Angst und Gesellschaft. Ursachen, Erscheinungsformen und Verhalten: Pathologische Angst als Zustand bei Individuum und Gesellschaft

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GRIN Verlag, 2007 - 140 pages
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Diplomarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Sozialpadagogik / Sozialarbeit, Note: 1,3, Fachhochschule Erfurt, Sprache: Deutsch, Abstract: Angst, diese urmenschliche" Emotion, die sich von Enge" ableitet, beschreibt einen beklemmenden, bedruckenden Zustand, der dem Menschen wohl von jeher zu eigen ist. Oft ist nicht klar, worauf sich die Angst eigentlich bezieht, denn im Gegensatz zum Begriff der Furcht ist sie oft diffus und kann bei haufigem und gesteigertem Auftreten in Storungen und Krankheiten munden. Das immanente Risiko, das in der Freiheit, im Moglichen, liegt, birgt die Gefahr, die Angst aufzuwerten und uberlebensgross zu machen und die Flucht vor derselben zur Standardreaktion werden zu lassen. Die Angst vor der Angst" als eine haufige Kettenreaktion bei jenen Menschen, die besonders danach streben, die negativen Begleiterscheinungen des physischen und psychischen Erlebens zu verhindern, ist bezeichnend fur das Dilemma. Die erlebte Intensitat und die Haufigkeit von Angstgefuhlen zeugen von bestimmten Unzulanglichkeiten, die oft ahnlich einer Depression, Menschen von ihrer Umwelt abspalten. Besonderes Gewicht in der Frage der Angstdominanz innerhalb der individuellen, als auch kollektiven Wahrnehmung liegt in der kulturellen Situation. So sind viele Angste gekoppelt an vorherrschende Werte und Normen, an gesellschaftliche Bedingungen, die z.B. durch Entfremdungsprozesse (Konsumorientierung, technische Entwicklungen, Burokratisierung etc.) den Einzelnen der ihm eigenen Problemlosungskompetenz berauben und die Ohnmachtigkeit fordern. Hier offenbaren sich zentrale Probleme unserer modernen Leistungsgesellschaft, die sich ebenfalls in der eng verwandten Stress-Problematik aussern. Der Angst muss deshalb auf kollektiver, gesellschaftlicher Ebene mit passenden Massnahmen (etwa Integration fordern statt Ausgrenzung) begegnet, als auch im individuellen Erleben widerstanden werden. In der Befahigung, sich der Angst zu stellen und in deren Uberwindung liegt
 

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Contents

INHALT
3
ANGST ALS KRANKHEIT ANGST IM ÜBERMAß
16
WAHRNEHMUNG UND ERLEBEN VON ÄNGSTEN
31
ANGSTZUSTAND BEI INDIVIDUUM UND GESELLSCHAFT
53
Copyright

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Common terms and phrases

Agoraphobie ähnlich Alleinsein angstauslösenden Angstempfindung Angsterleben angsterzeugend Angstgefühle Ängstlichkeit Angstneurose Angstquellen Angstreaktionen Angststörungen Angstzustand Anpassung aufgrund Autorität Bedeutung Bedingungen Bedrohung beinhaltet Belastung besonders Betroffenen Charakter Charakterorientierungen Depression depressiven Destruktive Dieter Duhm Duhm eher eigenen Emotion emotionale Entfremdung entsprechend Entwicklung Erich Fromm erlebt Feindseligkeit Flucht Freiheit Freud Furcht Gefahr Gefühl generalisierte Angststörung geprägt gerade gewisse gibt häufig Hilflosigkeit Hinsicht höheren Horney Horst-Eberhard Richter implizierten individuelle Individuum kapitalistischen Karen Horney Kierkegaard kognitive körperlichen krankhaft Krankheit kulturellen Lauster Leben Leistungsangst letztlich macht Mechanismen Menschen menschliche Möglichkeit Morschitzky muss natürlich nekrophile neurotische Angst Ontogenese Panikattacken Panikstörung pathologische persönlichen Peter Lauster Phobien Potenzial Prozesse psychischen Reaktion Realangst Riemann Röglin scheint Schmidbauer schreibt seelische Gesundheit Sigmund Freud Situation soll Soziale Phobie sozialen speziell stark Stellenwert Störungen Stress Strian Symptome Tembrock typisch Umgang Umwelt unserer Gesellschaft unserer Kultur unterschiedlich Verhalten Verhaltensbiologe Verlust Verlustangst verschiedenen viele Wahrnehmung wohl zumindest Zustand zwanghaften Zwangsgedanken Zwangskrankheiten Zwangsstörungen

