Bewegte Vergangenheit - Die Geschichtsphilosophie Walter Benjamins als Restauration der Zeit

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GRIN Verlag, 2007 - 52 pages
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Seminararbeit aus dem Jahr 2000 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, einseitig bedruckt, Note: sehr gut, Universit t Hamburg (Institut f r neuere deutsche Literatur), Veranstaltung: Seminar: Zitat, Allegorie, Name: Figurationen von Text und Geschichte im Werk Walter Benjamins, 12 Eintragungen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Geschichtsphilosophie Walter Benjamins ist ein zentraler Punkt in seinem Gesamtwerk. Sie umfasst alle Bereiche, in denen Benjamin Untersuchungen angestellt hat - Sprachphilosophie, Medientheorie, Literaturkritik und Kulturwissenschaft - und integriert sie in ihren eigenen theoretischen Komplex. So kann sie als paradigmatisch f r Benjamins Methode der Untersuchung gelten. Benjamins Geschichtsphilosophie kehrt sich von der vorherrschenden Auffassung einer chronologischen Geschichtsschreibung ab, die in der Aufz hlung von Geschehnissen besteht. Statt dessen versucht Benjamin eine Geschichtsschreibung zu schaffen, die die Objektivit t durchbricht und die Erfahrung des einzelnen Individuums in den Mittelpunkt des geschichtlichen Verst ndnisses stellt. Diese Theorie der Geschichte ist - wie jedes Geschichtskonzept - eng verbunden mit dem Zusammenhang zwischen Zeitverst ndnis und konkreten gesellschaftlichen Verh ltnissen. W hrend die chronologische Geschichtsschreibung aber die eindimensionale Abfolge der Zeit als Grundprinzip nimmt, schafft Benjamin ein relatives Zeitverh ltnis, welches sich von der Gegenwart her gr ndet. Dabei verbindet er materalistisches Gedankengut mit theologischen Grundmomenten zu einerrevolution ren, auf Erl sung gr ndenden Geschichtstheorie. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, auf welche Weise die Zeit Benjamins Geschichtsphilosophie bedingt und in welcher Form sie von ihm verstanden wird. Im ersten Teil stelle ich - ausgehend von Benjamins Verst ndnis der Vergangenheit als ungreifbarer, noch zu deutender Raum - die hermeneutischen Mittel dar, mit denen die Vergangenheit f
 

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Page 5 - Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen >wie es denn eigentlich gewesen ist<. Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt. Dem historischen Materialismus geht es darum, ein Bild der Vergangenheit festzuhalten, wie es sich im Augenblick der Gefahr dem historischen Subjekt unversehens einstellt.
Page 1 - Was die Wissenschaft >festgestellt< hat, kann das Eingedenken modifizieren. Das Eingedenken kann das Unabgeschlossene (das Glück) zu einem Abgeschlossenen und das Abgeschlossene (das Leid) zu einem Unabgeschlossenen machen.
Page 11 - C'est peine perdue que nous cherchions à l'évoquer, tous les efforts de notre intelligence sont inutiles. Il est caché hors de son domaine et de sa portée, en quelque objet matériel (en la sensation que nous donnerait cet objet matériel), que nous ne soupçonnons pas. Cet objet, il dépend du hasard que nous le rencontrions avant de mourir, ou que nous ne le rencontrions pas.
Page 6 - Das wahre Bild der Vergangenheit huscht vorbei. Nur als Bild, das auf Nimmerwiedersehen im Augenblick seiner Erkennbarkeit eben aufblitzt, ist die Vergangenheit festzuhalten.
Page 7 - Lesbarkeit« gelangen ein bestimmter kritischer Punkt der Bewegung in ihrem Innern. Jede Gegenwart ist durch diejenigen Bilder bestimmt, die mit ihr synchronistisch sind: jedes Jetzt ist das Jetzt einer bestimmten Erkennbarkeit. In ihm ist die Wahrheit mit Zeit bis zum Zerspringen geladen.
Page 6 - Dialektische Bilder sind Konstellationen zwischen entfremdeten Dingen und eingehender Bedeutung, innehaltend im Augenblick der Indifferenz von Tod und Bedeutung. Während die Dinge im Schein zum Neuesten erweckt werden, verwandelt die Bedeutungen der Tod in älteste.
Page 11 - Mais qu'un bruit, qu'une odeur, deja entendu ou respiree jadis, le soient de nouveau, a la fois dans le present et dans le passe, reels sans etre actuels, ideaux sans etre abstraits, aussitot...
Page 12 - Die Ewigkeit, in welche Proust Aspekte eröffnet, ist die verschränkte, nicht die grenzenlose Zeit. Sein wahrer Anteil gilt dem Zeitverlauf in seiner realsten, das ist aber verschränkten Gestalt, der nirgends unverstellter herrscht als im Erinnern, innen, und im Altern, außen. Das Widerspiel von Altern und Erinnern verfolgen, heißt in das Herz der proustschen Welt, ins Universum der Verschränkung dringen. Es ist die Welt im Stand der Ähnlichkeit und in ihr herrschen die »Korrespondenzen«,...

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