"Der Tod Georgs" von Richard Beer-Hofmann - ein Roman des Jugendstils?

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GRIN Verlag, 2007 - 25 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, FernUniversitat Hagen, 22 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: In dieser Arbeit wird, ausgehend von allgemeinen kunstwissenschaftlichen Darstellungen sowie von literaturwissenschaftlichen Beitragen uber den literarischen Jugendstil," eine Stilanalyse des Romans Der Tod Georgs" von Richard Beer-Hofmann entwickelt. Unter Verwendung der induktiven Methode wurden zunachst einzelne, fur den Jugenstil mit seiner besonderen Charakteristik gemasse Textpassagen ausfindig gemacht und hinsichtlich ihrer stiltypischen Auffalligkeiten untersucht. Es wurde ermittelt, inwieweit die Anlehnung an Motive aus der Natur sowie deren ornamentale Verarbeitung, aber auch Merkmale wie Traum, Verwendung mystischer Figuren, Verklarung anzutreffen sind. Das fur den Jugendstil kennzeichnende Hauptaugenmerk auf das Schone bis in alle Lebensbereiche hinein findet in der Literatur seinen Ausdruck in einem auffalligen Asthetizismus. In dieser Arbeit wird hinterfragt, ob Beer-Hofmann in seinem Roman diesem Prinzip durchgangig treu bleibt. Arthur Schnitzler weist in einem Brief an Beer-Hofmann darauf hin, dass an einer Stelle des Werkes ein Bruch zu verzeichnen sei ( Sie setzen sich sozusagen plotzlich an eine andre Orgel"). Ausgehend von dieser Kritik stellt sich die Frage, ob dieses Werk vollstandig dem Jugenstil zuzuordnen ist oder diese Stelle signifikant fur eine Abweichung, Richtungsanderung bzw. einen Stilwechsel ist. Die Untersuchung dieser Frage soll die induktive Methode mit Blick auf das gesamte Werk als Einheit abrunden
 

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Page 16 - ... Schleier nach unten sinken: Georg hatte dem Fenster den Rücken gewandt, und hell umrandete das Licht seine Wangen die braun gebrannt von der Sonne waren. Seine Augen waren im Dunkel; aber an den Schläfen und dem Ansatz der Wangen war ein leichter heller Flaum wie auf Früchten, die die Sonne gereift.
Page 6 - geht alles hier ineinander über: Wasser in Pflanzen, Pflanzen in Schwäne oder Schlangenleiber, diese in menschliche Glieder". Zwitterhafte Wesen bevölkern diese seltsam verwunschene Welt. Von der stereotypen Mädchengestalt des Jugendstils schreibt wieder Peter Selz: "This girl-woman . . . has the ambivalent eroticism of a small-breasted narrow-shouldered virginal, indeed often boyish, creature.
Page 10 - Ufer, wo das Tal sich öffnete, war eine weiße Wolke wie ein mächtiges Schiff zwischen dunkle Berge gebettet. Trag wiegte sie sich über dem dünnen Nebel der den Talspalt unter ihr füllte, und wie jetzt ein leichter Windhauch von den Bergen her sie traf, lösten sich ihre Ränder und verrannen im Nebel, daß es wie ein breiter Vorhang aus den Wolken herab zur Erde wallte. Er lehnte an der hölzernen Brüstung und sah hinüber, erwartungsvoll — als müßte jetzt der Vorhang reißen und unendlich...
Page 18 - Einen Augenblick fühlte er sich Antlitz an Antlitz, wie in stummem Ringen mit dem Wind ; dann mußte er reden, und er hörte seine eigene Stimme hell das Rasseln des Zugs durchschneiden. „Wind," rief er, „Wind", und fühlte es wie Glück, daß Atem über seine Lippen wehte und dem Wind seinen Namen gab, und ihn, den Starken, zwang, den Hall seines eigenen Namens ein Stück weit mit sich zu tragen. Und Glück war es, kühles Wasser zu fühlen, das aus Wolken vom Himmel herabfloß ; und wenn er...
Page 19 - Fremd und sie nie erfassend, war er in die Welt geworfen, in der er im Wachen lebte ; wovon er nicht wußte, rührte an ihn, und was er tat, wirkte ins Unbekannte. Aber aus ihm geboren war die Welt, in der er träumte; von ihm gesteckt waren die Grenzen ihrer Himmel und ihrer Erden. Allwissend war er in ihr, und alles wußte von ihm.
Page 10 - ... die schwere Flut der dunklen Haare dahin, war das Haupt. Nichts von dem was um sie war, konnte sie sehen; über alles Nahe hinweg, ging unter halbgesunkenen Lidern der Blick ihrer Augen — die wie honigfarbener Bernstein leuchteten - zu ihm. Sie schien regungslos und kam doch näher. Mit geschlossenen Füßen glitt sie über die Wiesen, als triebe sie ein leichter Wind ihm zu, und wie sein eigner Atem tief und schwer ging, war es ihm als söge er sie mit jedem Atemzug an sich heran.
Page 13 - Scharf umrissen, schattenlos, und ohne die Lügen des warmen Tageslichts, erkannte man ihn. Aus dem nebelverhüllten Gewirr der Häuser der Stadt, wand er — kaum mit dem Fuß sie streifend — sich los. Mit dem Felsen ringend bis der Stein ihm zu Willen sich fügte, ballte und türmte er drohend die Quadern zu einer Burg gegen die Götter. Zweimal schien er noch - auf breiten marmornen Terrassen sich sammelnd - in seinem Ansturm zu rasten, dann warf er, steil aufschießend, die Reihen seiner goldumpanzerten...
Page 10 - Denn über allem was er sonst sah, so blaß es schien, lagen doch noch die warmen dunkelnden Schatten des Lebens ; aber was sich um den dürftigen Leib dort weich und taudurchfeuchtet legte, war ein Sterbekleid, und trug das blendende Weiß, zu dem der Tod die Knochen bleicht und in dem vereiste Welten sterben; und war Seide — totes, seidenes Gespinst von ungeborenen Faltern, und dunkle Falter glitten ruhlos suchend um seinen Saum.

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