E.T.A. Hoffmanss "Der goldne Topf" - Der Zaubergarten als Schnittpunkt zweier Welten

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GRIN Verlag, 2007 - 60 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: sehr gut (1), Universitat Wien (Institut fur Germanistik), Veranstaltung: Seminar: Park und Garten als Motive in der neueren deutschen Literatur, Sprache: Deutsch, Abstract: Ausgehend von Hoffmanns Konzept der zwei Welten, die seine Geschichten wie auch die einzelnen Figuren auszeichnen soll der (Zauber)garten des Archivarius Lindhorst als Ort der Wandlung, des Transfers zwischen diesen Welten betrachtet werden. Um eine Welt der Verzauberung, eine Aura des Geheimnisvollen zu erschaffen, bedient sich Hoffmann mehrerer Mittel: Einerseits weckt der Garten Ahnungen an den Orient und Indien - beides noch relativ unerforschte Gebiete der Welt - und andererseits verliert sich der Leser wie auch Anselmus im Motiv der Arabeske, das in den Schriften des Archivarius auftaucht. Der Garten wird also zu einem Raum gemacht, in dem die Naturgesetze, die Logik auer Kraft gesetzt sind und fungiert als Ort, der Sehnsuchte nach einem Paradies, einem eigenen kleinen Garten Eden im Betrachter weckt. Anhand der Vorstellung von Atlantis hat mich die Rezeption der Kultur Indiens in der Romantik interessiert, die meiner Meinung nach Hoffmann inspiriert haben konnte, einige Aspekte davon in sein Werk einflieen zu lassen. Ahnlich wie die marchenhaften Elemente dient dies zur Illusionssteigerung in der Geschichte und im Endeffekt wird die Metamorphose im Garten dadurch moglich gemacht. Die Duplizitat der Welt ist ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch alle Werke E. T. A. Hoffmanns zieht. Die Spaltung der Welt oder einer Figur in sich selbst, das Doppelgangermotiv oder Brillen, die den Blick auf die Welt verandern und Spiegelungen sind Erscheinungen dieser Konzeption und treten als entscheidende Motive immer wieder auf. Die dadurch entstehenden zwei Spharen oder Welten sind auch Charakteristika des Marchens, das ohne diesen Kontrast zwischen Realitat oder Normalitat und phantastischen Ersch
 

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Contents

? Einleitung
4
? Der ZauberGarten Wandelbarer und wunderbarer Ort als Schnittpunkt zweier Welten
11
? Die Welt als Buch dessen Schrift eine Geheimschrift bleibt
18
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Page 15 - Lebendigste der sinnlichen Welt. Die neue Mythologie muß im Gegenteil aus der tiefsten Tiefe des Geistes herausgebildet werden; es muß das künstlichste aller Kunstwerke sein, denn es soll alle ändern umfassen, ein neues Bette und Gefäß für den alten ewigen Urquell der Poesie und selbst das unendliche Gedicht, welches die Keime aller ändern Gedichte verhüllt.
Page 15 - Wären uns nur die Schätze des Orients so zugänglich wie die des Altertums! Welche neue Quelle von Poesie könnte uns aus Indien fließen, wenn einige deutsche Künstler mit der Universalität und Tiefe des Sinns, mit dem Genie der Übersetzung, das ihnen eigen ist, die Gelegenheit besäßen, welche eine Nation, die immer stumpfer und brutaler wird, wenig zu brauchen versteht. Im Orient müssen wir das höchste Romantische suchen...
Page 8 - Damit schritt er schnell den langen Flur hinauf und öffnete eine kleine Seitentür, die in einen Korridor führte. Anselmus schritt getrost hinter dem Archivarius her; sie kamen aus dem Korridor in einen Saal oder vielmehr in ein herrliches Gewächshaus, denn von beiden Seiten bis an die Decke hinauf standen allerlei seltene wunderbare Blumen, ja große Bäume mit sonderbar gestalteten Blättern und Blüten. Ein magisches blendendes Licht verbreitete sich überall, ohne daß man bemerken konnte,...
Page 16 - Tals war ein schwarzer Hügel, der hob sich auf und nieder wie die Brust des Menschen, wenn glühende Sehnsucht sie schwellt. - Aus den Abgründen rollten die Dünste empor, und sich zusammenballend in gewaltige Massen, strebten sie das Angesicht der Mutter feindlich zu verhüllen; die rief aber den Sturm herbei, der fuhr zerstäubend unter sie, und als der reine Strahl wieder den schwarzen Hügel berührte, da brach im Übermaß des Entzückens eine herrliche Feuerlilie hervor, die schönen Blätter...
Page 8 - ... dem Korridor in einen Saal oder vielmehr in ein herrliches Gewächshaus, denn von beiden Seiten bis an die Decke hinauf standen allerlei seltene wunderbare Blumen, ja große Bäume mit sonderbar gestalteten Blättern und Blüten. Ein magisches blendendes Licht verbreitete sich überall, ohne daß man bemerken konnte, wo es herkam, da durchaus kein Fenster zu sehen war. Sowie der Student Anseimus in die Büsche und Bäume hineinblickte, schienen lange Gänge sich in weiter Ferne auszudehnen.
Page 12 - Zeit gewann, sich an dem herrlichen Anblick, den der einfache Schmuck dieses Saals gewährte, zu weiden. Aus den azurblauen Wänden traten die goldbronzenen Stämme hoher Palmbäume hervor, welche ihre kolossalen, wie funkelnde Smaragden glänzenden Blätter oben zur Decke wölbten...
Page 16 - So rief und kickerte und neckte es aus allen Winkeln hervor - ja dicht neben dem Studenten, der nun erst wahrnahm, wie allerlei bunte Vögel ihn umflatterten und ihn so in vollem Gelächter aushöhnten. - In dem Augenblick schritt der Feuerlilienbusch auf ihn zu, und er sah, daß es der Archivarius Lindhorst war, dessen blumichter in Gelb und Rot glänzender Schlafrock ihn nur getäuscht hatte.
Page 10 - Er schritt durch den Korridor und führte Anselmus durch dieselben Gemächer und Säle, wie das erstemal. - Der Student Anselmus erstaunte aufs neue über die wunderbare Herrlichkeit des Gartens, aber er sah nun deutlich, daß manche seltsame Blüten, die an den...
Page 8 - Im tiefen Dunkel dicker Zypressenstauden schimmerten Marmorbecken, aus denen sich wunderliche Figuren erhoben, Kristallenstrahlen hervorspritzend, die plätschernd niederfielen in leuchtende Lilienkelche ; seltsame Stimmen rauschten und säuselten durch den Wald der wunderbaren Gewächse, und herrliche Düfte strömten auf und nieder.
Page 16 - Mutter geweckt, erwachten und sich schmückten mit den Lichtern, die die Mutter ihnen zur Freude auf tausendfache Weise bunt gefärbt. Aber in der Mitte des Tals war ein schwarzer Hügel, der hob sich auf und nieder wie die Brust des Menschen, wenn glühende Sehnsucht sie schwellt. - Aus den Abgründen rollten die Dünste empor, und sich zusammenballend in gewaltige Massen, strebten sie das Angesicht der Mutter feindlich zu verhüllen; die rief aber den Sturm herbei, der fuhr zerstäubend unter sie,...

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