hinterem schmaleren Ende bildet (Fig. 6), und dessen innere Masse, welche die Oeltropfen enthält, dunkeler gefärbt ist, als der umgebende Rand. Jetzt schwimmen diese kleinen Wesen aber schon mit grofser Schnelligkeit, das breitere Ende stets nach vorn tragend, und sich oft um ihre Längsachse drehend.

Am dritten Tage endlich ist der Körper sehr schlank geworden, indem er sich zu mehr als der doppelten Länge ausgezogen hat (Fig. 8). Die vier Oelkugeln befinden sich gewöhnlich am vorderen Ende des dunkeleren inneren Kernes, können aber zuweilen auch nach hinten gleiten, wenn das Thier sich bewegt, so dafs hier im Inneren eine Höhle bestehen mufs. Gleich hinter der Mitte des Leibes und etwas vor dem Ende desselben bemerkt man seitlich kleine Höcker (Fig. 8 a) an denen die Wimpern länger sind, als an den übrigen Theilen, und welche als gürtelförmige

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Reifen den ganzen Leib umgeben; so dafs wir zwei vollständig geschlossene gröfsere Wimperkränze haben.

Die meisten der eben beschriebenen Kugeln entwickeln sich auf diese Weise; einige wenige weichen aber davon ganz ab, obwohl sie in ihrer Struktur sich durch nichts von den ersteren unterscheiden, und auch nachher zu demselben Ziele hinführen. Während nämlich bei jenen die ganze Kugel Wimpern bekam und sich sofort als freies selbstständiges Thier gerirte, wächst hier aus einem Theile derselben ein bald mehr bald weniger hervorragender Fortsatz heraus, der dann Wimpern bekommt, während die Kugel, an der er hängt, keine trägt (Fig. 7). Dieser Fortsatz wächst gewöhnlich bis er die Gestalt der Fig. 6 erreicht hat, wonach er sich dann abschnürt, und von da ab denselben Entwickelungsgang einhält, wie die übrigen Embryonen; einige jedoch bleiben länger an der Kugel hängen, selbst so weit, dafs sie schon beide Wimperkränze haben, wonach sie dann endlich auch abfallen und weiter herumschwimmen. Was aus den zurückbleibenden Kugeln wird, habe ich nicht ermitteln können.

Am fünften Tage, nachdem die Thierchen eingesetzt worden waren, zeigten sie eine graulich weifse Farbe; die Gürtel (Fig. 9a), an denen die langen Wimpern stehen, sind heller als der übrige Körper, welcher mit vielen Pigmentpunkten besäet ist. Zwischen den beiden Kränzen kommen nun zwei Organe zum Vorschein, von denen vorher gar nichts zu sehen war. Es sind dieses zwei hakenförmige, bewegliche Fortsätze, die in der Haut stecken, und gerade nach hinten gerichtet sind. In unserer Fig. 9A liegen sie so divergirend, weil das Thier um sie besser zur Anschauung zu bringen, geprefst worden war. Fig. 11 zeigt einen dieser Haken stärker vergröfsert, man sieht dafs das in der Haut steckende Ende zuerst gerade verläuft, dann sich in eine leicht gebogene Sichel fortsetzt, die mit einer starken Spitze endet, und deren concave Seite eine scharfe Kante zu haben scheint. Die Farbe des ganzen Hakens ist bei durchfallendem Lichte leicht violettblau.

In den folgenden Tagen wächst dieses Organ aufserordentlich schnell; die Sichel geht nach einer kurzen knopfartigen Anschwellung in eine gerade Handhabe über (Fig. 12). Bis fast zu dem Knopfe steckt die Handhabe in der Haut, und nur wenig mehr, als die Sichel, ragt frei hervor. Da sie nun gerade in der Mitte des Rückens stecken, (ich nenne die Seite so, welche meistens nach oben getragen wird), und das Thier sehr undurchsichtig ist, so lassen sie sich sehr schwer bemerken; nur wenn das Thier auf der Seite liegt, so dafs die Sicheln über den Rand fortragen, oder wenn man es prefst, sind sie deutlich.

