Beobachtung und Verarbeitung - Der Widerspruch zwischen Erwartung und Realität in Ernst Jüngers In Stahlgewitter

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GRIN Verlag, 2007 - 68 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,2, Westfalische Wilhelms-Universitat Munster (Institut fur deutsche Philologie), Veranstaltung: Sprache des Krieges in Literatur und Selbstzeugnissen des 19. und 20 Jh., Sprache: Deutsch, Anmerkungen: "Die Arbeit uberzeugt nicht nur durch eigene profunde Kenntnis der Primar- und Sekundarliteratur, auch argumentativ bewegt sich der Text auf einem ansprechend hohen Niveau.", Abstract: Die Hoffnung auf eine individuelle Selbstverwirklichung war fur Ernst Junger das zentrale Motiv seiner Kriegsbegeisterung. Seine romantische Phantasie von einem erhebenden Kriegserlebnis stellte jedoch eine Fehlinterpretation der Realitat dar. Die individualisierten Anspruche an das Kriegserlebnis fanden weder in der unerwartet neuartigen Kriegsfuhrung, noch im eigentlichen Kriegsverlauf eine Entsprechung. Junger erlebte einen radikalen Desillusionierungsprozess, der mit der Negierung seiner Erwartungen an den Ersten Weltkrieg letztlich auch seine eigene Identitat in Frage stellte. Die spezielle Auseinandersetzung Ernst Jungers mit den unmenschlichen Erfahrungen des Stellungskrieges und sein ruckbezuglicher Umgang mit den gescheiterten Lebensplanen in In Stahlgewittern sollen zum Mittelpunkt der Betrachtung werden. Dabei wird zu prufen sein, wie aus der Perspektive einer enttauschten individuellen Erwartungshaltung der Krieg verarbeitet wurde und welche Auswirkungen die vom Autor gehegten, personlichen Vorstellungen, Hoffnungen und Interessen auf die Interpretation des Erlebten hatten. Um zu begreifen, von welchem Standpunkt aus Junger die Kriegserlebnisse betrachtet hat, soll in einem ersten Schritt unter Berucksichtigung der gesellschaftlich- kulturellen Bedingungen uberpruft werden, welche konkreten Erwartungen und Anspruche der Autor an seine Lebensrealitat herangetragen hat und mit welchen Zielsetzungen er sich freiwillig an die Front meldete. Besondere Aufmerksamkeit wird der sachli
 

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18 Bände Abenteuer Afrikanische Spiele Artillerie Artilleriebeschuss ausschließlich autobiographischen Autor Beobachtung und Verarbeitung berichtet Beschreibungen Blotzheim Daseinsform Deskription ehrenhaften eigene Situation eigenen Frontkarriere Eindrücke einzelnen Entsprechend entzieht erhofften Erlebnis Ernst Jünger Ersten Weltkrieg Erwartung und Realität Erwartungen und Ansprüche Erzählperspektive Folgenden zitiert Front Frontoffizier Frühwerk furchtbarsten Gewitter Gefechte Gegner Geist geprägt gescheitert Gesellschaft großen Heeres heldischen heroischen Heroismus Ideale illusionäre Neudeutung individuellen Infanterist Interpretation des Erlebten Jünger erlebte Jünger lässt Jüngers In Stahlgewitter Kampf Kampfsituation Kontext Kriegsausbruch 1914 Kriegserlebnisse Kriegsfreiwilligen Kriegsrealität Lebensplans Liebchen Meisenheim militärische Mittelmächte Müller muss nüchterne Oberhausen 2001 Offizier Offiziersideal ohnmächtigen personalen Zweikampf persönlichen Perspektive Pflicht und Ehre Positivismus positivistischen Prümm radikalen Realität in Ernst romantischen Phantasien Sachlichkeit Sämtliche Werke Schlachtfeld Schwilk Seitengewehr Selbstverwirklichung Sichtweise Soldaten sportsmäßige Stahlhelm Stefan Zweig stellt Stellungskrieges Stuttgart 1986 subjektiven Interpretation Text Trichterfeldern Trommelfeuer Unpersönlichkeit Verarbeitungsprozess Verknüpfungspunkte Volmert Vorraussetzung Vorstellungen voyeuristische weiterführenden wilhelminischen Wirklichkeit des Krieges zahlreichen Zielsetzungen Zusammenhang weist

