Vertrautheit mit dem Wasser erlangt, die ihn befähigte die Flora der Gewässer aufs gründlichste zu untersuchen. Diesen wandte er sich auch unter dem anregenden Einflüsse AI. Brauns und Bauers mit ganz besonderem Eifer und Erfolg zu, und fand er viele seltene Wasserpflanzen, wie namentlich auch Characeen auf. Wenn daher jemand monographische Studien an einheimischen Wasserpflanzen vorhatte, so wandte er sich an Jahn und war stets bereitwilliger Hilfe sicher. So war er es auch, der mir bei meinen Untersuchungen der Gattung Najas, die wertvolle frische N. flexilis Rostk. u. Schm. verschaffte, wie ich das auch seiner Zeit mit Dank erwähnte. Ausser den Wasserpflanzen wandte er auch der Flora advena, wie sie sich in Berlin leicht an Baustellen oder in deren Nähe oder in Gärten einstellt, seine eindringende Beobachtung zu, und manche schöne Entdeckung ist ihm, dem scharfen Unterscheider der Formen, zu danken. Ebenso eingehend beschäftigte er sich mit der Unterscheidung der verschiedenen Formen einer Art, wie er uns z. B. noch 1887 die verschiedenen Formen von Clienopodium album vorlegte. Auch die Bastarde, namentlich bei den Gehölzen, wurden von ihm scharf unterschieden.

Zu schöner Harmonie gestaltete sich bei ihm der Beruf des Lehrers mit der Liebe zur Pflanzenwelt. Dies trat besonders in seinen Schriften hervor, die darauf zielten den Schüler und Pflanzenfreund zu bewusster Anschauung der lebendigen Pflanzenwelt zu führen. So veröffentlichte er 1864 ein kleines Büchlein „Die Holzgewächse des Friedrichsliains bei Berlin", darauf berechnet, Schülern und Lehrern die Kenntnis der im Friedrichshain angepflanzten Holzgewächse zu erleichtern. Als der Humboldtshain mit seinem für die Schulzwecke berechneten Garten in Berlin angelegt worden war, erschien 1883 von ihm »Der Schulgarten. Beschreibung des im Schulgarten des Humboldtshains der Stadt Berlin für Schulzwecke angebauten Pflanzen, nebst einem Vorwort über Bedeutung und Einrichtung von Schulgärten im Allgemeinen", dessen Inhalt, Richtung und Streben der Titel schon giebt. Im Manusc/ipt vollendet ist zurückgeblieben ein Buch „Die im Freien ausdauernden und cultivirten Gehölze der Mark Brandenburg", in dem alle Arten ausführlich beschrieben werden. Die Nützlichkeit eines solchen Werkes für Jeden, der die Natur liebt, liegt auf der Hand.

Emst Rudolf von Trautvetter.

Nachruf von P. Magnus.

(Vorgetrageil in der Sitzung vom 12. April 1889.)

Ernst Rudolf v. Trautvetter wurde am 8. Februar 1809 zu Mitau geboren, woselbst er auch das Gymnasium absolvirte. An der Universität Dorpat studirte er von 1825—1831 Medicin und Naturwissenschaften, namentlich Botanik. So kam es, dass er bereits 1833 zum Assistenten am Botanischen Garten zu Dorpat ernannt wurde, woselbst er sich auch 1834 als Docent der Botanik habilitirte. 1835 wurde er Assistent am Kaiserlichen Botanischen Garten zu St. Petersburg. 1838 wurde er zum Professor der Botanik in Kiew ernannt, legte daselbst den Botanischen Garten an und verblieb in dieser Stellung bis 1859. 1860 wurde er Director des Landwirtschaftlichen Instituts in Gorki. 1864 wurde er zum Verwalter des Kaiserlichen Botanischen Gartens in St. Petersburg und 1866 zum Director desselben berufen. Dieses Amtes waltete er bis 1875, in welchem Jahre er sich pensioniren liess. Er blieb in Petersburg wohnen und starb daselbst den 12. Januar 1889. Seine wissenschaftlichen Arbeiten waren systematischer und floristischer Natur. Sie waren hauptsächlich gerichtet auf die Erforschung der Pflanzenwelt des weiten russischen Reiches. In zahlreichen (mehr als 80) Publicationen behandelte er bald einzelne Gattungen und Gruppen, soweit sie in Russland vertreten sind, wie z. B. die Saltces, die Vicieen, Sameraria, Isatts, die Cuscutaceen, die Campanulaceen, Echinops, Pentastemon u. s. w. und gab 1844—46 die Plantarum imagines et descriptiones floram Rossicam illustrantes, 8 Fasciculi mit 40 Tafeln heraus; bald bearbeitete er die Flora einzelner Districte, wie z. B. die des Gouvernements Kiew. 1849—1853 lieferte er mehrere Arbeiten über die pflanzengeographischen Verhältnisse des europäischen Russlands. Zahlreich sind seine Bearbeitungen der von anderen Forschern in russischen Gebieten gesammelten Pflanzen. So bearbeitete er die von A. v. Middendorf im nördlichsten Gebiete des asiatischen Russlands gesammelten Pflanzen, die als Florula ochotensis phaenogama, Florula taimyrensis phaenogama, Florula boganidensis phaenogama und Plantae Jenisseenses in Middendorfs Reisewerke erschienen sind.

