Das edle Blut: Erzählung

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D.C. Heath, 1900 - 84 pages
 

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Page 31 - Der Körper des Geschlagenen wälzte^ sich förmlich auf dem Tische, so daß die Kadetten ihn kaum an den Händen und Füßen festzuhalten vermochten. Das kleine L. hatte beide Arme um den Kopf des Bruders geschlungen und drückte ihn mit krampfhafter Gewalt an sich. Seine Augen 20 waren ganz weit aufgerissen, sein Gesicht wie der Kalk an der Wand, sein ganzer Körper zitterte.
Page 31 - Der Junge bäumte ^ sich förmlich auf unter dem furchtbaren Hiebe und wollte schreien; in dem Augenblicke aber stürzte das kleine L. auf ihn zu, nahm seinen Kopf in beide Hände und drückte ihn an sich. „>Schrei' nicht/ flüsterte er ihm zu, .schrei' nicht, sonst w kommt alles 'raus!
Page 29 - L nickte stumm ; seine Gesinnung stand ja ganz auf der Seite derer, die seinen Bruder anklagten. Der Kadett überlegte einen Augenblick, dann wandte er sich an die anderen: ,Ich mache einen Vorschlag,' sagte er, .wir wollen L. I, wenn's nicht sein muß, nicht fürs Leben unglücklich machen. Wir wollen probieren, ob er noch anständige Gesinnung im Leibe hat. L. I soll selber wählen, ob er will, daß wir ihn anzeigen, oder daß wir die Sache unter uns lassen, ihn gehörig durchprügeln, und daß...
Page 35 - In demselben Augenblicke aber ist das kleine L. von seinem Platze auf, um den Bruder herum, hat sich an dessen Stelle neben den langen K. gesetzt, dessen Hand gepackt und mit allen Leibeskräften auf die Bank aufgestoßen, daß der 20 lange Schlacks laut aufschreit vor Schmerz.
Page v - Richtung seiner Augen zu folgen und zu erforschen, was jener Geheimnisvolles sieht? — Ich für meine Person, wenn ich gefragt würde, ob ich mich zu dieser starken Menschenart zähle...
Page 11 - Iahre, die hinter ihm verrauscht waren, Gestalten vor ihm auf, die jung gewesen waren, als er jung war, und die nun waren — wer sagte mir, wo? Die Flasche, die uns der Küfer brachte und vor uns auf den Tisch stellte, enthielt einen köstlichen Trank. Ein alter Bordeaux, ganz braun und ganz ölig, floß in unsere Gläser. Ich nahm den Ausdruck auf, den der Alte vorhin gebraucht hatte: „Das muß ich sagen, Herr Oberst, es ist wirklich ein edles Vlut.
Page 34 - Also, eines Tages hatten wir Physikstunde.' Der Lehrer machte uns Experimente an der Elektrisiermaschine vor, und 25 es sollte ein elektrischer Schlag durch die ganze Klasse geleitet werden. „Zu dem Ende mußte ein jeder dem Nebenmanne die Hand geben, damit die Kette hergestellt würde. „Wie nun das große L., das neben dem langen K. sitzt, dem die Hand hinhält, schneidet ' der Lümmel ein Gesicht, als sollte er eine Kröte anfassen, und zieht die Hand zurück. „Das große L. sank ganz lautlos...
Page vi - Zigarren» qualm, und durch das Gewölk hindurch vernahm man die grämlichen, verrosteten Stimmen, die sich über die neuesten Ereignisse in der Rangliste unterhielten. Der alte Oberst war auch Stammgast in der Weinstube, aber er kam nicht zur Stunde des allgemeinen Appells, sondern später, am Nachmittag. Er war eine einsame Natur. Man sah ihn selten mit anderen zusammengehen; seine Wohnung lag in der Vorstadt, jenseits des Stroms, und aus ihren Fenstern blickte man in das weite Wiesengelände hinaus,...
Page 10 - ich bin gern bereit, eine Flasche mitzutrinken." Er erlaubte es, und offenbar nicht ungern. Er schob dem Küfer die Weinkarte zu, unterstrich mit dem Zeigesinger eine Sorte und sagte im Befehlshabertone : „Davon eine Flasche." „Das ist eine Marke, die ich kenne," wandte er sich zu mir, indem er den Hut auf den Stuhl warf und sich an den Tisch setzte, „ein edles Blut.
Page 28 - Absätzen heraus — ,wird er aus dem Korps geschmissen — und was soll dann aus ihm werden?' „Alles verstummte; wir wußten, daß der Junge ganz recht hatte, und daß das die Folge davon sein würde, wenn wir ihn anzeigten. Dabei wußten wir auch, daß sein Vater...

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