Der Entwurf eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches von 1922 (Entwurf Radbruch)

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Walter de Gruyter, Apr 29, 2010 - Law - 438 pages
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Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Entstehungsgeschichte und Inhaltsanalyse des Entwurfs von 1922, der auch unter dem Namen "Entwurf Radbruch" bekannt ist und damit auf seinen wesentlichen Verfasser, den damaligen Reichsjustizminister Gustav Radbruch verweist.
Ausgehend von den in der Person Radbruchs liegenden Einflußfaktoren, wie z.B. seine wissenschaftliche Prägung durch Franz v. Liszt, war es die Zusammenarbeit mit Österreich - im Bestreben ein einheitliches Strafgesetzbuch zu schaffen -, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf den Entwurf genommen hat. In Abgrenzung zum Vorgängerentwurf von 1919 bestanden die Kernpunkte der Reformarbeit in dem Bestreben nach der Aussonderung des "Polizeiunrechts" und des "gemeinschädlichen Verhaltens" aus dem Strafgesetzbuch, der Neufassung des Strafensystems unter der Abschaffung der Todes-, Zuchthaus- und den sog. Ehrenstrafen, der Ausweitung der richterlichen Ermessensfreiheit insbesondere im Hinblick auf die Strafzumessung und das "Vikariieren" von Strafe und Sicherungsverwahrung, einer neuen Betonung des Schuldprinzips und Entkriminalisierungsbemühungen im Besonderen Teil.
Bei näherer Analyse dieser - und weiterer anderer Punkte der Gesetzesarbeit - werden auch bedenkliche Tendenzen deutlich: So ist eine Subjektivierung des Strafrechts durch die stärkere Betonung von "Tätertypen", einer subjektiven Versuchslehre und der Ausweitung der Gefährdungshaftung erkennbar.
Dem Entwurf Radbruch wird stets eine besondere Liberalität zugeschrieben, die ihren Ursprung nach herrschender Auffassung in seinem Verfasser hat. Die Arbeit hinterfragt diese These anhand des veröffentlichten und archivierten Materials. Dabei zeigt sich nicht zuletzt am Beispiel der Diskussion um die Zulassung der Todesstrafe, daß es nicht nur Gustav Radbruch war, auf den die liberale Lösung des Entwurfs zurückgeht, sondern daß in diesem Beispiel es vor allem österreichische Bestrebungen waren, die verwirklicht wurden. Insofern trägt die Arbeit in dieser und in weiteren Fragen dazu bei, die herr-schende These zu relativieren und den Entwurf in die Kontinuität der Strafrechtsreform einzureihen.

 

 

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Contents

Einleitung
3
Geschichtliche Entwicklung
11
Gustav Radbruch
27
Aufbau und Entstehungsgeschichte des Entwurfs
64
Einzelregelungen
122
Insbesondere Rechtsfolgen
249
Zusammenfassung
353
Backmatter
399
Copyright

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Common terms and phrases

Abschaffung Abschnitt Akzessorietät Allgemeinen Teil Anstiftung Arbeitshaus Aschrott aufgrund bedingten Straferlasses Begründung Bemerkungen Besonderen Teils Besserung und Sicherung Bestimmungen bestraft Buch bürgerlichen Ehrenrechte Deutsche Strafgesetz-Entwurf deutschen Strafrechts Ehrenstrafen Einschließung Entwurf Erfolgshaftung ersten Fahrlässigkeit Fall Freiheitsstrafe Gefängnisstrafe Gegenentwurf Geldstrafe geltenden Recht Gericht Gesetz Gesinnung Gewohnheitsverbrecher Gleispach GRGA Bd Gustav Radbruch Gustav Radbruchs Kieler Haftstrafe innere Weg insbesondere Irrtum Justizministerium Kadeþka Kohlrausch konnte Kriminalpolitik Kubink Kuppelei Lehrbuch des Deutschen Liepmann Liszt Maßregeln der Besserung mittelbare Täterschaft Möglichkeit öffentlichen ÖGV ÖKV österreichischen Gegenvorschläge Österreichisches Staatsarchiv Person politische Radbruchs Kieler Jahre Rahmen Rechtsirrtum Rechtswidrigkeit Reform des deutschen Reform des Strafrechts Regelung Reichsstrafgesetzbuch Republik Richter RStGB Schmidt Schubert/Regge Schuld Schuldbegriff schweren Sicherungsverwahrung Siehe hierzu Sodomie sollte sowie Stelle StGB Strafart strafbaren Handlung Strafe Strafgesetzbuch straflos Strafmilderung Strafrechtsreform Straftaten Strafvollzug Strafzumessung strengem Gefängnis Tatbestand Täterschaft Todesstrafe Übertretungen Überzeugungstäter Überzeugungsverbrecher Unterbringung Unzucht Verbrechen Vergehen Verurteilten Vorsatz und Fahrlässigkeit Vorschriften ZStW Zuchthaus Zuchthausstrafe Zudem Zweikampf

About the author (2010)

Friederike Goltsche, Hagen.

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