Beobachtungen zu Ödön von Horváth "Geschichten aus dem Wiener Wald"

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GRIN Verlag, 2007 - 64 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 1994 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1, Universitat Wien (Institut fur Germanistik), Veranstaltung: "Buridans Osterreicher." Analysen zur osterreichischen Identitat in der Literatur der Zwischenkriegszeit, 32 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Literaturwissenschaftlicher Aufsatz uber Odon von Horvaths Volksstuck "Geschichten aus dem Wiener Wald", Abstract: In der vorliegenden literaturwissenschaftlichen Arbeit werden Odon von Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald" vorwiegend vor der Folie der historisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit der spaten Zwanziger und fruhen Dreissiger Jahre des vorigen Jahrhunderts gelesen. Es wird die These aufgestellt, dass Horvath quasi als Chronist seiner Zeit aus den gesellschaftlichen Befindlichkeiten und vor allem dem daraus resultierenden, deformierten Bewusstsein seiner Protagonisten dem Volksstuck neue Perspektiven und Moglichkeiten erschlossen hat und die Gattung damit letztlich weg von einer klassischen Dramenkonzeption hin zum modernen Drama gefuhrt hat
 

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Page 14 - Wir haben doch hier das erste und älteste Spezialgeschäft im ganzen Bezirk gnädige Frau bekommen die gewünschten Zinnsoldaten, garantiert und pünktlich! DIE GNÄDIGE FRAU: Also nochmals, nur damit keine Verwechslungen entstehen: drei Schachteln Schwerverwundete und zwei Schachteln Fallende auch Kavallerie bitte, nicht nur Infanterie und daß ich sie nur übermorgen früh im Haus hab, sonst weint der Bubi. Er hat nämlich am Freitag Geburtstag, und er möcht doch schon so lang Sanitäter spielen...
Page 16 - Da gibt es derbe Späße gemischt mit Rührseligkeiten, da ist hanebüchene Moral und billige Sexualität. Die Bösen werden bestraft und die Guten werden geheiratet, die Fleißigen machen eine Erbschaft und die Faulen haben das Nachsehen.
Page 8 - Bitte achten Sie genau auf die Pausen im Dialog, die ich mit »Stille« bezeichne - hier kämpft das Bewußtsein oder Unterbewußtsein miteinander, und das muß sichtbar werden.
Page 9 - Es hat sich nun durch das Kleinbürgertum eine Zersetzung der eigentlichen Dialekte gebildet, nämlich durch den Bildungsjargon. Um einen heutigen Menschen realistisch schildern zu können, muß ich also den Bildungsjargon sprechen lassen. Der Bildungsjargon (und seine Ursachen) fordern aber natürlich zur Kritik heraus - und so entsteht der Dialog des neuen Volksstückes, und damit der Mensch, und damit erst die dramatische Handlung - eine Synthese aus Ernst und Ironie.
Page 20 - Also, wie gesagt: Ich habe keine Heimat und leide natürlich nicht darunter, sondern freue mich meiner Heimatlosigkeit, denn sie befreit mich von einer unnötigen Sentimentalität.
Page 14 - Ich bin gleich fertig, Oskar! Die liebe Mariann hat nur wieder mal meine Sockenhalter verhext! RITTMEISTER Herr Zauberkönig! Dürft ich mir erlauben, Ihnen meine Sockenhalter anzubieten?
Page 6 - ... sauere Milch zusammen, ich hab sonst nichts da zum Antragen ALFRED Der Hierlinger Ferdinand darf ja gar keine sauere Milch essen, weil er eine chronische Nikotinvergiftung hat. Er ist ein hochanständiger Kaufmann. Ich hab öfters mit ihm zu tun. DIE MUTTER Geschäftlich? ALFRED Auch das.
Page 12 - ... Stumpfsinn. VALERIE Darf ich Ihnen etwas von meiner Salami, Herr Rittmeister? Erich bleibt der Brocken im Munde stecken; er fixiert gehässig den Rittmeister. RITTMEISTER Zu gütig, küß die Hand! Danke nein, ich kann unmöglich mehr — Er steckt sich zwei dicke Scheiben in den Mund. Ich hab heut nämlich schon zweimal genachtmahlt, weil ich Besuch hab — ich sitz dort hinten in der Gesellschaft. Ein Jugendfreund meines in Sibirien vermißten Bruders — ein Amerikaner. VALERIE Also ein Mister!...
Page 6 - ... eine chronische Nikotinvergiftung hat. Er ist ein hochanständiger Kaufmann. Ich hab öfters mit ihm zu tun. DIE MUTTER Geschäftlich? ALFRED Auch das. Stille. DIE MUTTER Bist du noch bei der Bank? ALFRED Nein. DIE MUTTER Sondern? Stille. ALFRED Ich taug nicht zum Beamten, das bietet nämlich keine Entfaltungsmöglichkeiten. Die Arbeit im alten Sinne rentiert sich nicht mehr. Wer heutzutag vorwärtskommen will, muß mit der Arbeit der anderen arbeiten.

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