Popular passages

Page 8 - So ist die Angst der Schwindel der Freiheit, der aufkommt, wenn der Geist die Synthese setzen will, und die Freiheit nun in ihre eigene Möglichkeit hinunterblickt, und dann die Endlichkeit ergreift, um sich daran festzuhalten. In diesem Schwindel sinkt die Freiheit nieder.
Page 29 - Diese entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes (kurz oder lang anhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.
Page 45 - ... vertrauten und geliebten Person, im Grunde der Mutter, eingestellt ist. Es ist seine Enttäuschung und Sehnsucht, welche sich in Angst umsetzt, also unverwendbar gewordene Libido, die derzeit nicht in Schwebe gehalten werden kann, sondern als Angst abgeführt wird. Es kann auch kaum zufällig sein, daß in dieser für die kindliche Angst vorbildlichen Situation die Bedingung des ersten Angstzustandes während des Geburtsaktes, nämlich die Trennung von der Mutter, wiederholt wird.
Page 10 - Nacht. Wer durch die Angst gebildet wird, der wird durch die Möglichkeit gebildet, und erst der, welcher durch die Möglichkeit gebildet wurde, ist nach seiner Unendlichkeit gebildet.
Page 20 - Realgefahr ist eine Gefahr, die wir kennen, Realangst die Angst vor einer solchen bekannten Gefahr. Die neurotische Angst ist Angst vor einer Gefahr, die wir nicht kennen.
Page 91 - ... Machtlosigkeit im gesellschaftlichen Leben geben. Das Verhältnis Vater : Sohn in diesem Falle ist gemischt aus Ausnutzungstendenzen und fördernden Strebungen, aus Freundlichkeit und Haß, und diese zwiespältige Struktur schafft wiederum spezifische Gefühlsreaktionen im heranwachsenden Kinde. Das Über-Ich verdankt seine Entstehung der von Angst und Liebe getragenen Beziehung zum Vater. Der Charakter dieser Angst und Liebe ist aber — wie wir eben zu zeigen versucht haben — in erster Linie...
Page 103 - Misstrauen führt, wenn sie den Menschen in ein Werkzeug verwandelt, das von anderen benutzt und ausgebeutet wird, wenn sie ihn seines Selbstgefühls beraubt und es ihm nur insoweit lässt, als er sich anderen unterwirft und zum Automaten wird
Page 7 - ... Vorbereitung auf dieselbe, mag sie auch eine unbekannte sein; Furcht verlangt ein bestimmtes Objekt, vor dem man sich fürchtet; Schreck aber benennt den Zustand, in den man gerät, wenn man in Gefahr kommt, ohne auf sie vorbereitet zu sein, betont das Moment der Überraschung. Ich glaube nicht, daß die Angst eine traumatische Neurose erzeugen kann; an der Angst ist etwas, was gegen den Schreck und also auch gegen die Schreckneurose schützt.
Page 61 - Tatsächlich gibt es praktisch nichts, was nicht zur Rationalisierung der Destruktivität herangezogen wird, Liebe, Pflicht, Gewissen und Patriotismus benutzte und benutzt man als Masken, um andere oder sich selbst zu zerstören. " (Fromm zit. nach Huygen, S. 73) Das Konformistische, der „regressive" Mechanismus der Anpassung beinhaltet eine ähnliche Haltung, nämlich die Selbstaufgabe, eine Angleichung an geforderte und vermittelte gesellschaftstypische Merkmale.

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