Der Mensch: Verse

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Roland-Verlag, 1918 - 69 pages
 

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Page 53 - Schwermut. Unergründlich ist die Tiefe seiner Erfüllung. Aus dem Antlitz der Häuser, die um seine Straße hocken, Drängen niegekannte Mysterien, niegelöste Rätsel. Turmbau zu Babel zermalmt sein Gehirn. Hand reckt sich nicht zum Fluch, nicht beten Knie. Finger zermahlen die Luft der Umgebung, Scham überfällt seinen dunkelnden Flug. Eingekäfigt in brennende Wunden, Bäumt sich sein Herz auf, grinst sein Hohn — : Blut Schrei überschlägt sich dem Irrsinn nahe — Schon preßt Einsamkeit...
Page 67 - Ich lief die Gestade des Abends entlang, Vorbei flogen die himmlischen Landschaften, Vorbei die irrenden Tiere — Ich lief Menschen starben an mir vorüber, Ich bebte die Trauer nieder, die mich umfloß Ich lief den Ton hinan, den seltsamen Ton, Der mich begrub, dem ich entsprang. II Menschliches Antlitz, plötzlich so nahe: O welche Nähe! Entzückung! und Trost! Bist du Musik? Bist du die Liebe — ? Laß mich verweilen in deinem Gefühl. III Ich lief — Was Flucht und hinan! Blind! Blind! Ich...
Page ii - DAS MEER Und als er dieses Ungeheuere sah, das sich ihm so zu Füßen wand, erwuchs er seiner Kraft und stand : und fühlte sich der Gottheit nah. Und seine Sehnen strafften sich zum Mann. Er wußte dieses : Ich allein bin Ich. Erkannte seine Dreiheit, sein: Ich bin. Ich will. Ich kann. Und goß das Meer in seine Hand. Und taufte sich.
Page 59 - Der Abschied Das Grauen Nacht erschlägt den Abendgang. Die Leerheit des Gesprächs verschluchzt Gebärde. Das dunkle Loch des Mundes hält den Schrei. — So nimm mich hin. Zerreißt die Straße, schatten Menschen um. Ich stürze, schwert Geröll auf meinem Kopf.
Page 12 - Ich will. Ich kann. Und goß das Meer in seine Hand. Und taufte sich. Die Stadt Nun lief er sich die vielen Städte wund und sank in Menschen, Häuser ein. Er liebte späten Kerzenschein, der aus den Mädchenkammern auf die Straße floh. Er trank von vieler Mädchen Mund; gab seine Seele hin und nahm. Doch eine liebt er so . . o . . so, daß, als er einmal ihre Brüste küßte, er meinte, daß er sterben müßte vor weißer Scham.
Page 19 - Händen euch scheu umarmen. Quell tiefster Gebärde. Aus Blumen Kränze! Letztes Fest der Erde! Empfangt . . gebärt uns einen Sohn . . . Schöpft Welten! Neuer Kreise Enden! O Anfang! Liebe ist die hohe Not. Ihr müßt verwehn wie müder Mohn — doch euere Söhne werden leben ohne Tod. Gruß an die Jugend EJ zum Gedächtnis Besinnt euch: trugt ihr nicht einmal Kränze in eueren Haaren? Tanztet ihr nicht mit Fraun in farbentrunkenen Reihn? Laßt, was immer nur Träume und Sehnsüchte waren, glühende...
Page 49 - ... den letzten Sinn Wer folgte auf den höchsten Gipfel, auf diese letzte Möglichkeit — Wer antwortet mir, der ich anderen Antwort immer wußte — Die Stimme sehr nahe Alle großen Einsamen müssen einmal in Müdigkeit sinken. Dann gehen sie zur Frau und sagen: Gib uns zu trinken. Der Jüngling Immer taucht uns Musik in Schlaf und Nacht Und der Morgen, der Jahre vielleicht, sieht uns verwirrt erwacht Die Stimme Händedruck, Kuß und Traum hebt über Lügen uns fort Schön ist Herbst; feierlich,...
Page 57 - ... ich starb in ihr. Begegnen ist Schmerz, weil Schwachheit Tod. Entbrich, Fanfare, in rotes Geröll: Ich! Ich! Ich! Die Dame in Trauer Mein junger Freund — Gibt ihm die Hand, ab. Der Jüngling in die Landschaft Der schmerzliche Baum greift in den Himmel. Schmäht der Wolke, die regenstreichelt Ballt die Faust, geduckt — springt hoch. Rot klafft der Horizont Der schmerzliche Baum kniet Der Himmel schaufelt Nacht . . Vorn«*.
Page 22 - ... Landschaftsbildern, zuweilen verursacht von einem allegorischen Täter (G. Heym „Gott der Stadt"), läßt sich 8 Nietzsche, II, 446. 9 Nietzsche, II, 445. 10 Karl-Ludwig Schneider, Das Bild der Landschaft bei G. Heym und G. Trakl. In: Der deutsche Expressionismus, Hg. H. Steffen, Göttingen 1965, S. 52. 126 Schon beginnt das Zimmer sich um uns zu drehen; Geburt des Morgens löst uns Ekstase zum Untergang. Wir erleben den Schrei der Mutterwehen, Wir steilen uns hoch; und rasen in unaufhörlichem...
Page 28 - ... Wir werden jede Sünde stärker spüren. Wir müssen uns in jedes Schämen führen. Wir müssen jede Nacht den Schlaf zermahlen. Wir können unsere Seele selber küssen. Wir leben jedes Wort und jeden Schrei. Wir lieben an den Frauen scheu «vorbei. Wir werden höher freuen — schmerzen müssen. Georg Heym Schreitend. Die Straßen weichen jäh zurück. Hinstürzende, die seine Schuhe lecken. Nachschleift sein Riesenschatten, uns zu schrecken: die letzte Wahrheit: nur im Graun ist Glück. Aufsprung...

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