1860 begann er im Bulletin der Moskauer naturforschenden Gesellschaft die Enumeratio plantarum soongoricaruni a Dr. AI. Schrenk 1840—43 collectarum. Ferner veröffentlichte er in zahlreichen Publicationen die Bestimmung der von Radde und Anderen im Caucasus gesammelten Pflanzen, deren erste im Bulletin de l'Academie des sciences de St. Petersbourg, die späteren in den Acta horti Petropolitani erschienen sind.

Sein ganzes Leben hatte er auch die gesamte russische Flora im Auge. So veröffentlichte er schon 1837 eine Geschichte der Botanik in Bezug auf Russland. 1882 gab er eine vollständige, sorgfältig gesammelte Bibliographie der russischen Flora heraus unter dem Titel Florae Rossicae Fontes.

Und es sollte ihm vergönnt sein, dasjenige Werk seines Lebens, in dem die Resultate seiner Forscherthätigkeit zusammengefasst sind, noch einige Jahre vor seinem Tode veröffentlichen zu können, nämlich die Incrementa Florae Phaenogamicae Rossicae, die in 4 Lieferungen 1883 — 1884 in Petersburg erschienen, in denen er Alles zusammenfasste, was seit der 1841—1853 erschienenen Flora Rossica von Ledebour neu zur Kenntnis der russischen Flora hinzugekommen war, wozu er selbst das Meiste geliefert hatte.

Bis in seine letzten Tage war er trotz starken Asthmas wissenschaftlich thätig. So wird noch im X. Bande der Acta hört. bot. Petropolitani seine 1888 vollendete Bearbeitung der von Dr. A. v. Bunge Solin im nordöstlichen Sibirien gesammelten Pflanzen erscheinen.

Er starb kurz vor Vollendung des 80. Lebensjahres in Folge eines zu seinen asthmatischen Leiden hinzugetretenen Lungenschlages. Sein reiches und wichtiges Herbarium hat er der Sammlung des Kaiserlichen Botanischen Gartens in St. Petersburg hinterlassen.

Karl Jessen.

Nachruf von P. Magnus.

(Vorgetragen auf der Kriihjahrs-Hanpt-Versauimlnng iu Tangermttude am

16. Juni 1880.)

Karl Friedrich Wilhelm Jessen war geboren am 15. September 1821 in Schleswig und studirtc in Kiel Philosophie und Naturwissenschaften. Von früh an ward er sehr befreundet mit dem ausgezeichneten Algologen J. N. v. Suhr, unter dessen anregendem Einflüsse er sich dem Studium der Algen zuwandte. Durch eine dem Andenken seines Freundes v. Suhr gewidmete Dissertation „Prasiolae generis Algarum Monographia" erwarb er 1848 in Kiel den Grad eines Doctor philosophiae. Auch später setzte er das Studium der Algen noch fort und nahm 1871 an der vom Königl. preuss. Landwirtschaftlichen Ministerium ausgerüsteten Expedition zur naturwissenschaftlichen Erforschung der Ostsee Teil, worüber er kurz im Bericht der Commission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere in Kiel 1. Jahrg. S. 161—164 berichtet hat. Die daselbst in Aussicht gestellte Algenflora der Ostsee ist nicht erschienen.

