wurf seiner Gesetzgebung ausgerichtet: nun wurden Kundschafter ausgesandt, und er rückte scharf an die Grenze. Aber das feige Volk ward aufrührisch: er mußte zurück und lange 38 Jahr in der traurigen Wü« sie der kleinen Halbinsel ,im Busen des rochen Meers campiren. Nichts als ein unrühmliches Verzeichniß der Reiseläger haben wir aus diesem Zeitraum, in dem er zu Gründung seiner Gesetze so viel hätte ausrichten können und alles ausrichten wollten Jetzt sang er den traurigen 9«tcn Psalm, in dem er Geschlechter hinwel» ken, in dem er sein Leben wie ein Geschwätz vorbeistrei» chen sieht, und sich nur an feimm Einzigen bleibende» Gott aufrichtet. — Wir haben die Eine Hälfte des erhabenen Liedes schon gehabt: lasset uns die zweite hören:

Wer siehcts ein, daß dies o Gott dein Grimm ist? . ,

daß man auch fürchte dich, der also furchtbar zürnt! ^,..

Lehr' es uns Herr! damit wir unsre T^agc zählend,

uns Weisheit schaffen in das Herz.

Kehr' um, Iehovah! wie so lange zürnst du!

Gib Trost uns wieder; wir sind j» dein Volk.

Erfreu' uns bald mir deiner alten Huld,

so jauchzen wir, so freuen wir uns noch

in unfern Lebens < Tagen.

In unser« Lebens/Tagen, Herr! erfreu' uns wieder,

die du so lang betrübt, < ,

die so viel Jahre lang nur Unglück sahn.

Laß sehn uns Herr! was du

fürhast mit deinen Knechten,'

zeig' ihnen, ihren Kindern zeige deine Gunst.

Der sanfte Blick Iehouah unsers Gottes

fti mit uns wieder! Her», bevcstigc

die Arbelt tlns«? Hände; ' i '"-'"' '- .: ''''" ,<^n das Wert von unfern HändcN vestge du! ^- „

Umsonst! Oe'r Bittende sollte die Bevesiigung feines Werks in Kanaan nicht erkebrn, und da er a5s em^ Greis von 120 Jahren seinen Ted vo? sich sah, da er' sein Volk kannte und niemand gewahr ward, der seine Stelle ganz vertreten könnte; was'blieb dem Armen' übrig? womit konnte er sich aufrichten, als mit der Hoffnung, daß Gott selbst einen andern Mann wie ihn erwecken würde, der sein Werk ausführte? und dein sollte Israel gehorchen. Zerstören konnte und wollte ein Solcher Moses Werk nicht: denn es war einmal Nationalverfäjsung, nach welcher auch die Propheten sprechen und handeln mußten; nur leider! fand sich kein Solcher in den entscheidenden ersten Zeiten. Iosua wn^' nur Held, Eleasar nur Priester: Die'Ge'wultwar ge'»'' theilt, und die rohen Stämme verließen die Grund» ^ Ideen Moses. Ob es in spatern Zeiten, obs nach der Gefangenschaft einen Propheten, wie Moses gegeben habe? wollen wir späterhin sehen; gnüg, wer ein mensch« lich Herz in der Brust hat, wer es fühlt, was das M» >. ausgeführte, halb verlohrne Werk Eines Jahrs, ge<^ schweige eines ganzen Lebens, der Seele für Schmtr»^ zen und Wünsche gewähre, wird er dem sterbenden Nomokrator eine so patriotische Hoffnung nicht wenigstens als letzten Trost gönnen wollen? Er war ja der einzige Lohn seines mühsamen sauren Lebens.

9. »Daß aber-Mosts seine Gesetzgebung für Got» tcs Werk/ seine Tafeln für Handschrift Iehovahs ausgab, und in sein Volk jenen »mnschenfemdlichen, reli»

giösenHochmuth pflanzte?« —

Und wenn er sie blos dafür ausgegeben hatte: that er nicht wohl daran? Hatte er ein ander Mittel, seine Absicht zu erreichen? Man lese, was der Mann die 4u Jahr über litt, was er bei allen Wundern, Wohlthaten und Gerichten im Namen Gottes litt; wie wenn er mit dem kalten Lichtlein politischer Vernunft aufgetreten wäre, seine Loc),u«o Rebellen zu bandigen und zu überreden!

Gesetze müssen heilig scyn, und für ein rohes Volk, wie dies war, konnten sie nicht anders als durch göttliches Ansehen, heilig werden. Noch jetzt fehlt unfern besten Gesetzen Heiligkeit und Nachdruck. Der übertretende Theil sieht sie als Conventionen an, die er auch überspringen dörfe, und der Gesetzgeber übertritt sie zuerst. So sollte Moses Verfassung nicht seyn. Wie Naturordnung Gottes sollte sie angesehen werden: so singen sie auch die Propheten und Psalmen.

Nchmts also wenigstens für Nothwendigkeit, nehmts für Gesetzgeber-Klugheit und Demuth an, daß Moses Gese^e mit dem Glanz der Göttlichkeit geprägt erschienen. Zum Besten seines Volks errichtete er eine ewige Denkfaule, und sein Name, sollte dabei nicht gepriesen werden; der Genius des Volks hat tns Werk errichtet.

Das würde ich antworten, wenn seine Gesetze auch nur vorgegeben-göttlich wären; warum müßten sie aber nur vorgegeben-göttlich seyn? Hat die Vorsehung ein anderes Werk unter den Menschen, als Gesetze und Ordnung, Licht und Wahrheit unter den Völkern zu schaffen und auszubreiten? und ist je durch Eine Anstalt so viel dieser göttlichen Gaben befördert worden, als durch die reine, weise, sittliche Gesetzgebung Moses?

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Und giebt es, nach dem Begrif aller Völker, ein edleres Werk Gottes in menschlichen Seelen, als göttliche Gedanken, höhere Regungen, Zwecke und Kräfte, die er zur Bildung Tausender Einem erlesenen Mann mittheilt? Jene alten Gesetzgeber, die frühesten und größten Wöhlthäter der Menschheit, sind sie nicht allesamt von ihren Zeitgenossen oder Nachkommen für Genossen der Gottheit gehalten worden? und welcher derselben in so frühen Zeiten reicht an Moses?

Wer wird es nun ausmachen, wo in der Seele eines solchen Mannes, gelehrt in aller Weisheit der Aegypter und vom Gott seiner Väter belebt, das Menschliche und das Göttliche sich scheide? wo in der Handschrift der Tafeln sein Finger und der Finger Gottes grenze? Grammatisch wissen wir alle, was Geist, Finger Gottes bedeute; hier kam es aber historisch auf Ausrichtung, auf That an.

Und aus unsrer Zeit ist diese nicht zu beurtheilcn. Wir leben unter Zerstreuung, Kunst und Hülfsmitteln: alles wird uns vorgedacht, vorgeschwatzt, eingelesen; unsre eigensten Gedanken sind nicht unser. In jene tiefere Stille, in die heilige ernste Einsamkeit jener Zeit, jener Wüste — wer ist von uns, der sich in sie setze? der über die göttliche Einwirkung in eine so reinere, stärkere Seele zu urtheilen, zu entscheiden wagte?

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