Der St. Galler Klosterplan. Entwurf des idealen Benediktinerklosters

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GRIN Verlag, 2007 - 28 pages
Studienarbeit aus dem Jahr 1991 im Fachbereich Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege, Note: sehr gut, Philipps-Universitat Marburg (Kunstgeschichtliches Institut), Sprache: Deutsch, Abstract: Der St. Galler Klosterplan zeigt den Grundriss der Gesamtanlage eines karolingischen Benediktinerklosters. Er wurde kurz vor 830 auf der Reichenau fur den St. Galler Abt Gozbert angefertigt, welcher den Neubau seiner Abtei plante. Der Plan, der noch heute in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt wird, ist auf einem Kalbspergament vor 112 cm x 77,5 cm, das aus funf kleineren Blattern zusammengenaht ist, in mennigroter Tinte gezeichnet und in braunschwarzer Tinte beschriftet. Die Anlage umfasst mehr als 40 Gebaude, deren Funktionen durch Tituli und Sinnbilder bestimmt werden. Allerdings handelt es sich nicht um einen spezifisch auf das St. Galler Projekt abgestimmten Ausfuhrungsplan, sondern um einen Idealentwurf, der den fur ein monastisches Leben gema der Regula Benedicti notwendigen architektonischen Rahmen vorgibt. Dennoch ware der Entwurf, begreift man ihn als Schnurplan, durchaus baulich umsetzbar. Die Benediktsregel behandelt in erster Linie die Lebensweise der Monche, nicht die architektonische Gestalt ihres Wohnortes. Die Vorschriften der Regel bedingen jedoch direkt oder indirekt das Vorhandensein diverser Baulichkeiten. Die Entstehung dieses Idealplanes steht in Zusammenhang mit der Klosterreform Benedikts von Aniane und der Aachener Reformsynoden von 816/17. Ziel der Reform, die sich nahtlos in die Politik Ludwigs des Frommen einfugte, war die Einfuhrung der Ordensregel Benedikts von Nursia als alleingultige Regel fur samtliche Kloster des Frankenreiches. Dass den Abten als Anleitung fur den Bau einer adaquaten Klosteranlage ein derartiger Musterplan, von dem vermutlich weitere Exemplare in Umlauf waren, an die Hand gegeben wurde, erscheint plausibel. Die Frage, inwieweit der St. Galler Klosterplan die Anweisungen der Regula Benedicti und der Aachene
 

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Page 15 - Haec tibi dulcissime fili Cozb(er)te de posicione officinarum paucis exemplata direxi. quibus sollertiam exerceas tua(m) meamq(ue) devotione(m) utcumq(ue). cognoscas. Qua tuae bonae voluntati satisfacere me segnem non inveniri confido. Ne suspiceris autem me haec ideo elaborasse. quod vos putemus n(ost)ris indigere magisteriis. sed potius ob amore(m) dei tibi soll p(er)scrutinanda pinxisse amicabili fr(ater)nitatis intuitu crede. Vale in (Christo) semp(er) memor n(ost)ri. am(en)" 1 Bischoff, Bernhard:...
Page 11 - Wenn möglich ist das Kloster so anzulegen, daß alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle, Garten... und die verschiedenen Berufe innerhalb des Klosters ausgeübt werden können.
Page 11 - Müßiggang ist ein Feind der Seele. Deshalb sollen sich die Brüder beschäftigen: zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten andern Stunden mit heiliger Lesung...
Page 9 - Wird bei einem etwas gefunden, was er nicht vom Abt erhalten hat, verfalle er strengster Strafe. Um dieses Laster des Sonderbesitzes mit der Wurzel auszurotten, stelle der Abt alles Notwendige zur Verfügung, nämlich Kukulle, Tunika, leichtes und schweres Schuhwerk, Gürtel, Messer, Griffel, Nadel, Tüchlein, Täfelchen, damit sich keiner entschuldigen kann, es fehle ihm etwas Notwendiges.
Page 14 - Wirklichkeit gestellte Planung muss von gegebenen Voraussetzungen ausgehen, muss sich auf Bedingungen einlassen, erreicht - nicht selten erkennbar - die ihr gesteckten Grenzen. Der Plan dagegen kennt nur seine von solchen...
Page 9 - exitus et introitus ante claustru(m) ad conloquendum cum hospitibus et ad mandatu(m) faciendu(m) bezeichnet wird.
Page 15 - Vogler, Werner (Hrsg.): Die Kultur der Abtei St. Gallen. Zürich 1990. S.

About the author (2007)

Dr. phil. Kathrin Ellwardt. Studium der Kunstgeschichte, der Mittleren und Neueren Geschichte sowie Graphik und Malerei an der Philipps-Universitat Marburg. Promotion uber "Kirchenbau zwischen evangelischen Idealen und absolutistischer Herrschaft. Die Querkirchen im hessischen Raum vom Reformationsjahrhundert bis zum Siebenjahrigen Krieg" (erschienen im Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004). Wissenschaftliches Volontariat bei den Staatlichen Schlossern und Garten Baden-Wurttemberg, Mitarbeit an der Ausstellung "Kirchengut in Furstenhand. 1803: Sakularisation in Baden und Wurttemberg" (Schloss Bruchsal 2003). Seit 2004 als freie Kunsthistorikerin selbstandig tatig, u. a. Mitarbeit an der Ausstellung "Tausend Jahre Taufe in Mitteldeutschland" (Magdeburg 2006), an der Neukonzeption des "Museums im Konventbau" in Kloster Wiblingen und des Schlossmuseums in Mannheim. Zahlreiche Publikationen zum protestantischen Kirchenbau, zur Kunst-, Landes- und Kulturgeschichte der fruhen Neuzeit.

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