Das "Ich" und Anna O.: Ingeborg Bachmanns "Malina" im Kontext der Freudschen "Studien ueber Hysterie"

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GRIN Verlag, Aug 7, 2006 - Literary Criticism - 24 pages
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„Freud, Adler und Jung gelesen bei 360 Watt in einer einsamen Berliner Straße“1hat das namenlose „Ich“ in Ingeborg Bachmanns Roman „Malina“ - dass nicht nur die Erzählerin des Romans, sondern auch dessen Autorin sich mit der Psychoanalyse und den ihr vorangegangenen Theorien über das „Seelenleben“2des Menschen beschäftigt hat, davon ist auszugehen. Wer mit Freuds und Breuers „Studien über Hysterie“ vertraut ist, erkennt im Verlauf des gesamten Romans untrügliche Zeichen hysterischer Symptomatik an der Figur des „Ichs“. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Hysterie-Theorie, die mir als Fundament für die textnähere Interpretation des Romans unerlässlich erscheint, möchte ich mich im zweiten Kapitel zunächst diesen Symptomen zuwenden, um in den darauffolgenden Kapiteln dann näher auf Ursachen der Krankheit, ihre Fortwirkung im Symptom, Strategien und schließliches Scheitern des Ichs einzugehen. In der vorliegenden Arbeit habe ich an vielen Stellen Inge Röhnelts Dissertation über „Hysterie und Mimesis in ‚Malina’“ herangezogen, deren Thesen mir größtenteils einleuchtend erscheinen; an einigen Stellen konnte ich auf eine kritische Distanzierung jedoch nicht verzichten. Angesichts der Wissenschaftsgeschichte, die zwischen Freuds Theorien und deren Rezeption durch Bachmann liegt - und eine Reihe neuer Erkenntnisse hervorgebracht hat, die gerade für „Malina“ durchaus relevant sind - möchte ich ungern völlig auf eine Beleuchtung des Romans aus beispielsweise Lacanscher Perspektive verzichten. Andererseits würde es natürlich den Rahmen einer Hausarbeit sprengen, diese jüngeren Theorien erschöpfend zu behandeln; denn primär möchte ich mich ja mit „Malina“ im Kontext der „Studien über Hysterie“ beschäftigen. An einigen Stellen erlaube ich mir also Überlegungen, die Freud hinter sich lassen, meiner Meinung nach aber unbedingt in die Interpretation des Romans gehören; ansonsten versuche ich, eine direkte Linie zwischen dem Ich in „Malina“ und Breuers Patientin Anna O. zu ziehen, auf die ich mich angesichts der Vielzahl der Krankheitsstudien beschränken möchte. [...]

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