Das Neuron in Anatomie und Physiologie: Vortrag gehalten in der gemeinschaftlichen Sitzung der medizinischen Hauptgruppe der 72. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu Aachen ... 1900

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Max Verworn
Gustav Fischer, 1900 - 54 pages
 

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Page 52 - Oculomotoriuskernes (Fortschritte d. Medicin 1896. 6, S. 201). Die Veränderungen der Zellen des Oculomotoriuskernes wurden an zwei Katzen beobachtet, welche 13, respective 3 Tage nach intracranieller Durchschneidung ihres einen N. oculomotorius gelebt hatten. Die Färbung der Schnitte geschah theils...
Page 53 - Der Kern der Neuronlehre liegt, wie schon Eingangs betont, in der Auffassung des Ganglienzellkörpers mit seinem Nervenfortsatz und seinen Dendriten als cellulare Einheit. Ob die einzelnen Neurone immer nur durch blossen Contact zusammenhängen, oder ob in manchen Fällen continuirliche Uebergänge oder selbst reichliche Anastomosen zwischen ihnen bestehen durch Fibrillen oder protoplasmatische Concrescenzen, das...
Page 29 - Untersuchungen Positives in dieser Frage herausgekommen ist, so muss man wiederum sagen: unbestrittene Thatsachen nicht, und es bleibt auch hier wieder abzuwarten, was die Zukunft allmählich als gesicherte Erkenntniss feststellen wird. Wenn man aber auf Grund der neueren Forschungen sich ein Bild machen will, das die meiste Wahrscheinlichkeit für sich hat, so wird man annehmen können, dass die Neurone bei erwachsenen Individuen in vielen Fällen durch directe Continuität ihrer lebendigen Substanz...
Page 38 - dass die Ganglienzellen (dh der kerntragende Theil des Neurons) zu den wesentlichen Erscheinungen des Reflexes nicht nothwendig sind, dass nämlich der Muskeltonus nicht von der Ganglienzelle besorgt wird, dass ein geordneter Reflex ohne Ganglienzelle möglich ist und ihre Anwesenheit zum Zustandekommen der Reizsummation nicht nöthig ist.
Page 47 - Energie der Sinnessubstanzen" anführen. Indessen mögen die mitgeteilten Beispiele genügen. Sie zeigen alle übereinstimmend zur völligen Evidenz, dass die Annahme einer kontinuierlichen und funktionell überall gleichartigen Fibrillensubstanz als alleiniges Substrat der nervösen Vorgänge sich mit den physiologischen Thatsachen nicht vereinigen lässt. Die Physiologie hat gute Gründe gehabt, als sie die spezifisch-nervösen Vorgänge in die Ganglienzellen verlegte und sie hat heute noch viel...
Page 4 - Bedürfniss hervorrufen, seine Geheimnisse zu ergründen. Allein acut geworden ist das Interesse der letzten Jahre doch erst durch eine Lehre, die es vermocht hat, mit einer einzigen Vorstellung wunderbare Klarheit zu verbreiten über das scheinbar so hoffnungslose Gewirr von Zellen und Fasern, welches das Substrat der Vorgänge im Nervensystem bildet, ich meine durch die Lehre vom Neuron.
Page 54 - Auch wenn es sich herausstellen sollte. dass in manchen Neuronen eine Leitung unter Umgehung des Ganglienzellkörpers stattfinden kann, so thut das der Fruchtbarkeit der Neuronlehre für die physiologische Forschung keinen Abbruch. Der Begriff' des Neurons und damit die Neuronlehre selbst wäre erst dann und nur dann erschüttert, wenn es gelungen wäre, zu zeigen, dass das, was wir als eine cellulare Einheit betrachten, in Wirklichkeit aus mehreren Zellen besteht.
Page 43 - Function des Ganglienzellkörpers handelt es sich nicht bloss um den einen Punkt, ob die Erregungsleitung den Zellkörper passire oder nicht, es handelt sich hier noch um etwas für den Physiologen viel Wichtigeres, nämlich um die Frage, ob und wieweit die Ganglienzelle im...
Page 44 - AD und JOSEPH eingehen, nach denen die Erregungsleitung im Centrum mehr Zeit in Anspruch nimmt, als im peripheren Nerven. Ich will auch nicht näher eingehen auf die schon von SEMI MEYER mit Recht geltend gemachte Thatsache, dass HERMANN und BERNSTEIN bei Reizung des motorischen Nerven keine „negative Schwankung des Ncrvenstromes...
Page 40 - Versuch nic-ht beweist, ist, dass die Ganglienzelle zum Zustandekommen des Reflexes, wenn auch nur für kurze Zeit, entbehrlich wäre, und dass der Erregungs oder Leitungsvorgang die Ganglienzelle überhaupt nicht passire. Die Einschränkung BETHE'S, dass er nur den kernhaltigen Theil des Ganglienzellkörpers gemeint habe, möchte ich noch besonders hervorheben. BETHE erkennt damit an, dass andere Theile des Protoplasmas noch erhalten geblieben sind.

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