Das Wesen der deutschen bildenden Kunst

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Teubner, 1918 - Art - 133 pages
 

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Page 36 - Ich blick' in die Ferne, Ich seh' in der Näh' Den Mond und die Sterne, Den Wald und das Reh. So seh' ich in allen Die ewige Zier, Und wie mir's gefallen, Gefall' ich auch mir. Ihr glücklichen Augen, Was je ihr gesehn, Es sei wie es wolle, Es war doch so schön!
Page 131 - Lockerung der für die 3teinplastik maßgebenden 3tilgesetzlichkeiten erkennen läßt. Kber auch eine solche Erklärung genügt nicht, 'da das ästhetische Moment der gotischen Vaukunst ja selbst zu den Erscheinungen gehört, für die wir die Erklärung suchen. Diese ergibt sich nicht aus äußeren, immer nur mitwirkenden Ursachen, sondern aus eben jener wesenhaften inneren, die wir kurz in den Worten zusammenfaßten: die deutsche Kunst ist Wesensausdruck...
Page 136 - Wage, schon aber zeigt es sich, daß jeneVilder, in denen die Farbe vorwiegend den sinnlichen Eindruck bestimmt, uns ästhetisch mehr befriedigen, wenn auch häufig eine Überfülle mannigfaltiger Farben, wie dies auch bei Dürer zumeist noch der Fall ist, bunt und beunruhigend wirkt. Den oben geschilderten formalen Mängeln arbeitet also der Farbensinn entgegen. Mit welchem Erfolge, wird uns bewußt, wenn wir uns die bezaubernden Farbenharmonien Holbeins, die verklärenden, ja berauschenden Achtvisionen...
Page 136 - Naturgefühl zueinander stehen, insofern der erftere voll sich nur in der schilderung eines landschaftlichen Naturganzen entfalten und das Naturgefühl nur durch die Verwendung malerischer stimmungsmittel sich befriedigen kann. Das heißt also: der Deutsche findet sein Ideal nicht in dem schönen Menschen, für dessen Gestaltung das plastische Formgesetz maßgebend ist, sondern in dem schönen Naturganzen, bezüglich dessen das malerische Farbengesetz gilt, und den Veweis da. für erbringt einerseits...
Page 137 - Ganzes einzufügen, so kommt es im wesentlichen nicht mehr auf seine schönheit, sondern auf die des Ganzen an, deren Vestandteil er ja ist. Nur als solcher wirkt er, wobei es natürlich sehr verschiedene Grade der ihm zufallenden größeren oder geringeren Vedeutung gibt. Man sieht also, wie sehr sich das ästhetische Problem verändert und welche erwünschte Freiheit von den strengen Anforderungen der linearen Gesetz?
Page 134 - Ruhe vollständig aufhebt. Nirgends kann unser Vlick verweilen, sondern wird unaufhaltsam in die Höhe gezogen. Es ist zu begreifen, daß die Italiener dazu kamen, den gotischen stil, nachdem sie ihn, aber in einer ihrem Kunstsinn angepaßten Weise, eine Zeitlang selbst angewandt, als ihrem schönheitsgefühl gänzlich widersprechend zu verwerfen.
Page 129 - Verurteilung, denn unter 3chonheit wird eine vom Kunstwerk zu erwartende, gerade ihm eigene, unser Gefühl entzückende und vollkommen befriedigende Wirkung verstanden: ein nicht schönes Kunstwerk ist ein unvollkommenes. Hat jenes Urteil recht oder unrecht? Viele meinen es ohne weiteres zurückweisen zu können als ein Vorurteil : eine jahrhundertlangeästhetische Erziehung unseres Volkes, die den 3chönheitsbegriff einseitig der Kntike und der italienischen Renaissance entnommen habe, tragedie3chuldanihm.
Page 130 - Dürer veranlafzte, sein lebelang mit studien der Gesetzmäßigkeit der „Proportionen" des menschlichen Leibes und der Perspektive sich zu beschäftigen, ist eine, im Mangel eines ausgebildeten Formensinnes beruhende „Maßlosigkeit".
Page 134 - Germanische in dem durch den sp^tzbogen gekennzeichneten, kraftvoll die schwere überwindenden streben nach oben und in der Fülle des die Fassade überkleidenden Zierschmuckes. Dürfen wir nun den spitzbogen, verglichen mit dem abgewogenen Rundbogen, im eigentlichen sinne des Wortes eine „übermäßige...
Page 136 - Leuchtkraft, der sattheit und auch schon in herrlichen Zusammenstellungen der Farben eine koloristische Empfindungskraft, die der italienischen weitaus überlegen ist und, wie wir wissen, daher auch entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der einen vorwiegend koloristischen schule in Italien.

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