Fig. 10 stellt ein zehn Tage altes Thier dar: die gröfseren Wimperkränze sind zwar noch vorhanden, aber schon schmäler geworden als vorher; es wimpert auch noch über den ganzen Leib, kriecht aber doch schon auf dem Boden des Glases durch Ein- und Ausziehen des Körpers umher. Die dunkele im Inneren befindliche Höhle hat sich nun vollständig zum Darme ausgebildet; der After am hinteren Ende (o) ist deutlich, hingegen der Mund nicht klar bemerkt. Im Inneren sind zu den vier gröfseren Oeltropfen noch eine ganze Anzahl kleinerer hinzugekommen, die bei den Bewegungen des Thieres, die es auf der Glasplatte macht, hin- und herrollen. Von einem Cirkulations- und Nervenapparat läfst sich wegen der grofsen Undurchsichtigkeit nichts wahrnehmen. Die Pigmentpunkte in der Haut sind zwar noch ebenso, wie vorher, sie sind aber in unserer Figur der Deutlichkeit wegen weggelassen worden. Die grofsen Haken h haben jetzt die Gestalt von Fig. 13, aber freilich präsentiren sie sich nur so, wenn sie geprefst sind; im frei sich bewegenden Thiere entgeht die ganze Handhabe vom Knopfe an, d. h. so weit der Haken in der Haut steckt, der Untersuchung, wegen der Undurchsichtigkeit des Objekts; sie sind ohngefähr l/20 Linie lang. Uebrigens müssen Muskeln sich im Inneren an sie inseriren; denn das Thier kann sie willkürlich bewegen, indem es sie bald gerade nach oben aufrichtet, bald mehr nach hinten heruntersinken läfst. Wenn die Larven kriechen, tragen sie diese Waffen stets nach oben, so dafs also durch sie die Rückseite bestimmt wird.

Die jetzt folgende weitere Entwickelung bis zu dem Zeitpunkte, wo drei und eine halbe Woche nach dem Einsetzen der zuerst entdeckten Kugeln verstrichen sind, bietet nur noch wenig Bemerkenswerthes dar, da das sehr einfache Thier schon fast fertig ist. Je mehr und mehr die provisorisch aufgetretenen Wimperkränze schwinden, desto mehr gleichen sich die Hervorragungen, an denen sie befestigt waren, aus, so dafs, wenn das Thier nichts mehr davon besitzt, es vollständig abgerundet worden ist. Allmälig verschwindet nun auch das zarte Flimmerepithelium, womit bisher die ganze Körperoberfläche bedeckt war. Eigentliche Bewegungsorgane sind gar nicht vorhanden; denn die Stacheln auf dem Rücken, wenn sie auch beweglich sind, werden nicht zur Locomotion verwendet; das Kriechen geschieht nur durch Ein- und Ausziehen des langen wurmförmigen Körpers, wobei natürlich eine Runzelung der Haut entsteht. Erleichtert mag es noch werden durch kleine Unebenheiten der äufseren Haut, die da auftreten, wo früher blofs Pigmentpunkte waren, es scheinen also diese sich zu kleinen rauhen Höckerchen ausbilden zu wollen. Nach drei und einer halben Woche hat das Thierchen ohngefähr eine Gröfse von zwei Fünftel Linien erreicht, hat den ganz einfachen runden, wurmförmigen Körper, ohne weitere Fortsätze als die beiden Haken, und kriecht stets am Boden umher. Der Darm enthält noch immer die Oeltropfen, ist aber ebenso undurchsichtig wie vorher.

Noch ist zu bemerken, dafs zweimal ein Individuum mit drei Stacheln und einmal eins mit einem aufgefunden wurde, so dafs die Vermuthung ziemlich nahe liegen würde, dafs das Thier im späteren Leben noch mehr Haken trüge als jetzt. Ich halte diese Verschiedenheit in der Anzahl der Haken nur für Monstrositäten, da das eine, welches drei Stacheln hatte, gerade das erste war, welches ich überhaupt

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