Das Minimalstaatskonzept Wilhelm v. Humboldts

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GRIN Verlag, 2007 - 60 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 1998 im Fachbereich Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte, Note: 14 Punkte, Universitat Augsburg (Juristische Fakultat), Veranstaltung: Seminar: Klassische und moderne Minimalstaatskonzepte, Sprache: Deutsch, Abstract: Im enorm vielseitigen und facettenreichen Lebenswerk Wilhelm von Humboldts ist sein staatstheoretisches Schaffen von geringerem Umfang und ist auch wesentlich weniger bekannt als z. B. sein Wirken in Bildungspolitik, Naturlehre, Sprachwissenschaft oder Asthetik. Nichtsdestoweniger lohnt sich die Beschaftigung mit Humboldts liberaler Staatstheorie, besonders in unseren Tagen. Das Schlagwort des Neoliberalismus erfreut sich wachsender Beliebtheit in Medien und Politik. Vor dem Hintergrund der Globalisierung wird angesichts uberlasteter Sozialsysteme und uberbordender Staatsverschuldung der Ruf nach einer Erneuerung des Liberalismus jedoch fast ausschliesslich wirtschaftlich begrundet und (miss-)verstanden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Begriff Liberalismus vielschichtiger ist und nicht nur die Freiheit des Wirtschaftens meint. Wer den Begriff nur wirtschaftlich versteht, verpasst einen grossen Teil der interessanten Ideen, die diese geschichtlich machtvolle Stromung beinhaltet. Wilhelm von Humboldt kommt auf dem Weg der Philosophie zu seiner (politisch) liberalistischen Staatsauffassung, indem er uns einen weitgehend individualistisch-anthropologisch begrundeten Weg zu seiner Staatstheorie zeigt. Der Mittelpunkt von Humboldts Argumentation ist namlich - wie in seinem gesamten Lebenswerk - sein Bild vom Menschen und dessen Lebenszweck . Von dieser Grundidee leitet Humboldt seine Verhaltensmassregeln fur den Staat gegenuber dem Burger ab. Niedergelegt und erlautert sind diese Gedanken in dem Buch Ideen zu einem Versuch die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen." In dieser Arbeit soll versucht werden, die theoretischen Grundlagen von Humboldts liberalist
 

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Page 6 - Der wahre Zweck des Menschen, nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt - ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.
Page 15 - Grundsatzes nämlich: dass der Staat sich schlechterdings alles Bestrebens, direkt oder indirekt auf die Sitten und den Charakter der Nation anders zu wirken, als insofern dies als eine natürliche, von selbst entstehende Folge seiner übrigen schlechterdings / nothwendigen Maassregeln unvermeidlich ist, gänzlich enthalten müsse, und dass alles, was diese Absicht befördern kann, vorzüglich alle besondere Aufsicht auf Erziehung, Religionsanstalten, Luxusgesetze usf schlechterdings ausserhalb der...
Page 5 - Princip zum Grunde meines ganzen Raisonnements legen zu dürfen, als das, welches allein auf den Menschen — auf den doch am Ende alles hinauskommt — Bezug nimmt, und zwar auf das an dem Menschen, was eigentlich seiner Natur den wahren Adel gewährt.
Page 7 - Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein : sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.
Page 19 - Müssiggang vorziehn. Auch wächst die Idee des Eigenthums nur mit der Idee der Freiheit, und gerade die am meisten energische Thätigkeit danken wir dem Gefühle des Eigenthums.
Page 11 - ... genaueste Aufsicht,, auf die pünktlichste und ehrlichste Besorgung an, da der Gelegenheiten in beiden zu fehlen, so viel mehr sind. Daher sucht man, insofern, nicht mit Unrecht, alles durch so viel Hände als möglich gehen zu lassen und selbst die Möglichkeit von Irrthümern oder Unterschleifen zu entfernen. Dadurch aber werden die Geschäfte beinahe völlig mechanisch und die Menschen Maschinen; und die wahre Geschicklichkeit und Redlichkeit nehmen immer mit dem Zutrauen zugleich ab.
Page 18 - Jahrhunderten gewirkt hat; allein nur die schnellen nicht. Die Frucht wäre langsamer, aber dennoch gereift. Und sollte sie nicht segenvoller gewesen sein?
Page 11 - Daher nimmt in den meisten Staaten von Jahrzehent zu Jahrzehent das Personale der Staatsdiener und der Umfang der Registraturen zu und die Freiheit der Untertanen ab. Bei einer solchen Verwaltung kommt freilich alles auf die genaueste Aufsicht, auf die pünktlichste und ehrlichste Besorgung an, da der Gelegenheiten, in beiden zu fehlen, so viel mehr sind. Daher sucht man insofern nicht mit Unrecht, alles durch so viel Hände als möglich gehen...

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