Baal und die Neue Sachlichkeit: Eine Untersuchung darüber, ob sich Bertolt Brechts frühes Theaterstück in diese Epoche einordnen lässt

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GRIN Verlag, 2007 - 28 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: keine, Gottfried Wilhelm Leibniz Universitat Hannover (Seminar fur deutsche Literatur und Sprache), Veranstaltung: Einfuhrung in die Literaturwissenschaften II, 7 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Um zu untersuchen, ob sich Bertolt Brechts fruhes Theaterstuck Baal in den Kontext der Neuen Sachlichkeit einordnen lasst, ist es zunachst erforderlich zu wissen, was diese Epoche eigentlich kennzeichnet. Dazu wiederum ist es notig, erst einmal naher zu beleuchten, vor welchem historischen Hintergrund sie entstand, welche politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen zu einem Epochenwandel gefuhrt haben und besonders welche literarische Kunstrichtung ihr vorausging. Aus dem Gesamtzusammenhang isoliert, ist es nicht moglich eine definitive, in sich geschlossene Antwort auf diese Fragestellung zu finden, da sie von zu vielen Faktoren abhangt, die - liesse man sie ausser Acht - das Ergebnis oberflachlich erscheinen lassen und sogar verfalschen wurden. Kenntnisse uber die Ideologie des Expressionismus sind beispielsweise zwingend notwendig, da die Neue Sachlichkeit direkt daran anknupft, sich gegen sie wendet und im Prinzip den Versuch darstellt, sie zu uberwinden. Ebenso wichtig ist die gedankliche Auseinandersetzung mit der Weimarer Republik, jener Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, in der die Neue Sachlichkeit entstand. Nur so wird - meine ich - verstandlich, welche ausseren und inneren Umstande zu einem Wandel in den Kopfen der Menschen gefuhrt haben, der sich schliesslich auf kunstlerischer Ebene offenbarte und sich in einer neuartigen Ideologie, Malerei und Literatur manifestierte. Was nun Brecht selbst betrifft, so ist auch er ein Kind seiner Zeit und von dieser gepragt. Schliesslich hat er sowohl die beiden kunstlerische Epochen um die es hier geht, als auch samtliche politische und soziale Umbruche wahrend dieser Zeit am eigenen Leibe erlebt."
 

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Page 18 - Dieser neue Typus Mensch wird nicht so sein, wie ihn der alte Typus Mensch sich gedacht hat. Ich glaube: er wird sich nicht durch die Maschinen verändern lassen, sondern er wird die Maschinen verändern, und wie immer er aussehen wird, vor allem wird er wie ein Mensch aussehen.
Page 5 - So wird der ganze Raum des expressionistischen Künstlers Vision. Er sieht nicht, er schaut. Er schildert nicht, er erlebt. Er gibt nicht wieder, er gestaltet. Er nimmt nicht, er sucht.
Page 18 - ... gewohnter Dinge nicht mehr enthalten. Warum enthalten sie diese alten Dinge nicht mehr, die einmal anerkannt und richtig waren? Das, glaube ich, kann ich Ihnen genau sagen. Sie enthalten diese alten Dinge nicht mehr, weil jene Leute, für die diese Dinge wichtig waren, heute im Niedergehen begriffen sind. In Zeiten aber, wo eine breite Schicht Menschen niedergeht, werden ihre Lebensäußerungen schwächer und schwächer, ihre Vorstellungskraft erlahmt, ihre Appetite schwinden hin, ihre ganze...
Page 13 - Sehen Sie, unsere Stücke enthalten einen Teil der neuen Dinge, die schon lange vor dem Weltkrieg in die Welt gekommen sind. Das bedeutet aber auch, daß sie einen großen Teil alter, gewohnter Dinge nicht mehr enthalten. Warum enthalten sie diese alten Dinge nicht mehr, die einmal anerkannt und richtig waren') Das, glaube ich, kann ich Ihnen genau sagen.
Page 6 - Schumacher erklärt dies damit, dass, „wenn das Wesentliche der Welt, mit der es der Künstler notwendig zu tun hat, „auf das Ich und das All zusammenschrumpft; wenn das wirkliche der Welt nicht im Mit- und Gegeneinanderhandeln der Menschen, sondern in einem abgekapselten, faktisch souveränen Ich und einem ihm entsprechenden transzendenten Wesen erblickt wird, so hat dies einen radikalen Schwund der Inhaltlichkeit (...) zur Folge" und „führt (...) zu einer Verzerrung und Übertreibung der...
Page 14 - Das deutsche Drama muß vom Blute deutschen Wesens geboren sein und dieses war immer persönlich .. . Die Persönlichkeit aber als die Summe aller lebendigen Gegenwart muß naturgemäß als Zentralpunkt ihrer Gestaltung das Gleichnis ihres Wesens suchen, und dieser Versuch bedeutet die Erneuerung des deutschen Dramas.
Page 17 - Der Name sollte gleichsam die Unersättlichkeit nach Leben des Helden ausdrücken, der die Welt als sein Eigentum und nicht sich als Eigentum der Welt betrachtet.
Page 13 - Sinne das Innenleben der Menschheit, wobei er von allen objektiven Faktoren, die das menschliche Leben bestimmen, zu abstrahieren versucht. Während die Bühne nach Handlung und wirklichen Individuen ruft, kann der expressionistische Dramatiker nur Zustandsschilderungen seiner Gefühle, seiner Seele bieten...
Page 4 - Ernst Schumacher, Die dramatischen Versuche Bertolt Brechts 1918-1933, Rütten & Loening, Berlin 1955, ersparen wir uns detaillierte Untersuchungen und beschränken uns im Kapitel „Drama und Repertoire" auf Brechts Übergang vom „abstrakten" epischen Theater zum realistischen epischen Theater (vgl.
Page 5 - Jahre) meist mit einer teils sehr heftigen Kritik an der imperialistischen Wirklichkeit, an der rücksichtslosen Praxis der Kapitalisten, ihrer Veräußerlichung, der Vernichtung jeder echten Gemeinschaft, an dem Überwiegen sachlicher über geistige Werte, an der formalen Kultur verbunden

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