Bald nach seiner Promotion habilitirte sich Jessen als Docent der Botanik an der Berliner Universität Im Jahre 1851 wurde er als Professor an der Landwirtschaftlichen Akademie in Eldena angestellt und habilitirte sich gleichzeitig für Botanik an der Universität Greifswald. 1855 erschien von ihm in den Verhandlungen der K. K. Leopold.Carolinischen Akademie die von derselben_gekrönte Preisschrift „Ueber die Lebensdauer der Gewächse und die Ursachen verheerender Pflanzenkrankheiten", in der Jessen zu beweisen sucht, dass Pflanzenarten oder Formen in Folge langer ungeschlechtlicher Vermehrung in ihrer Constitution geschwächt würden, daher den Angriffen der Parasiten leichter zugänglich seien und überhaupt zum Aussterben neigen.

Ein besonderes eingehendes Interesse wandte" Jessen stets historischen Studien zu So gab er 1858 in Greifswald eine kleine Abhandlung über des Aristoteles Pflanzenwerke heraus. 1864 veröffentlichte er eine Geschichte der Botanik unter dem Titel: Botanik der Gegenwart und Vorzeit in culturhistorischer Entwicklung. Ein Beitrag zur Geschichte der abendländischen Völker. In derselben hat namentlich die Botanik des Altertums und Mittelalters eine eingehende Darstellung gefunden, während die Darstellung der neueren Botanik sich nicht frei von subjectivem und parteiischem Standpunkte gehalten hat. 1867 erschien die von E. Meyer und ihm besorgte Ausgabe von Albertus Magnus: De vegetabilibus libri VII. Ausserdem gab er noch 1868 das Werk „Deutschlands Gräser und Getreidearten" heraus, das, obwohl mit besonderer Rücksicht auf landwirtschaftliche Botanik geschrieben, sich dennoch durch eingehende Analysen und genaue Beschreibungen dieser schwierigen Familie auszeichnet.

Als 1877 die Landwirtschaftliche Akademie in Eldena aufgehoben wurde, siedelte Jessen nach Berlin über, um die Schätze der Bibliotheken besser für seine Studien verwerten zu können, und hielt gleichzeitig Vorlesungen an der Universität. Er veröffentlichte dort zunächst 1879 die schon in Greifswald vorbereitete „Deutsche Excursionsflora", die neben praktischer Handlichkeit eine Vollständigkeit der Angaben, namentlich auch in pflanzengeographischer Hinsicht erstrebte. Daher lies er jeder selteneren Art ein kleines schematisches Kärtchen von Deutschland beidrucken, in der deren Verbreitung durch Punkte bezeichnet ist. Ausserdem ist dieselbe noch ausgezeichnet durch die Angabe der polnischen und französischen Gattungs- und Artnamen neben den ältesten und gebräuchlichsten deutschen Namen.

Wie schon aus dem bisher Mitgeteilten folgt, hatte sich'Jessen eine ausgezeichnete linguistische Bildung angeeignet. Als daher Dr. G. Pritzel in Berlin gestorben war und in seinem Nachlasse sich ein Manuscript über die deutschen Volksnamen der Pflanzen vorgefunden hatte, war niemand besser als Jessen dazu geeignet, es zu vervollständigen und herauszugeben. So erschien das interessante Werk: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Aus allen Mundarten und Zeiten zusammengestellt von Dr. E. Pritzel und Dr. C. F. W. Jessen.

Jessen war sehr vielseitig gebildet. Ausser seinen botanischen und linguistischen Studien hatte er sich auch viel mit Philosophie und speciell Aesthetik beschäftigt und war stets ein tief religiöser und überzeugt gläubiger Mann. Dem entsprachen die Vorlesungen und Vorträge, die er in Berlin hielt. So las er »Natürliche Grundgesetze der bildenden Kunst mit Demonstrationen", „Aesthetik als Naturwissenschaft", „Physiologie der Seele", „Allgemeine Naturgeschichte in einheitlichem Zusammenhange" u. s. w. Besondere Erwähnung verdient noch seine Vorlesung über „Ursprung und Fortdauer der lebenden Wesen", in der er sich gegen die Darwinsche Lehre aussprach. Noch schärfer trat diese Gegnerschaft in die Oeffentlichkeit in seinem 1885 erschienenen Buche »Der lebenden Wesen Ursprung und Fortdauer nach Glauben und Wissen aller Zeiten", in dem er Darwin „Unklarheit,

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