Bekenntnisse eines Arztes

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G. Lutz, 1902 - 286 pages
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Page 49 - Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen; Ihr durchstudiert die groß' und kleine Welt Um es am Ende gehn zu lassen, Wie's Gott gefällt.
Page 193 - Andere In der Natur geheimstes Wesen drang, So meinen sie, ich könnte gleich den Göttern Durch Wunder leiden nehmen, Glück erzaubern, Und bin doch nur ein Mensch wie Andere mehr. Ach! wüßtet Ihr, wie's in mir wallet, siedet, Und wie mein Herz den Schlag zurücke hält, Wenn ich statt Heilung mit unsicheren Worten Aaum Trost kann spenden den Verlorenen. Ihr sagt dann wohl: „Die Welt bewundert staunend", „Was Du vermagst, wo Andere stutzen;" „Der Dank von Tausenden ist Dir beneidet" „In...
Page 126 - so weiß man nicht, worüber man sich mehr wundern soll: über die Kaltblütigkeit, mit der der Experimentator die Syphilis sich stärker entwickeln läßt, um ein deutliches Bild zu erhalten und ,um den' Fall einer möglichst großen Anzahl von Ärzten zu zeigen', oder über jene individuelle Logik, die ihm als Chef eigentümlich ist und die ihm gestattet, den Untergebenen einer schweren, zuweilen...
Page 105 - Zuckungen und localisirte Contractionen auf Schlag in sehr prägnanter Weise wurden notirt. Sollen wir nun dem geschilderten Krankheitsbilde einen Namen geben, so ist die Beziehung zu Idiotismus und Cretinismus unverkennbar: das zurückbleibende Wachsthum, der grosse Kopf, die gewulstete Nase, die dicken Lippen, der plumpe Körper, die Schwerfälligkeit des Denkens und Sprechens bei kräftiger Musculatur weisen unzweifelhaft auf eine Verwandtschaft des UebeJs hin.
Page 193 - Ich kann's nicht mehr ertragen, Wie mich die Menschen täglich, stündlich quälen, Wie sie Unmögliches von mir begehren! Weil ich ein wenig tiefer wohl als Andere In der Natur geheimstes Wesen drang, So meinen sie, ich könnte gleich den Göttern Durch Wunder leiden nehmen, Glück erzaubern, Und bin doch nur ein Mensch wie Andere mehr. Ach! wüßtet Ihr, wie's in mir wallet, siedet, Und wie mein Herz den Schlag zurücke hält, Wenn ich statt Heilung mit unsicheren Worten Aaum Trost kann spenden...
Page 217 - Sie inussten zum Opfer gebracht werden, damit jenes sich gedeihlich entwickeln und den Menschen zu dem gestalten konnte, was er jetzt ist, zum Homo sapiens. Langsam und erst nach hartem Widerstreben vollzog sich jener Tausch. Es ging nicht ab ohne einen Kampf, in dem Zoll um Zoll des einmal behaupteten Terrains sauer erkämpft werden musste; und wie...
Page 117 - ... sprach, sind längst vorbei. Wir haben gelernt, welche Unzahl von schweren, fast unheilbaren Folgezuständen und Komplikationen beim Manne, wie besonders bei der Frau durch verschleppte und ungenügend behandelte Gonorrhoen zu stände kommt. Ich für meinen Teil nehme keinen Anstand, die Gonorrhoe für eine in ihren Folgen ungleich schlimmere Krankheit zu erklären als die Syphilis und glaube der Übereinstimmung namentlich aller Gynaekologen darin sicher zu sein. Und doch könnte diese folgenschwere...
Page 43 - Klinik erschwert durch das natürliche Schamgefühl und durch den begreiflichen Widerwillen der Frauen gegen derartige Demonstrationen. In kleineren Städten würde eine gynäkologische Klinik meiner «Lrfahrung nach überhaupt kaum abzuhalten sein, wenn man nicht aus» nahmslos alle Patientinnen für die Untersuchung chloro
Page 123 - Inoculation geeignet. Diese ward denn auch am 27. Juli d. J. am linken Oberschenkel vorgenommen. Das Blut zur Inoculation nahm ich von einer weiblichen Kranken (Freund), bei der die secundäre Syphilis sich unter unsern Augen entwickelte.
Page 232 - Weib vermag das dunkle, außerordentlich komplizierte leben des weiblichen Organismus in seiner physischen und psychischen Totalität zu erkennen und zu begreifen; für den Mann wird diese «Lrkenntnis immer fragmentarisch und unvoll

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