Canterbury Geschichten, Volume 1

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Bibliographischen Instituts, 1866 - History - 674 pages
 

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Page 100 - Davon will ich für jetzt nichts weiter sagen. Dreimal ist sie zum heil'gen Grab gezogen, Durchschiffte manches fremden Stromes Wogen, War in Bologna, war im heil'gen Rom, War in St. Jago und im Kölner Dom. Sie hatte viel erlebt auf Wanderschaft; Doch wahr zu reden : sie war ledcerhaft.
Page 117 - Doch bitt' ich erst von eurer Höflichkeit, Daß ihr es nicht als Ungezogenheit Mir auslegt, muß ich euch ganz einfach sagen, Wie Jeder sprach und wie er sich betragen, «« Und halt' ich treu an ihre Worte mich ; Denn selber wißt ihr ja so gut wie ich, Daß, wenn man einem Andern nacherzählt, Man pflichtgemäß dieselben Worte wählt Wie Jener und sich möglichst an ihn lehnt, Und sprach' er noch so roh und lang gedehnt.
Page 91 - Laun' und wohlgelitten. Des Hofes Art nach Kräften zu entfalten War sie bemüht, und stattlich sich zu halten, Sodaß man Ehrfurcht stets vor ihr empfand. Fragt ihr, wie es um ihr Gewissen stand? Mitleidig war sie, mild und sanft durchaus. Sie konnte weinen, wenn sie eine Maus Wund in der Falle oder todt gefunden. Man sah sie oft, wie ihren kleinen Hunden Sie Braten gab und Milch und Krümchen Brot; Und bitter weinte sie, war einer todt, Ja, macht' man nur durch einen Hieb ihm Schmerz.
Page 101 - Hab' und Gut. Bei Wen'gem lebt' er mit vergnügtem Mut. Weit war sein Kirchspiel und fernhin zersplittert. Und doch, wie sehr es regnet und gewittert, Blieb er bei Siechtum und bei Mißgeschick Die Fernsten zu besuchen nicht zurück — Zu Fuß, in seiner Hand den Wanderstab. Das Beispiel, das er der Gemeinde gab, War, erst zu handeln und hernach zu lehren.
Page 100 - Ein guter Mann aus heil'gem Stand war dort, Ein Pfarrer war's aus einem kleinen Ort; Arm und doch reich an Werken und Gedanken. Er war gelehrt und wollte sonder Wanken Das Evangelium Christi treu erklären Und die Gemeinde frommen Sinns belehren. Wohlwollend war er, immer diensthereit Und voll Geduld in Widerwärtigkeit. Das zeigt' er oft, wenn schwer er ward versucht.
Page 92 - Blank wie ein Spiegel war sein kahler Kopf Glatt wie mit Oel gesalbt sein Antlitz auch, Feist war der Herr und wohlgenährt sein Bauch. Die Augen traten steif aus dem Gesicht; Das dampfte — ärger dampft ein Backhaus nicht. Die Stiefel fein, das ROSS im höchsten Staat: Er war fürwahr ein stattlicher Prälat.
Page 93 - So tonnt' er denn im voraus schon verkünden, Wenn Einer gab, ihn reuten seine Sünden. Denn mancher Mensch hat solch ein hartes Herz, Daß er nicht weint, ist noch so groß sein Schmerz. Drum statt des Weinens und der frommen Lieder Genügt ihm Silber für die armen Brüder. Sein Kragen war stets voll von hübschen Dingen, Messern und Nadeln, schönen Frau'n zu bringen. Auch seine Stimme war von gutem Klang; Er war geübt in Spiel und in Gesang; Und beim Erzählen trug er stets den Preis. Dann halt'...
Page 328 - ... nie betrüb' in meinem Leben ; Oder wollt ihr mich schön und jung nur sehn, Und wollt den Kampf mit dem Besuch bestehn, Der meinetwegen eures Hauses Pforte Umlagern wird — vielleicht auch andre Orte?" Mit einem leisen Schauer schluckt der Ritter auch die dritte Pille hinab und spricht: Nachdem er tief geseufzt, in dieser Weise: „Gattin, Geliebte, theures Weib! so weise Ist euer Wort, ich will mich gern euch fügen.
Page 91 - Aug', ihr Naschen fein gestreckt, Ihr Mund sehr klein und sanft und roth dabei, Und ihre Stirn vor allem schön und frei; Sie mochte breit fast eine Spanne sein.
Page 99 - Ein gutes Weib war da ; sie war nicht weit Von Bath ; doch etwas taub, das that mir leid. Als Tuchfabrik war so berühmt ihr Haus, Sie stach am Markte Gent und Cypern aus. Kein Weib im Kirchspiel, die sich unterfing, Dass sie vor ihr zum Messehören ging. Und that es Eine, wurde sie so schlimm, Dass die der Andacht ganz vergass vor Grimm.

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