"Der Arme Heinrich" Hartmanns und die dramatischen Bearbeitungen von Josef Weilen und Ernst Hammer

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GRIN Verlag, 2007 - 60 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,3 - gut, Albert-Ludwigs-Universitat Freiburg (Deutsches Seminar II), Veranstaltung: Hauptseminar Der Arme Heinrich, 7 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Ausser der Behandlung der Frage, warum die Geschichte des Armen Heinrichs im 19. Jahrhundert eine grosse Faszination ausgeubt hat, wurde vor allem dargestellt, welch un-terschiedliche Wege bei der Bearbeitung des Legendenstoffes die Autoren eingeschlagen haben. Am Beispiel der Dramen von Josef Weilen und Ernst Hammer wurde hier gezeigt, wie weit sie sich trotz ahnlicher Ausgangslage voneinander unterscheiden und wie sie sich zu dem Ursprungstext von Hartmann verhalten. Beide, sowohl Hammer, als auch Weilen bauen zusatzlich einen der Legende unbekannten Bruderkonflikt und Erbstreit ein, was die Dramen miteinander vergleichbar macht. Auch die beiden Protagonisten sind sich in ihren Charaktereigenschaften durchaus ahnlich. Daruber hinaus stehen diese Werke je-doch in volligem Kontrast zueinander. Weilen lehnt sich viel starker an die Legende an, indem er die Erlosungs- und Heilungsgeschichte Hartmanns bejaht und Heinrich von seiner Blindheit befreit und ihn das Madchen heiraten lasst. Allerdings schwacht Weilen im Vergleich zu Hartmann die religiosen Bezuge stark ab und verweltlicht' den Text, ohne jedoch die Moglichkeit einer Heilung durch ein Wunder Gottes vollig auszuschlie-ssen. Hammer dagegen verkehrt die Geschichte in ein dusteres, pessimistisches und zutiefst desillusionierendes Bild. Sein Heinrich bekommt nicht die Chance auf Erlosung, da ihm aufgrund der Entfremdung von Gott eine moralische Einsicht verwehrt bleibt und eine Heilung sich damit verbietet. Das ist auch der Grund, weshalb Hammers Drama als ein Anti-Armer Heinrich' aufgefasst werden kann."
 

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Page 5 - Offensichtlich überwiegt hier das ,innere Geschehen', die Reflexion und das Gespräch über den Zustand, seine Deutung und die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Die psychischen Vorgänge prägen die Dynamik der Erzählung, nicht die äußere Handlung. Subjektive Reaktion, die sonst nur bruchstückhaft als Motivation des Handelns thematisch wird, rückt hier in den Mittelpunkt. Daß eine schicksalhafte Erkrankung einen tiefgreifenden Prozeß der Umbesinnung veranlaßt, ist auch dem heutigen Leser...
Page 4 - Goethes Behandlung nicht zu umgehen vermochte, ist gerade dieses Motiv unter dem Einfluß der Christus-Idee und der christlichen Ethik der Hauptanziehungspunkt für die modernen Bearbeiter der Legende geworden. Das Trachten, sich im Bewußtsein der eigenen Schwäche, Schuld und Sünde zu einem reineren und höheren Leben zu erheben, hatte bereits in Dichtung und Kunst vielfach die Form angenommen, daß der zweifelnde, kranke oder schuldbeladene Mann durch die hingebende Liebe eines Weibes gerettet...
Page 4 - Das deutsche Mittelalter, vor allem die staufische Herrschaftsepoche, garantiert eine eigene kulturelle Identität des ganzen deutschen Volkes, die schließlich im „Zweiten Reich" wieder in einen geeinten deutschen Nationalstaat einmündet. Die Wiederentdeckung des eigenen alten Kulturgutes gewinnt politische Dimensionen, denen sich die frühen Germanisten kaum entziehen.'231 Während diese Ausführungen noch recht plausibel sind, wirken Rautenbergs Erläuterungen in Bezug auf das spezielle Interesse...
Page 3 - Volksbuch' -Bearbeitungen, den beiden Gedichten, den Erzählungen Ferdinand Bäßlers und Ricarda Huchs und Albert Geigers Roman gehört der Arme Heinrich schon von der Anzahl der Bearbeitungen her zu den im literarischen Bereich am meisten rezipierten mittelhochdeutschen Werken.'151 Weiterhin zitiert Rautenberg eine Aussage Simrocks aus dem Jahre 1875, der damals die Auffassung vertrat, dass das Hartmannsche Werk „wie für den heutigen Geschmack geschrieben...
Page 4 - Einrichtung des ersten Lehrstuhls für deutsche Sprache und Literatur an der preußischen Reformuniversität Berlin...

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