Christian Gottlob Heyne: biographisch dargestellt

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J. F. Römer, 1813 - 522 pages
 

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Page 7 - ... ward in der größten Dürftigkeit gebohren und erzogen. Der frühste Gespiele meiner Kindheit war der Mangel; und die ersten Eindrücke machten die Thränen meiner Mutter, die für ihre Kinder kein Brod wußte. Wie oft sah ich sie Sonnabends mit weinenden Augen die Hände ringen, wenn sie mit dem was der angestrengte Fleiß und selbst durchwachte Nächte des Gatten gefertigt hatten, wieder nach Hause kam, ohne den Käufer gefunden zu haben. Zuweilen ward ein neuer Versuch durch meine Schwester...
Page 154 - ... Dichter und Künstler vorschreibt, und es ist wohl kein Zweifel, daß man den Satz gemeiniglich zu crude genommen hat. Wie selten ist aber nicht bei den Kunstrichtern das feine Gefühl, der Geschmack, welchen Lessing überall zu Tage legt, und der ihn hauptsächlich geführt hat? Selbst Winckelmann hat weniger von dieser Gabe des Himmels, und seine großen Kenntnisse und scharfe Blicke sind mehr auf Nebendinge, auf das Detail gerichtet.
Page 121 - Oeconomie und Geschichte ein. Man war beschränkt auf das Personale, das auf der Universität sich vorfand; Alles war daher gleich anfangs lückenhaft; bis man nach und nach einsah, es gehörten in eine solche Verbindung diejenigen Wissenschaften, welche neue Erweiterungen und Entdeckungen nicht bloß durch Nachdenken, sondern durch Wahrnehmungen, Versuche, tiefere Einsichten in die Natur, Verfolgung und Anwendung des Bekannten auf das noch nicht Erkannte usw gestatteten und versprachen.
Page 18 - Unser Rector der gute Hager, der selbst den Homer hat abdrucken lassen, gab noch Privatstunden über die eine und andere Rhapsodie. Aber dem guten Mann wollte es mit seinem Unterrichte nicht glücken; .es fehlte ihm überall an den Elementen selbst. Dieses hatte sehr nachthcilige Folgen für mich.
Page 7 - Noth zwang den Armen, ein Paar Groschen weniger seinen Schweiß zu verkaufen; und die Einbuße durch Darben wieder zu ersetzen. Diese Art von Anblick war dasjenige, was den ersten Funken von Empfindlichkeit in meinem kindischen Herzen rege machte. Statt von dem Schimmer der Wohlhabenheit dieser Reichen, die sich von gedarbten Brosamen so vieler Hunderte nährten, mich zur Furcht oder Scheu blenden zu lassen, war ich mit Grimm gegen sie erfüllt. Das erstemal, da ich in der Schule von Tyrannenmord...
Page 7 - Werth und Arbeitslohn abbrechen. Die Noth zwang den Armen, ein Paar Groschen weniger seinen Schweiß zu verkaufen; und die Einbuße durch Darben wieder zu ersetzen. Diese Art von Anblick war dasjenige, was den ersten Funken von Empfindlichkeit in meinem kindischen Herzen rege machte. Statt von dem Schimmer der Wohlhabenheit dieser Reichen, die sich von gedarbten Brosamen so vieler Hunderte nährten, mich zur Furcht oder Scheu blenden zu lassen, war ich mit Grimm gegen sie erfüllt. Das erstemal,...
Page 122 - Begriffene. 2. alles blos speculative und auf metaphysische Begriffe sich gründende, folglich auch Alles, was auf diese gegründet werden soll: und dadurch war gleich die wahre Richtung der Beschäftigungen der Societät gefunden: das Anwendbare, wirklich für das Leben nützliche, durch angestellte Versuche, Erfahrung*"*), Prüfung Erprobte; also wohin die Fächer der mathematischen und physischen Wissenschaften gehören.
Page 26 - Aeußcrliches konnte mich nicht empfehlen ; gleichwohl' erlaubte er mir zu ihm zu kommen ; reichte mir ein Buch ; ließ mich in einem Zimmer sitzen; unterhielt sich zuweilen mit mir; gab mir auch wohl einige Lehren über das Schickliche und Unschickliche.
Page 154 - Vgl. Heeren, Heyne's Leben S. 154: „Den Laokoon des Herrn Lessing habe ich auf einer kleinen Reise mit wahrem Vergnügen gelesen. Es kann nichts richtiger seyn, als die Bestimmung der Grenzen in der Nachahmung, welche er dem Dichter und Künstler vorschreibt, und es ist wohl kein Zweifel, daß man den Satz gemeiniglich zu crude genommen hat. Wie selten ist aber nicht bei den Kunstrichtern das feine Gefühl, der Geschmack, welchen Lessing überall zu Tage legt, und der ihn hauptsächlich geführt...
Page 25 - Aeußern; und das Bewußtseyn des Linkischen im gesellschaftlichen Leben. Das Meiste wirkte auf mich der Trotz gegen das Schicksal. Dieser gab mir Muth nicht zu unterliegen; überall es darauf ankommen zu lassen, ob ich ganz in Staub solle, und müsse liegen bleiben. Ein einziges gutes Herz fand ich an dem Mädchen...

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