Popular passages

Page 6 - Wir hatten Hörsäle, Schulbänke und Werktische verlassen und waren in den kurzen Ausbildungswochen zusammengeschmolzen zu einem großen, begeisterten Körper, Träger des deutschen Idealismus der nachsiebziger Iahre. Aufgewachsen im Geiste einer materialistischen Zeit, wob in uns allen die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach dem großen Erleben.
Page 21 - Um wieder klare Verhältnisse zu bekommen, erklärten wir uns feierlich den Krieg binnen drei Minuten nach Abbruch der Verhandlungen, und nach einem „Guten Abend" von seiner und einem „Au revoir!" von meiner Seite gab ich trotz dem Bedauern meiner Leute einen Schuß gegen sein Schutzschild ab, dem drüben sofort einer folgte, der mir fast das Gewehr aus der Hand geschlagen hätte.
Page 24 - Das weiß jeder, der sie in ihrem Reich gesehen hat, die Fürsten des Grabens mit den harten, entschlossenen Gesichtern, tollkühn, so sehnig, geschmeidig vor- und zurückspringend, mit scharfen, blutdürstigen Augen, Helden, die kein Bericht nennt.
Page 21 - Ihr dürft nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten. Ihr müßt stolz auf euern Feind sein: dann sind die Erfolge eures Feindes auch eure Erfolge.
Page 7 - Zweck dieses Buches ist, dem Leser sachlich zu schildern, was ein Infanterist als Schütze und Führer während des großen Krieges inmitten eines berühmten Regiments erlebt, und was er sich dabei gedacht hat.
Page 12 - Du kauerst zusammengezogen einsam in deinem Erdloch und fühlst dich einem unbarmherzigen, blinden Vernichtungswillen preisgegeben. Mit Entsetzen ahnst du, daß deine ganze Intelligenz, deine Fähigkeiten, deine geistigen und körperlichen Vorzüge zur unbedeutenden, lächerlichen Sache geworden sind. Schon kann, während du dies denkst, der Eisenklotz seine sausende Fahrt angetreten haben, der dich zu einem formlosen Nichts zerschmettern wird.
Page 15 - Ja, warum springst du nicht auf und stürzt in die Nacht hinein, bis du in einem sicheren Gebüsch wie ein erschöpftes Tier zusammenbrichst ? Warum hältst du noch immer aus, du und deine Braven ? Kein Vorgesetzter sieht dich. Und doch beobachtet dich jemand. Dir selbst vielleicht unbewußt, wirkt der moralische Mensch in dir und bannt dich durch zwei mächtige Faktoren am Platze : die Pflicht und die Ehre.
Page 20 - Tuchfühlung gedrängte Schützenlinie. Ich habe immer erfahren, daß in solchen Augenblicken der gewöhnliche Mann, der vollauf mit seiner persönlichen Gefahr beschäftigt ist, die scheinbar unbeteiligte Sachlichkeit des Führers bewundert, der inmitten der tausend entnervenden Eindrücke des Gefechts die Ausführung seines Auftrages klar im Auge hat. Diese Bewunderung hebt jeden ritterlich Gesinnten über sich selbst hinaus und spornt ihn zu immer größeren Leistungen an, so daß Führer und...
Page 15 - Paktoren am Platze: die Pflicht und die Ehre. Du weißt, du bist zum Kampfe an diesen Ort gestellt und ein ganzes Volk vertraut darauf, daß du deine Sache machst. Du fühlst, wenn ich jetzt meinen Platz verlasse, bin ich ein Feigling vor mir selbst, ein Lump, der später bei jedem Worte des Lobes...

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