Der Wille zum Drama: neue Folge der Wege zum Drama; deutsches Dramenjahr 1911-1918

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Oesterheld, 1918 - Drama - 432 pages
 

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Page 402 - Das Verhältnis zwischen Armen und Reichen ist das einzige revolutionäre Element in der Welt; der Hunger allein kann die Freiheitsgöttin, und nur ein Moses, der uns die sieben ägyptischen Plagen auf den Hals schickte, könnte ein Messias werden. Mästen Sie die Bauern, und die Revolution bekommt die Apoplexie. Ein Huhn im Topfe jedes Bauern macht den gallischen Hahn verenden.
Page 397 - Sie werden wohl einsehen, daß es ähnliche Verhältnisse geben kann, die einen verhindern, seinen Leib zum Notanker zu machen, um ihn von dem...
Page 398 - Setzt die Leute aus dem Theater auf die Gasse: die erbärmliche Wirklichkeit! - Sie vergessen ihren Herrgott über seinen schlechten Kopisten. Von der Schöpfung, die glühend, brausend und leuchtend, um und in ihnen, sich jeden Augenblick neu gebiert, hören und sehen sie nichts. Sie gehen ins Theater, lesen Gedichte und Romane, schneiden den Fratzen darin die Gesichter nach und sagen zu Gottes Geschöpfen: wie gewöhnlich!
Page 107 - Es gibt ein Reich, wo alles rein ist : Es hat auch einen Namen: Totenreich. Hebt sich im Sprechen vom Boden. Hier ist nichts rein ! Hier kam alles zu allem ! Sie zieht ihr Gewand eng um sich.
Page 398 - Puppen sind wir von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst! Die Schwerter, mit denen Geister kämpfen, man sieht nur die Hände nicht wie im Märchen.
Page 106 - Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt, Und viel zu grauenvoll, als daß man klage: Daß alles gleitet und vorüberrinnt Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt, Herüberglitt aus einem kleinen Kind Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.
Page 381 - Es gibt keinen Weg zur Gottheit, als durch das Tun des Menschen. Durch die vorzüglichste Kraft, das hervorragendste Talent, was jedem verliehen worden, hängt er mit dem Ewigen zusammen, und soweit er dies Talent ausbildet, diese Kraft entwickelt, so weit nähert er sich seinem Schöpfer und tritt mit ihm in Verhältnis. Alle andere Religion ist Dunst und leerer Schein.
Page 400 - Die Sonne ist hinunter; der Erde Züge waren so scharf in ihrem Licht, doch jetzt ist ihr Gesicht so still und ernst wie einer Sterbenden. — Wie schön das Abendlicht ihr um Stirn und Wangen spielt. - Stets bleicher und bleicher wird sie, wie eine Leiche treibt sie abwärts in der Flut des Äthers. Will denn kein Arm sie bei den goldnen Locken fassen und aus dem Strom sie ziehen und sie begraben? Ich gehe leise. Ich küsse sie nicht, daß kein Hauch, kein Seufzer sie aus dem Schlummer wecke. -...
Page 183 - Die Nacht der Großstadt scheint ins Land zu wogen : Laternen lauern bleich den Fluß entlang. Gleich trunknen Nixen zucken schwank die Widerscheine unterm Brückenbogen...
Page 66 - Die Wahrheit liegt in der Tat zwischen zwei Extremen, aber nicht in der Mitte." Und dieser Satz von dem Fluktuieren alles Wirklichen zwischen den Polen des Begreiflichen reißt aus der Statik des Denkers die bewegliche Formkraft des Künstlers; er gibt aber zugleich auch für alles Denken und Schaffen bei Heimann den Inhalt. Das Problem, das sich im...

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