Ä5ie eine neuere Theologie lehret, ist das heilige Abendmahl ein Mahl zum Gedachtniß des Mannes, der die wohlthätigste Lehre in der Welt gelehrt und mit seinem Tod versiegelt hat.

Und, auch so angesehen, ist das heilige Abendmahl sehr ehrwürdig, und kann allerdings für die Gaste nützlich und heilsam seyn.

Die Betrachtung der Geschichte Christi, wie er sich in seinem Leben und bey seinem Sterben betragen hat, kann ohne Segen nicht abgehen. Es kann kein Mensch bedenken das Werk, das Christus auf Erden vollenden wollte, die Knechtsgestalt in der er einhergieng, die Gnade und Wahrheit in seinem Seyn und Thun, und seine Kraft und Huld und Milde im Leiden und bey dem Undank der Menschen, ohne sich in den Staub zu beugen, und sich von Seinem Geist zu wünschen. Und das ist der Anfang zu vielem Guten.

Auch bedarf der Mensch, der gewöhnlich sein Leben in Zerstreuung und Leichtsinn vor sich hin lebt und immer voran eilt, ohne zu wissen was ihn eigentlich treibt und was er eigentlich will, in seinem Lause von Zeit zu Zeit angehalten und zu sich selbst zurückgeführt zu werden; er bedarf eines Steins am Wege, auf den er sich hinsetze und in sein vergangenes Leben zurücksehe, u. s. w. Und dazu kann ihm das heilige Abendmahl dienen, wenn es auch nicht mehr als ein bloßes Gedachtniß-Mahl ware.

Aber, wie könnte es das, und nicht mehr seyn?

Christus stellte bey aller Gelegenheit, wo er seine Herrlichkeit sehen ließ, sich selbst immer in Schatten : »Das Magdlein ist nicht todt, sondern es schlaft s)°; — «Dein Glaube hat Dir geholfen b)«;— «Siehe, sage es Niemand«)« :c. Er hatte an ihm selber nicht Gefallen cl), und zog sich immer zurück in seinem Leben; und er sollte, in der Nacht da er verrathen ward, auf sich selbst bedacht gewesen seyn, und ein Mahl und Fest zu seinem Ge'oächtniß gestiftet haben? ......

Und wenn es bloß ein Mahl zu seinem Gedachtniß hatte seyn und darin das Wesentliche dieses Mahls bestehen sollen; so hätte doch das, als das Wesentliche, bey der Einsetzung angeführt werden, und von Gedächtniß, als von der Haupt« fache, Erwähnung geschehen müssen.

Nun geschieht dies zwar beym Apostel e); aber von den drey Evangelisten, die uns von der Einsetzung Nachricht geben, spricht nur Einer, und der, wie er selbst sagt, seine Nachrichten von Chri

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stus nur durch Erkundigung eingezogen hatte, von Gedächtniß, und das nur beym Brodt, und nicht einmahl beym Kelch; und die beyden Andern, davon der Eine bey der Einsetzung gegenwartig gewesen war, haben kein Wort von Gedachtniß.

Aber Alle haben: »für euch gegeben, für euch vergossen s)«; — »für euch gebrochen b)«; — »für Viele vergossen «);« — »vergossen für Viele zur Vergebung der Sünden cl)«; — da rinn muß denn wohl das Wesen dieses Mahls bestehen; und unser Herr Christus, der überhaupt nicht gekommen war, daß er ihm dienen lasse, sondern daß er diene e), hat wahrlich auch bey dieser Anstalt nicht gedient seyn, sondern dienen wollen.

Wohl wird, wie gesagt, auch durch ein Gedächtniß-Mahl den Menschen gedient, aber nur kümmerlich, und nicht wie Christus dient. Der Mensch bleibt hier selbst sein Arzt. Er kann aber einmahl durch sich und seine Kräfte nicht genesen, sintemahl alles Gesetz durch das Fleisch geschwächt wird. »Das Gesetz kann nichts thun, weder anzeigen was man thun und lassen soll; aber die Kraft und das Vermögen solches zu thun und zu

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lassen, gibt es nicht, und laßt den Menschen also in Sünden stecken.« Er bedarf denn anderer Hülse, eines andern Mittels. Und das ist grade die Hülse, die ihm zugedacht ist und die er haben könnte; denn dazu ist Christus in die Welt kommen, daß er dieß andre Mittel zu Wege bringe, und thate was dem Gesetz unmöglich war a).

Für euch gegeben und vergossen, zur Vergebung der Sünden — das ist, nach der Schrift, die große heilige Sache des Abendmahls. Es ist eingesetzt: von dem Leibe der Sünde b) und des Todes c) zu erlösen, die Erde mit dem Himmel wieder zu vereinigen und den Menschen in sein ursprüngliches Verhaltniß mit Gott herzustellen.

Adam, vor dem Fall, war mit Gott und Gott mit ihm in dem Garten Eden, den er bauen und bewahren sollte cl); er war f r e y und herrschte, mit und durch Gott, über die sinnliche Natur, über Fische im Meer und über Vö« gel unter dem Himmel e).

Sein unsterblicher Geist war lebendig.

Als er aber von Gott abfiel und sich zu dem, was nicht Gott war, wandte; ward ihm sein Wesen — nicht vernichtet: denn das kann nicht vernich

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tet werden; aber ihm ward, weil er seine Freyheit mißbrauchte, eine Hemmkette angethan und er der sinnlichen Natur unterworsen.

Sein unsterblicher Geist verlohr sein L e b e n s).

Er ward, sagt die heilige Schrift, aus dem Garten Eden, wo er die Stimme Gottes gehört hatte b), und er mit Gott und Gott mit ihm gewesen war, ausgetrieben und die Thür hinter ihm zugeschlossen o).

Wir können an der Wahrheit dieser Geschichte nicht zweyseln, da wir sie in uns selbst erfahren, und ein Zeuge in der Tiese unsers Herzens so laut und unwidersprechlich davon zeuget.

Denn »wir finden uns, die wir wollen das Gute thun, ein Gesetz, daß uns das Böse anhanget» — der Jnwendige Mensch ist noch da, und, »wir haben Lust an Gottes Gesetz nach diesem Jnwendigen Menschen; wir sehen aber ein ander Gesetz in unsern Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in unserm Gemüthe und nimmt uns gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in unsern Gliedern 6,).

Und diese Knechtschaft und ihr Rath ist ein Wurm im Menschen, der nicht stirbt; ist die gewaltige Angelegenheit, die je und je und so lange Menschen auf Erden sind, die Welt beschäftiget und die

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