Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum": Vom Animal zum Künstler: Das Psychogramm eines Duftgenies

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GRIN Verlag, 2007 - 116 pages
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Magisterarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Rheinisch-Westfalische Technische Hochschule Aachen (Institut fur Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft), 91 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in vier Hauptteile. Die beiden einleitenden ersten Teile sollen einen kurzen Uberblick uber das Thema Nase und Geruch geben. Zum einen wird der heutige Wissensstand uber die Thematik der Olfaktion skizziert; es wird erklart, wie die Nase aufgebaut ist und wie der Riechvorgang als solcher uberhaupt funktioniert. Neben der technisch-medizinischen Seite soll es aber auch und vor allem um den soziologischen Aspekt des Geruchssinnes gehen, Fragen, inwieweit Geruche unser alltagliches Leben beeinflussen, werden gestellt und beantwortet. Der dritte Teil dieser Ausarbeitung ist dem Roman als solchem gewidmet, an dieser Stelle soll es um die stilistischen Fahigkeiten des Autors gehen, insbesondere um die Vielseitigkeit dieses Romans. Der vierte Teil beschaftigt sich ganz mit der Hauptfigur: dem Verstossenen, dem Saboteur, dem Narzisst, dem Grossenwahnsinnigen, dem Amoralist, dem neuen Messias, dem Antichrist, dem schizophren-autistischen Monster, dem Morder und Genie - mit Jean-Baptist Grenouille. Es soll der Versuch gemacht werden, die Figur unter psychologischen Aspekten zu beurteilen und zu prufen, ob die Begriffe Schizophrenie" und Autismus" tatsachlich Anwendung finden konnen. Des Weiteren soll Grenouilles Verhaltnis zu den Menschen, das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein seiner sozialen Kompetenz, gepruft und seine animalische Struktur herausgearbeitet werden. Insbesondere soll es um die Entwicklung" Grenouilles vom Animal zum Kunstler gehen: Lasst sich Suskinds Geschichte, spielt sie doch im vorrevolutionaren Frankreich des 18. Jahrhunderts, auf die heutige Zeit anwenden und ist Grenouille als mahnender Fingerzeig unserer Geschichte zu verstehe
 

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Contents

Einleitung
1
Geschichte der Parfümerie
17
Der Roman
31
Die Figur Grenouille
58
Copyright

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Common terms and phrases

Popular passages

Page 45 - Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
Page 95 - Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält in derber Liebeslust Sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust Zu den Gefilden hoher Ahnen.
Page 18 - Örtern) als der Annehmlichkeit, die er verschaffen kann, und der Genuß durch diesen Sinn kann immer auch nur flüchtig und vorübergehend sein, wenn er vergnügen soll.
Page 34 - Die Künstler, denen es nur um eine CoenakelWirkung zu thun ist, war ich stets geneigt, gering zu schätzen. Eine solche Wirkung würde mich nicht befriedigen. Mich verlangt auch nach den Dummen. Aber das ist nachträgliche Psychologie. Bei der Arbeit bin ich unschuldig und selbstgenügsam.
Page 96 - Gegen Ende des Parfums ist ihm in jener Szene, in dem die Sensationssüchtigen vom plötzlich wohlduftenden Grenouille nichts wahrnehmen .als seine angemaßte Aura<, eine Apotheose von mythologischem Rang gelungen, eine grandiose Darstellung des Massenwahns, der Verführbarkeit der Menschen; genauer: der kaum zu begreifenden Wirkung eines widerlichen und verabscheuungswürdigen Verbrechers auf ein zivilisiertes Volk inmitten Europas. Muß man sagen, welches Ungeheuer Patrick Süskind meint, auf welches...
Page 21 - Zeit, von der wir reden, herrschte in den Städten ein für uns moderne Menschen kaum vorstellbarer Gestank. Es stanken die Straßen nach Mist, es stanken die Hinterhöfe nach Urin, es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck, die Küchen nach verdorbenem Kohl und Hammelfett; die ungelüfteten Stuben stanken nach muffigem Staub, die Schlafzimmer nach fettigen Laken, nach feuchten Federbetten und nach dem stechend süßen Duft der Nachttöpfe.
Page 48 - Vielen erschien dieses Erlebnis so grauenvoll, so vollständig unerklärlich und unvereinbar mit ihren eigentlichen moralischen Vorstellungen, daß sie es buchstäblich im Augenblick seines Stattfindens aus ihrem Gedächtnis löschten und sich infolgedessen auch später wahrhaftig nicht mehr daran zurückerinnern konnten. Andere, die ihren Wahrnehmungsapparat nicht so souverän beherrschten, versuchten, wegzuschauen und wegzuhören und wegzudenken was nicht ganz einfach war, denn die Schande war...
Page 19 - Sinnen! Diese Nase zum Beispiel, von der noch kein Philosoph mit Verehrung und Dankbarkeit gesprochen hat, ist sogar einstweilen das delikateste Instrument, das uns zu Gebote steht; es vermag noch Minimaldifferenzen der Bewegung zu constatiren, die selbst das Spektroskop nicht constatirt.
Page 34 - Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehorte

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