Das Novellenbuch; oder, Hundert Novellen: nach alten italienischen, spanischen, französischen, lateinischen, englischen und deutschen, Volume 1

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Eduard von Bülow
F.A. Brockhaus, 1834 - Fiction
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Page xvi - ... unschuldiger und erträglicher als die seines Vorfahren Pigault Le Brün. — Ein merkwürdiger Mann, Retif de la Bretonne, machte sich schon vor der Revolution bekannt. Er gehört zu jenen Autoren, die zu viel geschrieben haben, um sich einen dauernden Ruf zu erhalten. Wo er gut ist, ist er vortrefflich, und wo er schlecht wird, ist er vielleicht schlechter, als irgend ein Schriftsteller. Die sogenannte Wirklichkeit, das Leben der kleinen Gesellschaft, die Tugenden und Gebrechen dieser hat er...
Page x - Genius zeigte, wie das Alltägliche und Geringe den Schimmer und die Farbe des Wunderbaren annehmen könne, und seitdem besitzen wir die Erzählungen und Darstellungen aus der wirklichen Welt, jene Zufälligkeiten und Schwächen des Lebens, die zuletzt auch nicht die niedrigsten Armseligkeiten verschmäht haben. Galt der Abschreiber der Jämmerlichkeit doch seitdem jezuweilen für einen Dichter. Seit Cervantes hat sich in Spanien kein ausgezeichneter Erzähler gemeldet.
Page iii - Das Novellenbuch; oder Hundert Novellen, nach alten italienischen, spanischen, französischen, lateinischen, englischen und deutschen bearbeitet von Eduard von Bülow. Mit einem Vorworte von Ludwig Tieck«.
Page vi - Begeistrung verwechselt, wird nie etwas hervorbringen, das ihn überlebt. Die Zeit selbst vertritt die Stelle der Kritik und bewahrt das auf, was würdig, macht vergessen, was unbedeutend ist. Oft trifft sie es recht und ergänzt oder ersetzt die wahre Kritik; oft aber ist sie nur vergeßlich wie das Alter, und es hat sich wohl getroffen, daß ächte Kunstwerke auf eine Zeit lang in die Polterkammer gelegt, oder manierirte Dichtungen als Muster in spätere Jahre herübergeschleppt wurden.
Page 55 - Justiz-Collegio angestellt, konnte man kaum daran zweifeln, dass ich in dieser Stadt meine Lebensbahn vollenden würde, v. Bülow, Nov. I, 55 : Allein u. zu solcher Tageszeit verlassen im Walde, ist ein Schauder das erste Gefühl, welches sie durchzuckt. Brachv.
Page vi - Dichter, der große Künstler ist ein Sohn seiner Zeit: in seinen Produktionen spiegelt sich das Beste des Jahrhunderts, dessen Streben, die wahre Bildung, und Vergangenheit und Zukunft sind in den Reflexen der Lichter erkennbar. Mode, Stimmung, Vorurtheil, Krankheit, Fanatismus und Leidenschaft gehören der Zeit, machen sie aber nicht, sind nicht diese. Ein Autor, der nur dem Zufälligen nachgeht, mit dem Strome schwimmend, das Nichtige für das Wahre hält...
Page 306 - Vorkehrung, schlachtete zwei der größten Böcke seiner Heerde, denen er die Felle zu Schläuchen abzog, und deren Fleisch er dergestalt zubereitete, daß es ihnen auf den langen und öden Wegen ausreichende Nahrung sei, und nahm den ersten günstigen Augenblick wahr, mit seiner Leidensgenossin bei einbrechender Nacht...
Page x - Viele schimmern, so hinken durch Convenienz und falsche Poesie die meisten Novellen des Lope, des Montalban, und "vieler Andern, wenn Einzelnes auch vortrefflich zu nennen ist, und nur wenige Erzählungen von diesen Fehlern auszunehmen sind. Hier steht nur Cervantes mit seinen leuchtenden Novellen und seinem einzigen „Don Quirote", dem ersten modernen Roman, auf einer noch bis jetzt unerreichten Höhe.
Page xv - Jahrzehend irre geleitet haben. Diese Lust am Scheußlichen, den körperlichen Martern, einer mehr als feigen Todesangst inmitten der furchtbarsten Grausamkeit, alles dies, indem es gefällt und hinreißt und immer wieder Nachahmer entzündet, erscheint als ein sehr bedenkliches Krankheits-Symptom: es ist ein gewaltsamer Galvanismus, nicht bloß für übersatte und erschlaffte, sondern für völlig erstorbene Gemüter: ähnlich den Romanen des Jüngern Crebillon zur Zeit Ludwigs XV.
Page xviii - Meister" von Göthe beginnt die glänzende Periode unsrer Roman- und Novellen-Literatur (denn „Werther" gehört wohl in eine andere Region) , und eben so verkünden seine „Wahlverwandschaften", wie die kleineren Erzählungen, den vollendeten Künstler. Ueber die „Wanderjahre W. Meisters" wird die Kritik wohl eine andre Meinung haben dürfen.

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