Das "Andere" in Robert Musils Novelle "Grigia"

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GRIN Verlag, Jan 23, 2007 - Literary Criticism - 22 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 20 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Ein zentrales Problem von Musils ́ Schaffen war das des „anderen Zustands“, der nur in bestimmten Ausnahmezuständen, wie zum Beispiel in Traum, Trance, Rausch und Ekstase, erfahrbar ist. In seinen Lektüren sucht Musil eine Bestätigung dieser Grunderfahrung. Das Suchen nach diesem Zustand kommt in zahlreichen Variationen im Werk zum Ausdruck, denn es ist ein Hauptanliegen Musils das in diesem Zustand auftretende Verhalten herauszufinden. Dies ist auch in seinem Triptychon der „Drei Frauen“ der Fall, weshalb wir uns zu Beginn mit dem Thema des anderen Zustands an sich beschäftigen und die Frage klären, was der andere Zustand überhaupt bedeutet. Weiterführend wird dann der Zusammenhang zur Dichtung und zur Weiblichkeit herausgearbeitet. Die sinnlichen und leiblichen Erfahrungen sind eng verbunden mit dem Bereich der Weiblichkeit, denn die Frau scheint durch ihre Kreatürlichkeit und Unintellektualität näher am Ursprung und am Zustand der Schöpfung als der Mann, der den Bereichen von Logos und Zweckrationalität näher steht. So stellen die Frauenfiguren in Musils ́ Werk oft Positionen gesellschaftlicher Unverdorbenheit dar und bezeichnen somit den Raum außerhalb des männlich-rationalen Zugriffs. Besonders in seiner Novellensammlung der „Drei Frauen“ stellen diese den letzten Rest einer verlorengegangenen Ganzheitlichkeit dar, die allein in Tod und Erotik, als die letzten Residuen verdrängter Natur, noch erfahrbar sind. Musil argumentiert hier in der Tradition übernommener Geschlechterklischees, die im Gegensatz zum Männlichen, positiv besetzt sind. Die weiblichen Eigenschaften wie Passivität und Distanz bilden eine ideale Vorraussetzung für das Erlebnis des anderen Zustands. Sie bedeuten nicht ein Unbeteiligtsein des Ichs, sondern die unmittelbare Bezogenheit auf die Dinge, wobei nur „durch das Fehlen der Gebärden des Zupackens die Distanz aufrecht erhalten wird.“ Auch in „Grigia“ verkörpert die Frau das „Andere“, Ursprüngliche und führt den Mann hin zu seinem ureigensten Sein.
 

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