erweckt in uns keinen Gedanken an unsere höhere geistige Bestimmung, wogegen im Leidenden sich die Macht des Geistes zeigt. Daß hier von einem tugendhasten Leidenden die Rede sei, dursste nicht verschwiegen bleiben. — Theophanie, Gotterscheinung, wird insbesondere die Geburt Christi genannt.

115. Das Höchste.

Gleichzeitig mit Ged. 108. Humboldt rühmte daran „die Diktion". Schiller gab das Epigramm in das Septemberstück der Horen, von der Sammlung seiner Gedichte schloß er es aus. A. W. Schlegel zählt es zu derselben Klasse mit Ged. 99 und 116. Der Mensch muß darnach streben, in sich so vollendet sich zu entwickeln, wie es jede Pflanze durch die Wirkung der Natur ist. Die organische Entwicklung der Pflanze hatte Goethe in der Schrist die Metamorphose der Pslanzen (1790) in herrlichster Weise dargethan.— Das Höchste, das Größte ist hier zu unbestimmt, und die Erklärung durch das ähnliche Wort schleppend. Vgl. Ged. 97, 14. — Der Schluß wollend — das ist's leidet an Härte.

116. Unsterblichkeit.

Erschien gleichzeitig mit Ged. 115 in den Horen (zwischen beiden stand Ged. 85), und ward, wie dieses, von den Gedichten ausgeschlossen. Möchtest du gern unsterblich sein, so wirke sür das Ganze. Vgl. zum Schlusse von Ged. 40. „Jedem Verdienste" schließt die dort angesührte Antrittsrede, „ist eine Bahn zur Unsterblichkeit ausgethan, zu der wahren Unsterblichkeit, meine ich, wo die That lebt und weiter eilt, wenn auch der Name ihres Urhebers hinter ihr zurückbleiben sollte." Wir sollen, heißt es daselbst, durch Handeln „an der unvergänglichen Kette, die durch alle Menschengeschlechter sich windet, unser fliehendes Dasein zu besestigen suchen".

117. Votivtaseln.

Hier beginnt die Reihe der 54 Votivtaseln; denn das erste Distichon ist bloßes Motto, was hier durch das Fehlen des Tren» nungsstriches bezeichnet wird. Im Musenalmanach aus 1797 sanden sich unter der Uberschrist?sbnlae votivss mit demselben keine besondere Ueberschrist sührenden Motto 102 Sprüche, unterschrieben G, und S., da auch einige Sprüche von Goethe darun» ter waren. Ueber die Entstehung der I^vulae votivas vgl. Band I, 156. 158. 164 s. 167 ss. Im ersten Theil der Ge

dichte saßte Schiller nur eine Anzahl der srühern Stücke, zum Theil in anderer Ordnung, unter der Uberschrist Botivtaseln zusammen*), sügte dann eine Reihe anderer hinzu, die einzeln in demselben Musenalmanach gestanden hatten, eines aus den Genien (144) und drei neue (152. 161. 1S5). Manches unterdrückte Epigramm hätte hier Ausnahme verdient, und es ist rein zusallig, daß viele Epigramme an andern Stellen der Gedichte stehen. Die metrische Feile vermißt man ost. Ein bestimmtes Gesetz der Anordnung läßt sich in den Votivtaseln nicht nachweisen. Unser Motto deutet die Uberschrist. Unter tabuise votivas verstand man kleine, den Göttern geweihte, in einem Tempel angehestete Gemälde, aus denen sich der erlittene Schissbruch oder eine sonstige Gesahr, welcher man entronnen war, dargestellt sand. Die solgenden Sprüche werden vom Dichter mit solchen Gedenktaseln verglichen, weil sie die Grundsätze seines Lebens aussprechen, deren er sich sreut, da sie ihn so glücklich geleitet haben. Freilich paßt dieses nicht aus alle diese Sprüche; der Dichter suchte aber nur eine andere ansprechende Bezeichnung sür Sprüche, Maximen. Einzelne sind bloße epigrammatische Einsälle. Unter dem Gott könnte man den Apollo verstehn wollen, der den Dichter belehrt, aber wahrscheinlich soll es aus die Stimme im Busen, den Gott in uns, den Genius (vgl. Ged. 98, 52), sich beziehen.

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118. Die verschiedene Bestimmung.

Wenn auch nur wenige die Menschheit wahrhast sördern, die meisten bloß die Gattung sortpflanzen, diese wenigen wirken dasür desto mächtiger. Den letztern Gedanken sprechen B. 3—6 bildlich aus. Der Herbst streut eine Masse Samenkörner aus, von denen nur wenige ausgehen. Jn einem später unterdrückten Gespräche seines Geistersehers sprach Schiller von dem „Luxus der Kräste", den er beispielsweise am Baume nachwies. „Was er von seiner verschwenderischen Fülle ungenossen dem Elementarreich zu» rückgibt, das dars das Lebendige in sröhlicher Bewegung verschwelgen." — Zum Element zurückkehren, sich in das Element wieder verlieren, aus dem sie als Einzelwesen sich entwickelt haben. Schiller a. a. O.: „Wie viele Keime und Embryone, die sie (die Natur) mit so viel Krast und Sorgsalt zum künstigen Leben zusammensetzte, werden wieder in das Element ausgelöst, ohne je zur Entwicklung zu gedeihen?" „Die Zeit kommt doch bald", schreibt Goethe einmal an Lavater, „wo wir zerstreut werden, in die Elemente zurückkehren, aus denen wir genommen sind." Vgl. unsere Erläuterung zu Goethes Faust Hest XIII, 139. — Ewig heißen die Bildungen, wie alles, was nach sesten Naturgesetzen besteht. Vgl. Ged. 94, 34.*)

B. 1 begann srüher Millionen sorgen dasür, B. S schloß der einzige streuet.

119. Das Belebende.

Zur Erläuterung dient eine anderweitige Aenßerung Schillers: „Es gibt sür die Resultate des Denkens keinen andern Weg zum Willen uud in das Leben als durch die selbständige Bildungskraft. Nichts, als was in uns schon lebendige That ist, kann es außer uns werden; und es ist mit den Schöpsungen des Geistes wie mit organischen Bildungen: nur aus der Blüte geht die Frucht hervor." Vgl. Goethes Metamorphose der Pslanze 59 sf.

120. Zweierlei Wirkungsarten.

Das Schöne setzt uns in eine Gemüthsstimmung, welche das Streben, Vernunst und Sinnlichkeit in Einklang zu bringen, in uns erregt, wogegen das Gute unmittelbar aus die Bildung der Menschheit wirkt. Vgl. Ged. 118, 1.

121. Unterschied der Stände.

Schöne Naturen sind der Adel in der sittlichen Welt. Schöne Seelen nennt Schiller diejenigen, bei welchen nicht bloß einzelne Handlungen, sondern der ganze Charakter sittlich ist, und die somit die höchste Bestimmung des Menschen ersüllen; sie wirken durch ihre bloße Gegenwart. In der letzten Anmerkung zu sei

SchMcrs lyrische Gedichte 9. 10. 18

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